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21/04/2016 11:01 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

Rezension zu "Ein Grab auf Sylt" von Renate Folkers

Britta hatte es nicht leicht im Leben:

Nach der Trennung der Eltern wuchs sie in einiger Entfernung von Mutter und Schwester beim Vater auf, dem das Ausleben eigener Bedürfnisse stets wichtiger war als das Wohl seiner Tochter. Während ihrer Ehe mit Jonas wurde Britta in die Psychiatrie eingeliefert.

Nun, nach seinem Tod und ihrer Entlassung aus der Klinik als Borderline-Persönlichkeit, findet sie in Torge einen liebe- und verständnisvollen Partner. Zusammen mit ihm will sie ein neues, glückliches Leben führen.

Doch Hannes Baum, ein entfernter Verwandter väterlicherseits, nimmt Kontakt zu ihr auf. Britta will nichts mit ihm zu tun haben, doch er bedrängt und stalkt sie regelrecht. Sie kann sich ihm nicht entziehen - eine verheerende Entwicklung mit tödlichem Ausgang beginnt!

Hauptkommissar Nane Lüders von der Husumer Kripo geht schließlich der Frage nach, ob es wirklich zu diesem tragischen Verlauf der Ereignisse kommen musste, ob nicht Opfer hätten vermieden werden können.

Resümee:

Ort der Handlung ist vor allem die Gegend in bzw. um Husum. Aber auch Düsseldorf, Minden, New York und vor allem Sylt spielen eine zentrale Rolle, wenn es um die Biographien von Britta und Hannes geht.

Und ebendiese fiktiven Lebensgeschichten sind es, die die Autorin schildert. Mit ihrem Zusammenlaufen an einem bestimmten Punkt wird eine zerstörende und in der Konsequenz tödliche Entwicklung eingeleitet, bei der letztlich beide Protagonisten gleichermaßen Täter und Opfer sind.

Es geht um die Frage, wie es zu dieser Aneinanderreihung und Verkettung tragischer Ereignisse vernichtenden Ausmaßes kommen konnte. Hätte die Eskalation an irgendeinem Punkt gestoppt werden können? Welche Rolle spielen dabei z.B. Veranlagung respektive Persönlichkeit, Kindheit, Partner, Mitmenschen?

Rückblenden in Hannes' und Brittas Vergangenheit - bei ihr zum Großteil in Form von Tagebuch-Aufzeichnungen - haben bei der Beleuchtung all dieser Fragen einen wichtigen Anteil.

Für den Leser ist es gleichermaßen interessant und spannend, die vergangenen und gegenwärtigen prägenden Ereignisse in Hannes' und Brittas Biographie mitzuverfolgen und sich selbst gedanklich mit den oben genannten Fragen zu beschäftigen.

Vor diesem Hintergrund ist die Anlage des Plots zu verstehen:

Der Leser sollte nicht enttäuscht sein wegen einiger inhaltlicher Wiederholungen und darüber, dass am Schluss eine überraschende Wendung mit gänzlich unerwartetem Ausgang ausbleibt - dies würde dem Anliegen des Buches, wie ich es verstehe, zuwiderlaufen und damit unglaubwürdig sein.

Und natürlich darf man auch nicht erwarten, dass in diesem Rahmen die Thematik um die Borderline- und Stalking-Problematik wissenschaftlich komplett abgehandelt wird.

Fazit: eine äußerst interessante Problematik spannend "verpackt".

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http://www.annette-traks.com

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