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08/02/2016 06:58 CET | Aktualisiert 08/02/2017 06:12 CET

Rezension zu "Straßenschatten" von Regine Kölpin

Jeden Morgen hält die Oldenburger Studentin Paula auf dem Weg zur Uni mit ihrem Fahrrad an einem Bushäuschen, um der Obdachlosen Frieda, die dort nächtigt, ein belegtes Brot zu geben.

Doch eines Tages trifft sie Frieda nicht an - nur deren schäbige Isomatte und der verschlissene Mantel liegen dort. Ihr Gefühl sagt Paula, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt.

Mit Freund Piet geht sie schließlich zur Polizei, doch die verfolgt die Angelegenheit nicht weiter. Kurz darauf wird in einem Gebüsch in unmittelbarer Nähe des Bushäuschens ein männlicher Obdachloser schwer verletzt aufgefunden; er wurde brutal zusammengeschlagen.

Hat es jemand auf Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben und ein Schattendasein am Rande der Gesellschaft führen - "Straßenschatten", wie der "Plastikkönig" sie nennt - abgesehen?

Paula lässt Friedas plötzliches spurloses Verschwinden keine Ruhe und sie begibt sich auf die Suche nach ihr. Doch bald bekommt sie Drohbriefe, jemand scheint sie zu beobachten und nicht nur ihre WG-Mitbewohnerin verhält sich zunehmend suspekt. Schließlich gerät die Studentin sogar in Verdacht, selbst etwas mit dem brutalen Überfall auf den Obdachlosen zu tun zu haben, denn eines ihrer Kleidungsstücke ist bei ihm gefunden worden.

Bald weiß Paula nicht mehr, wem sie überhaupt noch trauen kann und gerät in große Gefahr.

Resümee:

Die Bezeichnung "Thriller" ist bei diesem Buch absolut gerechtfertigt - meiner Meinung nach könnte man sogar ein "Psycho-" voranstellen; aber hier will ich durch Erklärungen nicht zu viel verraten.

Spannung wird vor allem dadurch erzeugt, dass Paulas Freunde und Bekannte sich ihr gegenüber immer eigenartiger verhalten, wofür weder die Studentin noch der Leser einen triftigen Grund sehen können. Dadurch wird mit fortschreitender Handlung der Kreis derer, die man verdächtigt, Paula mit zum Teil drastischen Maßnahmen von der Suche nach Frieda abzuhalten, immer größer. Aber wo liegt das Motiv?

Wiederholte Andeutungen und Selbstvorwürfe Friedas, dass die aktuellen Ereignisse möglicherweise etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun haben, fokussieren den Leser auf diese Frage und treiben ihn an, eine Antwort zu finden.

Diese wird in einem dramatischen Schluss dann so überraschend gegeben und ist so schockierend, dass ich darauf nicht gefasst war. Dabei hat rückblickend vieles darauf hingedeutet, war in der Handlung logisch angelegt.

Eine düstere Herbst-Atmosphäre baut manchmal zusätzlich ein unheimliches, bedrohliches Szenario auf, vor allem, wenn Paula durch dunkle Straßen und einsame Gegenden radelt oder ihr Rad im menschenleeren Innenhof abstellt.

Zwei Erzählstränge drehen sich wechselweise um Paulas und Friedas Situation. Vor allem durch letzteren erfährt der Leser viel über das Leben und die Probleme von Obdachlosen - dem liegt eine hervorragende Recherche-Arbeit der Autorin über ein sozial heikles Thema zu Grunde.

In diesem Zusammenhang kommt die Studentin Paula sehr sympathisch herüber: Sie möchte nicht nur in ihrem Studium vorankommen und es mit guten Noten beenden, sondern ist auch sozial engagiert, schaut bei Problemen nicht weg und legt große Zivilcourage an den Tag.

Und last but not least werden sich Oldenburger über viel Lokalkolorit freuen.

Fazit: ein spannender und sozial beeindruckender Thriller!

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