BLOG
05/03/2016 07:20 CET | Aktualisiert 06/03/2017 06:12 CET

Rezension zu "Das Wesen" von Arno Strobel

1994 verurteilte ein Gericht den Psychiater Joachim Lichner wegen des Mordes an einem kleinen Mädchen, obwohl er stets behauptet hatte, unschuldig zu sein. Dreizehn Jahre später wird er aus der Haft entlassen. Glücklich ist er jedoch nicht über die Freiheit, sondern er spürt wieder eine große Wut in sich.

Jetzt, an einem Juli-Abend des Jahres 2009, erhält der seiner Zeit die Ermittlungen leitende Kriminalhauptkommissar Bernd Menkhoff einen anonymen Anruf, dass ein kleines Mädchen aus einer Wohnung verschwunden sei. Er und sein Kollege Alexander Seifert fahren sofort zu der angegebenen Adresse und können es nicht fassen: Der Mieter, der ihnen öffnet, ist Joachim Lichner.

Im Gegensatz zu seinem Kollegen, der bereits 1994 sein Partner war, ist Bernd Menkhoff vom ersten Moment an davon überzeugt, dass der Psychiater auch jetzt für das Verschwinden des Kindes verantwortlich ist. Eine Nachbarin bestätigt, bis vor Kurzem öfter ein kleines Mädchen bei ihm gesehen zu haben. Die Beamten finden bald heraus, dass es sich laut Melderegister um seine zweijährige Tochter Sarah handeln muss.

Joachim Lichner jedoch behauptet, gar kein Kind zu haben. Er fühlt sich in die Vergangenheit zurückversetzt und behauptet, vor allem Menkhoff wolle ihm erneut einen Mord anhängen.

Für ihn und die beiden Ermittler beginnt ein erbittertes Psychoduell um (Un-) Schuld und Rache.

Resümee:

Was für ein Psychothriller!

Das Geschehen ist bis ca. zur Hälfte des Buches in zwei alternierenden, inhaltlich miteinander verwobenen Strängen angelegt. Beide werden aus der Sicht von Kriminalkommissar Alexander Seifert erzählt, der schon damals bei den Ermittlungen der Partner von Bernd Menkhoff war.

Der eine Strang spielt im Februar 1994 und schildert die Ereignisse um den Tod der kleinen Juliane sowie die Ermittlungen, die zur Verurteilung des Psychiaters Joachim Lichner geführt haben.

Die zweite Handlungsebene ist in der Gegenwart, im Juli 2009, angesiedelt und beginnt mit dem anonymen Hinweis zum Verschwinden der zweijährigen Sarah Lichner aus der Wohnung ihres Vaters.

Ab etwa Buchmitte spielen die Ereignisse ausschließlich in der Gegenwart und spitzen sich immer dramatischer zu. Dabei versteht es der Autor hervorragend, den Leser in dem Glauben zu lassen, den Täter bereits zu kennen - geschickt bietet er zwei Alternativen an.

Aber weit gefehlt! Der Schluss, so logisch und folgerichtig letztlich schon früh auf ihn hingearbeitet wurde, ist schier unglaublich - er liegt im Wesen des Menschen begründet (siehe Titel).

Falsche Fährten, überraschende Wendungen und Cliffhanger am Ende der im Allgemeinen kurzen Kapitel machen das Buch zu einem wahren Pageturner, der dem Anspruch eines Psychothrillers absolut gerecht wird.

Brisanz und Spannung erhält die Handlung außerdem dadurch, dass Kriminalhauptkommissar Bernd Menkhoff damals wie heute geradezu besessen davon ist, Joachim Lichner als Täter an die Justiz auszuliefern. Ja, er scheint ihn geradezu zu hassen und eine persönliche Rechnung mit ihm offen zu haben.

Im Gegensatz zum ihm ist sein Partner Alexander Seifert rationaler, lässt sich nicht von seinen Gefühlen leiten. Ihn plagten und plagen Zweifel an der Schuld Lichners, und er ist mit den Theorien und Methoden Menkhoffs nicht immer einverstanden, versteht dessen so verändertes Verhalten manchmal nicht.

Fazit: absolute Hochspannung!

261 Rezensionen von http://www.annette-traks.com184 Autoren findet der Autor im Bücher-Blog folgender Homepage:

Auch auf HuffPost:

Lesenswert: