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21/01/2017 10:05 CET | Aktualisiert 22/01/2018 06:12 CET

Ein offener Brief von mir an mich selbst

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Heute ist der Freitag, 20 Januar. Ein Brief von mir an mich selbst.

Es ist fast ein Jahr, seit ich angefangen habe, bei vielen Online-Tageszeitungen zu schreiben, wie der Huffington Post und oe24. Ich habe viel zu tun seitdem ich meine Meinung öffentlich teile. Das Interesse der Leser steigt und auch die Anzahl derer, die meine Accounts stalken.

Für mich hat sich das Leben völlig verändert, seit ich eine öffentliche Person geworden bin. Ich erhalte 24 Stunden am Tag Benachrichtigungen. Die Nachrichten sind sehr unterschiedlich, alles von Interviewanfragen, über Beleidigungen, Morddrohungen und auch netten Nachrichten ist dabei.

Das Leben davor war anders. Ich war jemand, der gern Bücher las, für die Schule lernte, mit der Familie rausgegangen ist. Heute ist es für mich stressig geworden: Manchmal werde ich tatsächlich auf der Straße erkannt, das private Leben gibt es nicht mehr.

Aber ich bin selbstbewusster geworden. Ich beschäftige mich gerade sehr viel mit der Schule, weil ich bald mein Fach-Abitur machen möchte, um später den Beruf des Journalisten zu erlernen. Ich liebe es, Geschichten zu erzählen, das Schreiben und Politiker zu treffen.

Mein Deutsch hat sich sehr verbessert. Sogar fast eine 2 auf dem Zeugnis.

Meine Lehrerin sagte zu mir: "Du bist seit 6 Jahren in Deutschland, und kannst besser Deutsch, als manch hier geborener Deutscher." Das motiviert mich sehr und ich möchte noch mehr lernen.

Mehr zum Thema: Eine Begegnung in einer Pommesbude hat mir gezeigt, wie schlimm es um Deutschland wirklich steht

Ich bin richtig süchtig nach Lernen und erledige meine Aufgaben gern. Ich möchte später studieren und dafür werde ich alles tun. Gerade als Blogger liebe ich es, in Zeitungen zu berichten. Dank dem bloggen in der Huffington Post Deutschland verbessert sich mein Deutsch. Deswegen bleibe ich dieser Zeitung treu.

Viele kennen mich nur aus Online-Medien. Für einige Leute bin ich der "böseste Flüchtling Deutschlands".

Das stimmt aber nicht. Man muss Menschen in der Wirklichkeit kennenlernen, nicht nur im Internet. Ich werde gnadenlos im Netz angegriffen, aber das kann mich nicht stoppen.

Die Pöbler sagen zu Menschen wie mir: "Geh nach Syrien und bau dein Land auf."

Ein Huffington Post Redakteurin machte zuletzt auf deren offizielle Facebook-Seite ein Video über solche Kommentare. Sie sprach mir aus dem Herzen. Sie sagte: "Wie kann man ein Land aufbauen, das sich noch im Krieg befindet." Sie sagte auch, es kommen Männer, weil die Familie die Stärksten nach Europa schicken, um von dort die Daheimgebliebenen zu unterstützen.

Die Kommentare unter dem Video waren zwar genauso wie immer, trotzdem finde ich es toll, dass die HuffPost solche Videos macht.

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Die meisten Menschen, die mich beleidigen, sind AfD-Anhänger. Ich hatte schon Kontakt mit der Pressestelle von Frau Petry, die hat sich dazu aber nicht geäußert.

Viele sagen: "Komm, beweise mir, dass es AfDler sind, die dich beleidigen."

Ich kann aber nicht täglich 200 Screenshots machen, wenn am Ende sich doch niemand dafür interessiert und dann eben auf eine andere Art pöbelt.

Dabei verstecken die Kommentierer ihre AfD-Anhängerschaft ja nicht. Ich sehe es täglich unter deren Twitter-Accounts, wo sie #AfD als Hashtag in ihrer Bio schreiben.

Und auf Facebook wird meistens dieser langweilige AfD-Pfeil in dieser unschönen Farbe gepostet. Um ehrlich zu sein: Als ich das erste Mal das Logo sah, habe ich an dem Tag einen Albtraum bekommen. Diese Leute sagen "Danke Merkel" und ich sage eben "Danke AfD". Ich werde niemals eine Partei unterstützen, die mit rassistischen Äußerungen wirbt, wie ich sie bei Höcke gehört habe.

Wiederrum andere denken, ich unterstütze die AfD und bekomme Geld von denen.

Gehts noch?

Warum nicht gleich sagen, ich würde für die NSA arbeiten. Im Gegenteil, ich bin gegen AfD und NPD. Aber ein Verbot würde nicht ganz ausreichen, weil dieses Gedankengut weiterhin existieren wird.

Was viele Leser einfach nicht verstehen: Ich bin ein ganz normaler Mensch, der seine Meinung öffentlich teilt. Und in Deutschland herrscht die Meinungsfreiheit. Ich bin außerdem Jeside und kein Muslim. Das denken aber viele, weil sie sich ein falsches Bild von mir machen.

Mein Foto wird im Netz Missbraucht und mein voller Name auch.

Manche Leute eröffnen Fake-Accounts unter meinen Namen. Die wollen mir was in den Mund legen. Die haben was gegen meine Meinungsfreiheit, die lasse ich mir aber von niemandem wegnehmen.

Ich lösche und sperre User auf meiner Seite, nicht, weil sie ihre Meinung schreiben, nein, weil sie Beleidigungen und Fehlinformationen in den Kommentaren verbreiten. Außerdem sind auf meiner Seite Flüchtlingshasser und ähnliche Menschen nicht willkommen.

Die werfen mir vor, ich sitze in ihrem Land und kassiere ihre Steuergelder. Aber an die Waffenexporte denken sie nicht. Ich lebe jetzt von dem Geld, was unter anderem durch den Verkauf von Waffen eingenommen wurde. Waffen, mit denen jetzt Syrien bombardiert wird.

Außerdem arbeiten viele Migranten in Deutschland, nicht nur in Döner-Läden. Die zahlen auch alle Steuern.

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Wie es mir sonst so geht: Manchmal bin ich sehr gestresst, aber ich erzähle meine Probleme lieber niemandem, außer manchmal mein besten Freund Julius. Er arbeitet viel und er kann sich nicht immer drum kümmern.

Was ich schon oft erlebt habe ist, Menschen, die du von Herzen lieb hast, hören auf einmal auf sich zu melden. Dies macht mich innerlich kaputt und oft weiß ist nicht mehr weiter. Menschen die du kennst und für die du auf einmal ein Fremder bist.

Aktuell bin ich im Visier von rechte Zeitungen. Diese machen ihre Schlagzeilen mit Diskriminierungen, Rassismus und Zorn und verändern so unsere Welt. Wenn es Facebook nicht gäbe, würden diese Zeitungen nicht weit kommen. Auf Facebook geht es oft nur darum, wer die krasseste Schlagzeile macht, da ist dann aber entweder nichts dahinter oder alles ist gelogen.

Der Hass um Religionen wird uns Menschen alle entzweien. Die Folgen sehen wir unter anderem in Syrien, wo der IS die Scharia etablieren will.

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