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04/10/2015 12:38 CEST | Aktualisiert 04/10/2016 07:12 CEST

Putins Worte: Warm aber auch wahr?

Getty

Seine selbstverliebten Bilder kennt man, vor allem eins: Putin "reitend" mit nacktem durchtrainierten Oberkörper; homoerotisch. Die Sachlage in Russland kennt man aber auch: Hetzjagden auf Schwule, sie werden aus Job und Wohnung gemobbt, verfolgt und geschlagen.

Nun aber radikal andere Aussagen von Putin gegenüber dem US-Sender CBS: Lesben und Schwule würden in Russland nicht diskriminiert. Probleme mit sexuellen Minderheiten würden von außen absichtlich aufgebauscht.

Hilferufe

Doch die Hilferufe kamen von russischen Homosexuellen direkt und sind durch scheußliche youtoube-Videos dokumentiert. Schwulenhass, obsessive Aufspürung und Verfolgung gleichgeschlechtlicher Menschen, bereits vor zwei Jahren berichtete "Spectrum Human Rights Alliance" von 500 Gruppen, die Schwulen nachstellen, oftmals mit Unterstützung der offiziellen Institutionen.

Aber Putin ist sich nicht zu schade, zum Gegenangriff überzugehen: In den USA gebe es vier Bundesstaaten, in denen homosexuelle Handlungen ein Verbrechen seien. Dass die entsprechenden Gesetze bereits 2003 aufgehoben wurden, verschweigt er.

Seiner Meinung nach würden gerade in Russland keinerlei Minderheit verfolgt. Putin erlaube "Menschen mit nicht traditioneller sexueller Orientierung, in Frieden zu leben."

Hardliner-Strategie

Dabei gibt es eine indirekte Hardliner-Strategie, womit Homophobie in Russland bestätigt und zementiert wird. So durch das "Anti-Homo-Propaganda-Gesetz", das er 2013 unterzeichnete. Gerade in diesem Monat wurden fünf LGBT-Gruppen für Jugendliche verurteilt.

Putin aber tönt, er sehe nichts undemokratisches in diesem "Rechtsakt". Die "Leute mit nicht traditioneller sexueller Orientierung" hätten Arbeit, sie würden nicht benachteiligt oder belästigt, erhielten staatliche Auszeichnungen für Wissenschaft, Kunst, etc. Zitat: "Ich habe die Preise persönlich übergeben".

Gleichzeitig aber dient das von dem offen homophoben oder besser gesagt Homo-Hasser Vitali Milonow, der übrigens auch eine Medaille von Putin erhalten hat (soviel zum Wert solcher Auszeichnungen in Russland), verfasste Gesetz der entfesselten Homophobie. Doch Putin äußert sich ohne Differenzierung von Pädophilie und Homosexualität: "Ich glaube, wir sollten Kinder in Ruhe lassen". und "Wollen sie später in einer normalen, natürlichen Ehe oder einer nicht traditionellen leben?".

Damit hat Putin sich entblößt: Worte wie "natürlich" und "normal" implizieren, dass all die anderen abartig und verfolgungswürdig seien. Diese Interpretation mag jetzt etwas weitläufig sein, doch die Diskrepanz zwischen Putin's Aussagen und der realen Situation der LGBTs in Russland ist ein Schlag ins Gesicht aller von Verfolgung betroffener.

Man kann nur abwarten, wie weit Putin mit seiner vordergründigen "pro-homo"-Aktion noch gehen wird und darf gespannt sein wie das offenbar anstehende Gespräch zwischen ihm und Sir Elton John verläuft - und ob die Realität der Homosexuellen in Russland vielleicht wirklich ein wenig erleichtert wird.

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