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15/08/2015 06:39 CEST | Aktualisiert 15/08/2016 07:12 CEST

Rezension "Zweite Chance am Deich" von Sigrid Hunold-Reime

Nachdem Annes 15-jährige Tochter gerade für 1 Jahr zu ihrem leiblichen Vater nach Amsterdam gezogen ist, spürt die Mutter eine Leere und hat außerdem noch eine Schreibblockade. Um in Ruhe über neuen Romanstoff nachdenken zu können, fährt die Autorin zu ihrer Freundin, der Pensionswirtin Tomke Heinrich, an die Nordsee nach Horumersiel.

Auch die seit einiger Zeit von ihrem Mann getrennte Sophie, eine Kellnerin des örtlichen Restaurants "Leuchtfeuer", findet bei Tomke Zuflucht: Nachdem er eine 20-jährige Haftstrafe verbüßt hat, ist zu Sophies Entsetzen plötzlich ihre Jugendliebe Heiner an ihrer Arbeitsstelle aufgetaucht. Und Ex-Mann Burkhard verhält sich merkwürdig. Will er vor seiner Auswanderung nach Toronto noch reinen Tisch machen? Ist er krank?

Tomke selbst steckt ebenfalls in einer Krise: Ihr Ex-Geliebter Paul hat sich wieder bei ihr gemeldet und ein Treffen vorgeschlagen. Nachdem er sich ganz offensichtlich für seine Ehefrau entschieden hat, will sie eigentlich nichts mehr von ihm wissen. Eigentlich! Denn die sonst so entscheidungsfreudige Tomke ist hin- und hergerissen.

Als das Trio eines Abends bei Tomke tagt, um Sophie mit Rat und Tat zu helfen, nehmen die Ereignisse einen unerwarteten Verlauf und eine gefährliche Wendung.

Resümee:

Dieser Roman ist die Fortsetzung von

• Frühstückspension - erschienen 2008

• Die Pension am Deich - erschienen 2012

• Liebesinsel am Deich - erschienen 2014 -

Dass sowohl für Neu-Einsteiger als auch für alte Fans Rückblenden zu den dort geschilderten Ereignissen sinnvoll, manchmal für das Verständnis auch unbedingt erforderlich sind, steht außer Zweifel.

Für mich, die alle 3 Vorgänger gelesen hat, war es jedoch sehr ermüdend, dass die ersten etwa 10 % des Inhalts aus einer Zusammenfassung der aktuellen Ereignisse aus den oben angegebenen Büchern bestehen oder die Protagonisten ihre Gedanken schweifen lassen. Neues passiert kaum.

Anschließend wird der Leser mit der Vergangenheit und aktuellen Situation Sophies - einer neuen Protagonistin - vertraut gemacht. Währenddessen wartet man immer vergeblich darauf, dass etwas die gegenwärtige Handlung Vorantreibendes geschieht.

Das alles erfolgt unter Vernachlässigung des "Show, don't tell"-Prinzips zum Großteil in erzählender Form. Dem Leser wird auf diese Weise die Rolle des bloßen Beobachters zuteil, der Gefahr läuft, das Interesse zu verlieren, zumal ihm die Interpretation des Geschehenen durch die Autorin abgenommen wird. Es gelingt ihm daher nicht, sich zu identifizieren und Empathie aufzubauen.

Erst in der zweiten Hälfte des Buches dominieren die aktuellen Ereignisse - die Handlung ist temporeich und sehr spannend. Hier habe ich mitgefiebert, für die Protagonisten auf einen guten Ausgang gehofft, Empathie empfunden. Hier lief ein Film vor meinem geistigen Auge ab, ich fühlte mich ins Geschehen hineinversetzt.

Sehr gut eingefangen ist die herbstliche Atmosphäre an der Nordsee: Rau und unwirtlich bei Regen, bei gutem Wetter aber zum Genießen der letzten schönen Herbsttage einladend.

Fazit: Besonders Kenner der vorangegangenen Romane der Tomke-Heinrich-Reihe werden in der ersten Hälfte des Buches Gefahr laufen, sich zu langweilen, den zweiten Teil jedoch wieder genießen.

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