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27/12/2016 10:05 CET | Aktualisiert 28/12/2017 06:12 CET

Rezension zu "Porträt einer Ehe" von Robin Black

Augusta, genannt Gus, und ihr Mann Owen ziehen von Philadelphia aufs Land, wo sie in einem abgeschieden gelegenen Farmhaus wohnen. Die ehemaligen Lehrer wollen sich dort als Künstler verwirklichen - sie als Malerin, er als Schriftsteller.

Doch Owen hat nach einiger Zeit eine Schreibblockade, während Gus immer neue Ideen für ihre Werke entwickelt.

Hinzukommt, dass sie vor ihrem Umzug mit dem Vater einer Malschülerin eine Affäre hatte. Obwohl diese beendet ist, schmerzt sie das Gewesene nach wie vor. Aus Schuldgefühlen heraus hat sie ihrem Mann alles gebeichtet, aber der Verrat "(lauerte) weiterhin irgendwo in unserem Leben (...)" (Gus, E-Reader, Pos. 177).

Als Gus und Owen bereits 3 Jahre lang ganz für sich in der ruhigen Gegend leben, zieht die geschiedene Alison in die Nachbarschaft. Mit Anfang 50 ist sie nur ein paar Jahre älter als Gus, hat ebenfalls als Lehrerin gearbeitet und will sich auch der Malerei widmen.

Die beiden Frauen suchen den Kontakt zueinander und unternehmen gelegentlich etwas gemeinsam.

Eines Tages kommt Alisons Tochter Nora zu Besuch. Sie studiert Kreatives Schreiben, hegt schriftstellerische Ambitionen und bewundert Owen, dessen Nähe sie sucht.

Die Beziehung von Gus und Owen verändert sich nach und nach und endet schließlich in einem Fiasko.

Resümee:

Sehr fein und detailliert hat Robin Black die Ehe von Gus und Owen gezeichnet, die Charakteristika dabei akkurat herausgearbeitet - genau nach Art eines Porträts, wie der Titel bereits sagt. Das heißt, sie verwendet eine sehr nuancierte Sprache, und der ruhige Stil gibt die Gefühle der Protagonisten exakt wieder. Hier ist auch der Übersetzerin ein großes Lob geschuldet.

Gus erzählt aus ihrer Sicht die vergangenen und aktuellen Ereignisse bis zu Owens Tod, denn: "Das passiert, wenn einer von zweien stirbt. Die Uhr bleibt stehen. Die Geschichte endet." (Pos. 94). Zugleich wird aber auch Owens Befindlichkeit in einem Maße reflektiert, das seinen Gefühlen gerecht wird.

Obwohl sein Ende bereits mit dem ersten Satz - "in den letzten Tagen vor seinem Tod besuchte mein Mann Alison jeden Nachmittag" - vorweggenommen wird, rückt es während des Lesens zunächst in den Hintergrund.

Und am Schluss war ich über die Entwicklung erschüttert:

Gus und Owen haben sich aufs Land zurückgezogen, wo sie in der Isoliertheit des Farmhauses einen Neustart beginnen und eine Beziehung führen, die andere weitestgehend ausschließt. Sie haben sich arrangiert, ihr Zusammenleben ist von etlichen Ritualen und Absprachen geprägt. Dazu gehört auch, dass einige Gesprächsthemen tabu sind, sodass vieles zwischen ihnen ungesagt bleibt.

Auf diese Weise erscheint die Ehe nach außen zwar harmonisch, es herrscht jedoch eine große innere Distanz, zumal beide Gus' Affäre nicht vergessen können.

Dann zieht die kontaktfreudige Alison in die Nachbarschaft - wie Gus Malerin - und beide Frauen sehen sich häufig. "( ...) bei Alison bestand das Vergnügen auch darin, dass sie mich überhaupt nicht kannte. Die Luft um uns war rein, ohne Geschichte. Ich hatte die Chance, mich neu zu erfinden." (Gus, Pos. 865 / 874)

Ihre Tochter hingegen sieht in Owen ein Genie, himmelt den Schriftsteller an und sucht in zunehmendem Maße seine Nähe.

Durch Mutter und Tochter wird die durch eine starre Ordnung geformte und zusammengehaltene Beziehung von Gus und Owen aufgeweicht, verliert immer mehr ihre existenzielle Basis und endet schließlich in einer Katastrophe.

Fazit: ein sehr komplexer Roman, in dem es - vereinfacht gesagt - darum geht, was eine Beziehung aushält, vor allem dann, wenn das Fundament einen Riss bekommen hat.

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