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03/08/2015 11:37 CEST | Aktualisiert 03/08/2016 07:12 CEST

"Müllermilch" setzt auf homophoben Werbeträger Andreas Gabalier

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Er ist ein bereitwillig von den Medien aufgenommenes Phänomen: Andreas Gabalier, ein Steirer Bub, der die für unüberwindlich gehaltenen Grenzen von volkstümlicher Musik zu Pop lässig überschreitet mit seinen umjubelten, rockigen Auftritt bei Carmen Nebel und später im Musikantenstadel mit anregenden Hüftpopo-Wackeleien.

"I sing a Liad für di" wird ein Hit auch in D, ebenso der Dauerbrenner "amoi sehn wir uns wieder", wo er seine schmerzliche Familiengeschichte verarbeitet und diese aber - schon ganz Profi - RTL explosiv, Punkt 12 etc. wiederum neu erzählt, genau zum Erscheinungsdatum seines Albums "Mountain Man".

Die vorherige gleichnamige Single und "Zuckerpuppn" waren Flops, Gabalier ist also auf der richtigen Schiene wenn er jeweils ein bisschen gossip verbreiten lässt.

Doch plötzlich tauchen Äußerungen von Herrn Gabalier auf, die man zunächst nicht glauben möchte - ein Sympathiebonus ist schon was. Bei den Austrian Music Awards Ende März sondert er ab, es sei "nicht leicht auf der Welt, wenn man als Manderl noch auf ein Weiberl steht". Bitte?

Ein Mann mit positiver Aura stänkert plötzlich arg gegen Schwule und seine Äußerung ist auch rätselhaft, denn gerade er dürfte weibliche Fans genug haben. Der WELT erzählt er kurz darauf "man muss doch nicht jeden Tag schmusende Männlein in der Zeitung oder auf Plakaten drucken,! Wie bitte? Hab ich da was versäumt?

Munter geht es weiter. Zwei Wochen später ist der Merkur dran "Lesben und Schwule" sollten "diese Sexualität nicht ganz so breit in der Öffentlichkeit austreten", "aus Respekt den Kindern gegenüber, und betont, dass man in einer "genderverseuchten" Zeit lebe.

Gleichzeitig taucht Herr Gabalier im Werbe-TV auf, als Sympathieträger für Müller-Milch, mit dem seit Else Kling nicht erneuerten Slogan "wenn's schee macht".

Ein homophober Werbeträger hat für den Müller-Konzern keine Relevanz, wie es auf eine Anfrage des "nollendorfblog.de" herauskommt "aus unserer Sicht bewegen sich Herrn Gabaliers Äußerungen - soweit sie uns bekannt sind - nicht außerhalb des rechtlichen Rahmens..."- Es stellt sich nun die Frage, ob ein Großkonzern, jedenfalls in seiner Branchensparte, einen Werbe-Protagonisten mit homophoben Background unterstützen darf.

Auf gay-Seiten ist schon ein kleiner Shitstorm im Gange, bei weiten jedoch wurde (noch) nicht die Tragweite des barilla-Skandals vor einigen Jahren erreicht. Es bleibt ein leichtes Unbehagen, in Zeiten der Regenbogen-Avatare, des entsprechend angestrahlten weißen Haus, und der Dringlichkeit, Deutschland aus dem Hintertreffen der "Verpartnerung" zu befreien.

Dann soll Homophobie wieder salonfähig fein. Herr Gabalier äußert auf seiner FB- Seite kurzerhand "hab ich irgendwas verpasst weil es in einigen Beiträgen sonderbare Kommentare gibt ??? ... Ich bin im Urlaub und es juckt mich wirklich gänzlich überhaupt nicht."

Soviel hartnäckige Ignoranz findet man selten, ob das das letzte Kapitel dieser unerfreulichen Geschichte sein wird?

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