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19/12/2016 04:38 CET | Aktualisiert 19/12/2017 06:12 CET

Rezension zu "Nebelschrei" von Sam Baker

Helen ist eine angesehene Fotografin, die in vielen Krisengebieten gearbeitet hat. Oft war der ebenfalls renommierte Auslandskorrespondent Art Huntingdon mit von der Partie, den sie später heiratete.

Doch die psychischen Belastungen, denen sie ausgesetzt war, wenn sie in zerstörte Gebiete kam und mit Chaos und Tod konfrontiert wurde, sind nicht spurlos an Helen vorbeigegangen und auch Art hat sich verändert.

Nach dem Brand in einer Pariser Wohnung, den sie knapp überlebt, flüchtet die Fotografin Hals über Kopf in eine einsame Gegend Nordenglands. Hier lebt sie unter falschem Namen in einem maroden Haus und glaubt, ein sicheres Versteck gefunden zu haben. Denn niemand darf wissen, wo sie ist, niemand darf sie finden.

Doch die Dorfbewohner sind neugierig, beobachten "die Neue" genau, wollen wissen, mit wem sie es zu tun haben. Und auch das Interesse des dort lebenden frühpensionierten Journalisten Gil Markham ist geweckt.

Resümee:

Die erste Hälfte - das entspricht Teil 1 - des gut 440 Seiten starken Buches plätschert ziemlich unspannend dahin:

Die berufliche und private Entwicklung der Fotografin Helen wird geschildert. Sehr breiten Raum nehmen aber auch die familiären Verhältnisse des pensionierten Journalisten Gil Markham ein. Diesbezüglich fragt man sich mehr als einmal nach dem Warum - soll doch laut Klappentext Helen die Hauptperson sein, während Gil dort keine Erwähnung findet. Seine Rolle bleibt über viele Kapitel unklar, ein Bezug zwischen beiden Personen ist sehr lange - für mich zu lange - nicht gegeben.

Im Prolog wird erzählt, wie Helen dem Brand in einer Pariser Wohnung gerade noch lebend entkommen konnte. Warum sie sich danach in dem einsam gelegenen englischen Dorf versteckt, bleibt jedoch offen. Dem Leser werden auch keinerlei Spekulationsansätze geboten. Die Aufklärung über die Geschehnisse, die zum Brand und damit zur überstürzten Flucht führten, erfolgt erst am Schluss.

Der Schreibstil passt zu den beiden Protagonisten Helen und Gil - meist ist er nüchtern und sachlich, für einen Thriller jedoch viel zu trocken. Der Handlung fehlt dadurch der nötige Drive, den Charakteren die Lebendigkeit, von einem "Thrill" kann nicht die Rede sein.

Konnte mich die erste Hälfte des Buches aus den genannten Gründen nicht fesseln, verhielt es sich mit den Teilen 2 und 3 anders. In ihnen stieg die Spannung stetig an:

Zunächst erfahren wir von den Belastungen, denen Kriegs-Berichterstatter und -Fotografen ausgesetzt sind, wenn sie in zerstörte Orte kommen, wo sie mit Chaos und Tod konfrontiert werden. Helen erzählt Gil Markham von ihren persönlichen Erlebnissen, die ihre weitere Entwicklung und ihr Verhältnis zu Art Huntingdon stark beeinflusst haben. Hier kommt deutlich Bewegung ins Geschehen.

Das letzte Drittel baut darauf auf und ist wieder in der Gegenwart angesiedelt. Die Dramatik erfährt noch einmal eine rasante Steigerung und erreicht ihren Höhepunkt gegen Schluss. Man fühlt mit Helen mit und bangt um ihr Leben. Außerdem tauchen weitere Personen auf, die in den bis dahin recht stringenten aktuellen Handlungsverlauf "funken" und für unerwartete Wendungen sorgen.

Fazit: Während die erste Hälfte des Buches überwiegend langweilig war, wurde es in der zweiten zunehmend spannend und endete mit einem dramatischen Schluss.

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