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12/06/2015 05:55 CEST | Aktualisiert 12/06/2016 07:12 CEST

Kick it like... Angerer, Keßler & Co. Was wir von den deutschen Fußball-Nationalspielerinnen lernen können

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In der WM-Qualifikation gewannen sie bereits jedes Spiel. Mit einem 3:1 Sieg gegen die Schweiz als Generalprobe und dem 10:0 Triumph gegen die Elfenbeinküste lassen die deutschen Fußballfrauen zum Auftakt der Weltmeisterschaft in Kanada keinen Zweifel aufkommen, dass sie den WM-Titel zum dritten Mal wollen. Was macht die Spielerinnen, die schon acht Mal Europameister wurden, von Anfang an so stark?

Sie sind zielstrebig, hochkonzentriert und arbeiten permanent an ihrer Weiterentwicklung. Frauen sind, so erlebe ich es als Mental Coach oft bei meiner Arbeit mit Spitzensportlern, offener für Selbstreflexion als ihre männlichen Kollegen. Diese Bereitschaft ist ein großer Vorteil, wenn es um den Aufbau mentaler und emotionaler Stärke geht.

Und diese Stärke wiederum ist ein entscheidender Erfolgsfaktor im sportlichen, aber auch im beruflichen Wettbewerb. Bei der WM ist der Kopf der Spielerinnen, ihr mentaler Zustand, bei technisch und konditionell gleich starken Gegnern wesentlich wichtiger als der Fuß.

Motivation - der Treibstoff für Erfolge

Im Gegensatz zum Herrenfußball sind die monetären Reize bei den Fußballdamen gering. Geld kann auf Dauer ohnehin nie eine Motivation im Spitzensportsein, im Übrigen auch nicht in der Wirtschaft. Was Spitzensportler antreibt, ist das innere Feuer, die Leidenschaft, der Flow (positive Emotionen) und Begeisterung für den Sport. Bei den Fußballspielerinnen stehen der Siegeswille und die Freude am Spiel im Vordergrund. Und wenn wir eine Aufgabe um ihrer selbst willen tun und mit Freude und Spaß, dann bringen wir Höchstlesitungen.

Diese sogenannte intrinsische Motivation beflügelt uns, alles zu geben, unser volles Potenzial abzurufen. Der unbedingte Wille des Nationalteams, die Nr. 1 zu werden und Fußballgeschichte zu schreiben, treibt jede einzelne Spielerin an und bringt die Mannschaft nach vorne. Von vielen lange belächelt, sind die Fußballerinnen stets weiter ihren Weg gegangen, haben ihr Ziel nie aus den Augen verloren und permanent an sich gearbeitet. Das verlangt emotionale und mentale Stärke - und diese lässt sich aufbauen, auch abseits des Rasens.

Glaub` an dich - dann tun es auch andere

Das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und der Glaube an sich selbst und das Team sind entscheidend, um das volle Leistungspotenzial (am Tag X) abrufen zu können. Das Wissen um die eigenen Stärken und Ressourcen gibt Kraft und Zuversicht. Die bereits errungenen Siege und Erfolge der Fußballdamen verleihen dem Team auch in kritischen Momenten den nötigen Drang nach vorne.

Wer an sich glaubt, gibt der Versagensangst - dem größten Feind des Sportlers - keine Chance, mächtig zu werden. Und wer von sich überzeugt ist, strahlt das aus - und überzeugt damit auch andere, steckt andere an.

Eine für alle - alle für eine

Der Zusammenhalt der Mannschaft schenkt zusätzliches Selbstvertrauen. Dieses Team funktioniert gut, weil jede ihre Einzelinteressen zurückstellt und dem gemeinsamen Interesse unterordnet. Kooperation statt Konkurrenzkampf ist das, was eine Mannschaft stark macht.

Zwischen dem Abwehrduo Saskia Bartusiak und Annike Krahn reicht z.B. oft nur ein kurzer Blickkontakt, damit die eine der anderen im richtigen Moment zur Seite steht. Die beiden Innenverteidigerinnen schätzen sich gegenseitig wert - und das schweißt ein Team stärker zusammen als jede Parole, die ein Trainer oder eine Trainerin ausgeben kann.

Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile

Kommunikation ist im Leben wie im Sport das, was Menschen verbinden, aber auch auseinander treiben kann. Eine gute Kommunikation zwischen Trainer, Co-Trainer und dem Team schafft die Basis für eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Sie sollte von Klarheit, Respekt und Transparenz geprägt sein. Ein unterstützendes Umfeld trägt ebenfalls zum Erfolg bei. Niemand gelangt allein an die Spitze, weder im Sport noch außerhalb davon.

Unser Umfeld hat großen Einfluss auf unser Denken, Handeln und Verhalten. Vor allem das private Umfeld ist ein nicht zu unterschätzender Stabilitätsfaktor. Herrschen hier Probleme, leidet fast immer die berufliche Performance darunter. Gleichwohl bedarf es während eines Turniers wie der WM der „richtigen Dosierung" privater Begegnungen, um die Spielerinnen nicht in ihrer Fokussierung zu stören. Wie gut das funktionieren kann, hat das DFB-Management bereits bei der WM der Herren gezeigt.

Auf den optimalen Fokus kommt es an

Was öffnet noch das Tor zum eigenen Potenzial? Unsere innere Haltung und Sichtweise, die bewusste Steuerung unseres inneren Dialogs und das Betreiben von Gedankenhygiene, d.h. das Eindämmen von Selbstsabotage durch negative, zerstörerische Gedanken. Eine optimistische Sichtweise lässt uns besser mit Herausforderungen umgehen und sorgt für mehr Lebenszufriedenheit. Probleme gehören zum Leben dazu. Wir kommen besser mit ihnen zurecht, wenn wir trotz allem positive Ereignisse und Erfolgserlebnisse im Fokus behalten.

Unser Denken beeinflusst unser Glücksempfinden. Statt über Dinge zu jammern, die sich nicht ändern lassen, ist es nutzbringender, sich aufs Fortkommen zu konzentrieren. So, wie der DFB fürs Damenteam gute Voraussetzungen schafft, bietet auch das Leben außerhalb des Fußballs viele Entwicklungsmöglichkeiten. Dafür sollten wir dankbar sein und vorhandene Chancen nutzen. Wer mutig, diszipliniert, fleißig und zielstrebig ist, wird belohnt . Das zeigt nicht zuletzt der Erfolg der deutschen Fußballdamen.


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