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18/10/2015 11:40 CEST | Aktualisiert 18/10/2016 07:12 CEST

Rezension "Sie suchen die Sonne" von Christian Hanewinkel

MyLoupe via Getty Images

Die Frau des Journalisten Benjamin Stegner (42) hat ein Verhältnis mit seinem Chef - mehr noch: Sie ist von ihm schwanger und verlässt ihren Mann. Als die Redaktion ihm auch noch kündigt, packt er seine Sachen und flüchtet nach Tavira an die portugiesische Algarve. Dort will er vergessen und sein Leben neu ordnen.

Er mietet eine kleine Wohnung, doch sein zweites Zuhause ist Patrick's Bar, wo sich Einheimische, Touristen und Aussteiger treffen. Benny, wie ihn alle nennen, sieht um sich herum viele Menschen, die genau wie er auf der Suche nach Freiheit, Glück und Liebe sind.

Er stellt fest: "Ich suche nur das Schöne im Leben, will glücklich sein, aber ich bin es ebenso wenig wie viele andere." (E-Reader Position 448).

In einem Café trifft er sich regelmäßig mit der Französin Cora - geschieden und Mutter eines 8-jährigen Sohnes. Während er die Beziehung für Freundschaft hält, sieht sie mehr darin; das kann nicht ohne Komplikationen bleiben. Als er eines Tages erfährt, dass sie zurück nach Frankreich will, ist er verstört.

Die Portugiesin Joana rettet ihm nach einem Unfall das Leben und pflegt ihn gesund. Im Gegenzug hilft Benny ihr später, ihren zerstörten Gemüse-Garten wieder anzulegen und ihren verschwundenen Bruder zu finden. Doch sie scheint etwas Schwerwiegendes vor ihm zu verbergen. Nutzt sie ihn vielleicht nur aus, wie einige meinen?

Benny wird immer mehr von den Angelegenheiten der beiden Frauen gefangen genommen, gerät immer mehr in ihren Sog und findet statt Klarheit, Freiheit und Glück lediglich Verstrickungen, Korruption und Lügen.

Er flüchtet nach Deutschland zurück, will dort erneut Fuß fassen und trifft auch seine Ex-Frau wieder.

Resümee:

Dieses Buch steht einem Kriminalroman an Spannung in nichts nach!

Es geht in ihm um ganz unterschiedliche Lebensentwürfe, bei deren Realisierung jeder durch die normative Kraft des Faktischen meist mehr oder weniger starke Abstriche machen und Änderungen vornehmen muss. Was bleibt letztlich übrig?

Dabei spielen Erwartungen und Ansprüche des Einzelnen - an die Lebensweise, die Mitmenschen, Partner, Familie etc. - eine wesentliche Rolle.

Für jeden stellt sich die zentrale Frage, was zu einem glücklichen Leben gehört. Sind es z.B. Arbeit und Geld, Beziehung und Ehe, Kinder und Familie oder ist es die absolute Freiheit ohne jegliche Verpflichtungen?

Wo findet man das Glück - ist es ebenso wie Heimat ortsabhängig?

Und welche Form der Liebe ist die erfüllende? Die unabhängige, die rein körperliche, die käufliche oder doch die verbindliche und manchmal vielleicht einengende?

Benny z. B. hat Angst vor Gefühlen, hat Angst sich neu zu verlieben. Sex bedeutet ihm nichts, er möchte vielmehr, dass die Menschen mehr füreinander einstehen.

Er überlegt: "Ich frage mich aber auch, ob man überhaupt lieben kann, wenn man frei ist, wenn man immer frei sein will." (E-Reader Pos. 547). Denn "Frei sein bedeutet, sich selbst aufgeben zu können." (Pos. 2605).

Letztlich ist das Streben der Menschen aber auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen:

"Sie suchen die Sonne" (Titel).

Die Sprache ist zum Teil anschaulich bildhaft.

Als wohltuend habe ich es empfunden, dass die englischen Passagen nicht übersetzt wurden - das wäre ausgesprochen störend gewesen, hätte viel von der Authentizität genommen. Die kurzen portugiesischen Gesprächsbeiträge sind aus dem Kontext heraus selbsterklärend.

Fazit: Unterhaltung at it's best mit einem großen Angebot, über das Leben an sich und im Besonderen nachzudenken.

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