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17/12/2016 09:22 CET | Aktualisiert 18/12/2017 06:12 CET

Rente: Das ständige Gerede vom Generationenkonflikt macht alles noch schlimmer

Valentin Casarsa via Getty Images

Ich bin der Auffassung, dass die Politik gegen die junge Generation endlich aufhören muss. Mit einer Politik „gegen die junge Generation" meine ich aber nicht die Rente. Eine den Lebensstandard sichernde Rente ist sogar im Sinne aller Generationen.

Mit einer Politik „gegen die junge Generation" meine ich das ständige Gerede von einem „Generationenkonflikt" und eine Politik, welche die echten Probleme auf die lange Bank schiebt und keine nachhaltige Vorsorge trifft. Bei den Jusos haben wir einige Ideen entwickelt, wie so eine Politik für die junge Generation aussehen kann.

Alle reden vom „Generationenkonflikt". Wir nicht.

Viele Menschen aus meiner Generation machen sich Sorgen um die Zukunft, insbesondere jedoch um die Zukunft ihrer Eltern. Obwohl die meisten unserer Eltern in das Rentensystem einzahlen und damit Rentenansprüche erwerben, ist völlig unklar, wie viel Rente am Ende für sie übrig bleiben wird.

Das ist ein Problem, denn natürlich machen wir uns darüber Gedanken, ob unsere Großeltern später in Altersarmut leben müssen oder ob sich unsere Eltern bis sie 70 Jahre alt sind halb totschuften werden.

Mehr zum Thema: "Ich habe fast 40 Jahre gearbeitet - und bekomme 500 Euro Rente"

Wenn sie keine ordentlichen Renten erhalten, werden wir diejenigen sein, die unsere Eltern und Großeltern noch zusätzlich unterstützen müssen, um ihre Altersarmut zu verhindern. Aus der Rentendebatte einen Generationenkonflikt herbeizureden ist daher absurd.

Die jungen Leute haben das größte Interesse daran, dass das Rentensystem nachhaltig aufgebaut ist und später nicht alles an ihnen hängen bleibt.

Der Konflikt entsteht, weil nichts passiert

Wir stehen derzeit vor einer Krise des Rentensystems. Unser Rentensystem funktioniert so, dass die aktuell Erwerbstätigen die Renten für die aktuelle Rentner*innengeneration zahlt. Die Alten leben aber nicht „auf Kosten" der Jungen, sondern sie haben früher selbst in das System eingezahlt und Ansprüche erworben.

Dass dieses System Probleme mit sich bringt, wenn es weniger Menschen gibt, die einer Erwerbsarbeit nachgehen, somit weniger Rentenbeiträge und gleichzeitig mehr Rentner*innen Leistungen beziehen, liegt auf der Hand.

Die Vorstellung, dass ich später von meinem Einkommen theoretisch die Beiträge für zwei Renten liefern müsste, und eventuell gleichzeitig auch noch eine eigene Familie versorgen soll, ist nicht sonderlich ermutigend. Kein Wunder also, dass hier ein Konflikt entsteht, wenn nicht endlich nach nachhaltigen Lösungen für das Problem gesucht wird!

Fünf Maßnahmen für eine Politik für die junge Generation

Zielstellung einer Rentenpolitik für die junge Generation muss sein, dass Altersarmut zuverlässig verhindert wird, die Zusatzbelastung für die jüngere Generation möglichst gering bleibt und das Renteneintrittsalter nicht noch weiter steigt.

Statt von einem Generationenkonflikt zu reden und die Probleme auf die lange Bank zu schieben, machen wir Jusos uns dazu Gedanken, mit welchen Maßnahmen diese Ziele erreicht werden können. Die, wie ich finde, fünf wichtigsten Maßnahmen lauten:

1.Umverteilung innerhalb der Generationen

Menschen mit Vermögen und hohen Einkommen müssen sich keine Sorgen um ihre Altersabsicherung machen, da sie sowohl im Rentensystem als auch privat abgesichert sind. Dahingegen sind junge Menschen aus ärmeren Haushalten doppelt belastet, da sie zusätzlich mit Altersarmut in ihrer Familie zu kämpfen haben.

Junge Menschen aus reichen Haushalten können entspannt in die Zukunft blicken. Das ist ungerecht. Wir haben damit keinen Konflikt zwischen Alt und Jung, sondern zwischen Arm und Reich. Um ein gutes Leben im Alter für alle zu ermöglichen und junge Menschen zu entlasten, muss innerhalb der Generationen umverteilt werden.

Hohe Einkommen müssen stärker in die Pflicht genommen und zu höheren Beiträgen verpflichtet werden, Vermögen müssen besteuert werden, Reichtum darf nicht so einfach vererbt werden. Die älteren Generationen haben große Vermögen angehäuft. Wenn wir diese besser umverteilen, wird die junge Generation insgesamt entlastet.

2. Schaffung guter Einkommen als nachhaltige Vorsorge

Altersarmut beginnt bereits mit zu niedrigen Einkommen während des Arbeitslebens. Wer wenig verdient, kann nur in geringem Umfang in die Rentenkasse einzahlen und erhält nur niedrige Rentenansprüche. Zusätzliche private Vorsorge für das Alter ist außerdem bei niedrigen Einkommen kaum möglich.

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Die Durchsetzung einer guten Bezahlung während des Erwerbslebens ist daher der erste Schritt, um Altersarmut zu verhindern. Der Mindestlohn sollte wenigsten so hoch sein, dass er eine Rente oberhalb des Grundsicherungsniveaus ermöglicht.

Außerdem entlasten höhere Löhne auch die jüngere Generation: wer mehr verdient, schafft es in die Rentenkasse einzahlen und gleichzeitig andere Herausforderungen zu meistern, wie etwa eine eigene Familie zu ernähren.

3. Den demographischen Wandel gestalten

Wenn es heißt, dass eine Person aus meiner Generation später im Schnitt für zwei Renten finanzieren muss, ist das ein modernes Märchen. Denn es gibt sehr viele Möglichkeiten, dem demographischen Wandel aktiv vorzubeugen und zusätzliche Menschen auf den Arbeitsmarkt zu bringen - wir müssen sie nur nutzen! Beispielsweise wird das Erwerbsarbeitspotential von Frauen* und sogenannten „Langzeitarbeitslosen" noch gar nicht voll ausgeschöpft.

Außerdem können über Einwanderung zusätzlich Menschen nach Deutschland kommen, die ebenfalls in das Rentensystem einzahlen. Frauen*förderung, Bekämpfung von Langezeitarbeitslosigkeit und ein liberales Einwanderungsgesetz sind also Bestandteiler einer Politik für die junge Generation.

4. In die Zukunft investieren

In vielen Ländern und Kommunen wird gespart, oftmals auch an der Infrastruktur. Die Folgen dieses Sparkurses werden für meine Generation eine besondere Belastung sein. Krankenhäuser, Brücken und Schulen wieder aufzubauen ist viel teurer, als diese kontinuierlich in Stand zu halten. Dabei muss unsere Zukunft mehr wert sein als eine Schwarze Null im Haushalt!

Noch nie zuvor gab es so viele Menschen in Erwerbsarbeit wie heute. Wir müssen diese Gelegenheit nutzen und investieren. Wenn meine Generation später neben unseren Beiträgen zur Rente und unserer eigenen Zukunftsplanung nämlich auch noch die Infrastruktur retten soll, dann haben wir wirklich ein Problem.

5. Die Last auf viele Schultern verteilen

Um die Rente künftig solidarisch zu organisieren und junge Leute mit geringeren Einkommen stärker zu entlasten, müssen zum Beispiel Unternehmen und Selbstständige stärker in die Pflicht genommen werden.

Unternehmen müssen 50 Prozent der Rentenbeiträge für ihre Angestellten zahlen und die gesetzliche Rentenversicherung sollte zu einer Erwerbstätigenversicherung umgebaut werden, in die auch Selbstständige, Beamte und Politiker*innen einzahlen müssen und so einen Beitrag zur Finanzierung der Rente leisten. Für Zeiten ohne Erwerbsarbeit muss der Staat einspringen und die Löcher mit Steuereinnahmen stopfen. Damit das funktioniert, gilt wieder Maßnahme 1: Umverteilen ist das Zauberwort!

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