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03/03/2015 04:38 CET | Aktualisiert 03/05/2015 07:12 CEST

Rezension "Ostfriesenwut" von Klaus-Peter Wolf

Ein Angler findet im Hafenbecken von Leer die Leiche der 29-jährigen Eske Tammena, der Geliebten von Dr. Wolfgang Steinhausen.

Als die Kripobeamten Ann Kathrin Klaasen und Frank Weller - gleichzeitig ihr Ehemann - in der luxuriös eingerichteten Wohnung des Mannes eintreffen, wirkt diese trotz der anwesenden vietnamesischen Putzfrau eigenartig entpersonalisiert, ja geradezu unbewohnt.

Ann Kathrin Klaasen hegt bald die Vermutung, dass Dr. Steinhausen zwar möglicherweise nicht Eske Tammenas Mörder ist, aber dennoch seine vier Wände fluchtartig verlassen hat. Hat er Dreck am Stecken und will auf keinen Fall mit der Polizei zusammentreffen? Sie forscht ein wenig nach und hat schnell einen ungeheuerlichen Verdacht, den außer ihr jedoch niemand teilt - Frank Weller ausgenommen. Im Gegenteil: Vor allem Vorgeordnete tun alles, um sie von weiteren Nachforschungen abzuhalten. Das bestätigt Ann Kathrin allerdings nur darin, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, und sie stellt auf eigene Faust unter Einsatz ihres Lebens weitere Recherchen an. Dabei deckt sie schier Unglaubliches auf, was sie in ihren Grundfesten erschüttert; umso mehr, als sich herausstellt, dass ihr väterlicher Ex-Chef Ubbo Heide sie einst schwer hintergangen hat. Ganz offensichtlich soll von höchster Stelle eine große Sache mit aller Macht vertuscht werden.

Doch nicht nur Ann Kathrins Leben ist in Gefahr, sondern die ostfriesische Bevölkerung wird durch einen geplanten Gift-Anschlag auf das Trinkwasser bedroht.

Resümee:

Ich bin seit Jahrzehnten ein großer Klaus-Peter-Wolf-Fan, habe fast alle seine Bücher gelesen, darunter sämtliche 8 Vorgänger der Ann-Kathrin-Klaasen-Reihe. Dies ist das allererste seiner Werke, das mir überhaupt nicht gefallen hat.

• Immer schon hat der Autor seine Ostfriesen-Krimis genutzt, um Produkte, Lokalitäten, Personen der Region zu promoten - unter letzteren vor allem andere Krimi-Autoren und seine Ehefrau, eine Kinderbuchautorin und Liedermacherin. In diesem Buch hat mich die besonders penetrante Dauerwerbung, das permanente Product-Placement gewaltig genervt.

Als krönenden Höhepunkt lieferte K.-P. Wolf gegen Schluss noch den Text eines Weihnachtsliedes seiner Gattin. Fehlten nur noch Leseproben aus den Werken seiner Autoren-Kollegen.

• Die Handlung ist total überfrachtet mit Handlungssträngen, den sie tragenden Personen und Themen. Da geht es nicht nur um Mord, sondern auch um manipulative Börsengeschäfte, Vergiftung des Trinkwassers durch biologische Kampfmittel, transatlantische Datenverkehrskabel, Korruption, organisiertes Verbrechen und V-Männer, unrechtmäßige Einlieferung in die Psychiatrie, und ganz zum Schluss kommt auch noch eine Prise Mädchen- und Frauenhandel hinzu. Es ist schwer für den Leser, den Durchblick zu behalten ... so er ihn jemals bekommen hat.

• Ann Kathrin Klaasen fand ich extrem unsympathisch. Sonderlich teamfähig ist sie zwar nie gewesen, versuchte häufig, ungeachtet der Meinung ihrer Kollegen und Vorgesetzten, ihre eigenen Vorstellungen zu realisieren. Ihre Motive waren für den Leser aber nachvollziehbar und der Erfolg gab ihr meistens recht.

In diesem Buch jedoch klinkt sie sich komplett aus und unternimmt in wildem Aktionismus lebensgefährliche Alleingänge, über die sie zum Teil weder Kollegen noch Vorgesetzte informiert, nicht einmal ihren Ehemann Frank Weller.

Dabei agiert sie wie eine Furie in Rambo-Manier, wobei es ihr nie um die Aufklärung des Mordes an Eske Tammena und die Ergreifung ihres Mörders geht, sondern stets um ausschließlich rein persönlich motivierte Aktionen.

Sofern er eingeweiht worden ist, deckt und unterstützt Frank Weller seine Frau und Kollegin ergeben. Sein Part in diesem Buch ist primär die des loyal-unterwürfigen und besorgten Ehemannes. Als Polizist spielt er kaum eine Rolle.

• Was die Kollegen in der Zeit treiben, während der Ann Kathrin umher irrlichtert, bleibt weitestgehend unklar. Sie und die neue Chefin Diekmann agieren wenig zielführend und eher kontraproduktiv, zum Teil sogar intrigierend. Um Mordermittlungen im Fall Eske Tammena kümmert sich niemand.

• Schließlich bekommt Ann Kathrin von Frank Weller, anderen Kollegen und nicht zuletzt Ubbo Heide auch noch alle erdenkliche moralische und tatkräftige Unterstützung, ja sogar eine Waffe, um erfolgreich Selbstjustiz üben zu können. Ins entscheidende, gefährliche Gefecht gegen einen Schwerverbrecher lassen sie Ann Kathrin jedoch allein ziehen - um sie dann in Wild-West-Manier mit Nachbarn und Freunden als Hilfssheriffs zu retten.

Fazit: Die gesamte Handlung wirkt hochgradig abstrus, das Lokalkolorit bleibt auf der Strecke und die penetrant wiederholten Produkt-Platzierungen nerven kolossal.

194 Rezensionen von 143 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks.com


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