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15/09/2015 05:08 CEST | Aktualisiert 15/09/2016 07:12 CEST

Rezension "Glut und Asche" von James Lee Burke

Der ehemalige Mittelgewichtsboxer Danny Boy Lorca, "ein trunksüchtiger Indianer, der seinen Schmerz hinunterschluckte und niemals zuckte, wenn sie ihre Fäuste an seinem Gesicht wund schlugen" (Seite 9), wohnt in Texas, nahe der mexikanischen Grenze.

Eines Tages gräbt er in der Wüste nach Dinosaurier-Eiern, als er einen brutalen Mord beobachtet: Bewaffnete töten bestialisch einen von zwei aneinandergeketteten Männern, der andere kann fliehen.

Geschockt über das Gesehene schleppt sich Danny Boy ins Büro von Sheriff Hackberry Holland und Deputy Sheriff Pam Tibbs. Die haben die Vermutung, dass es sich bei dem Toten um einen Mann handeln könnte, der vom FBI gesucht wird. Und wer ist der Zweite, der an ihn gekettet war?

Für den 70-jährigen Hackberry Holland beginnen schwierige Ermittlungen.

Nicht nur, dass es - wie auch schon im Vorgänger-Roman "Regengötter" - wieder ein Kompetenzgerangel mit dem FBI-Agenten Ethan Riser gibt, sondern die Nachforschungen ziehen immer weitere Kreise, immer mehr Personen geraten in den Fokus.

Sie belauern und bekriegen sich zudem auch gegenseitig nach dem Motto "jeder gegen jeden".

Besonders herauszustellen sind folgende Protagonisten:

• La Magdalena, eine Asiatin, die eigentlich Anton Ling heißt, und sich für illegale mexikanische Einwanderer einsetzt, ihnen auf ihrem Grundstück Unterschlupf gewährt und sie versorgt,

• Reverend Cody Daniels, der von seinem auf einem Felsen gelegenen Haus mit demTeleskop ins südliche Tal schauen kann und häufig kleine Menschengruppen mexikanischer Flüchtlinge sieht, die zum Haus von La Magdalena ziehen,

• "Preacher" Jack Collins, ein unberechenbarer Psychopath, den Hackberry Holland bereits tot glaubte,

• der vor nichts und niemandem zurückschreckende Killer Krill und sein ergebener Gefolgsmann Negrito.

Ist Sheriff Hackberry Holland dieser Übermacht gewachsen? Deputy Sheriff Pam Tibbs entwickelt ihm gegenüber so etwas wie Beschützer-Instinkte, kann aber nicht verhindern, dass beide immer wieder in Gefahr geraten.

Resümee:

Dieser Thriller ist, wie schon in der Inhaltsangabe erwähnt, die Fortsetzung von "Regengötter" - erschienen 2014. In meiner Rezension dazu vom 28. Okt. 2014 (siehe Bücher-Blog) findet man auch eine Kurzbiografie von Sheriff Hackberry Holland.

Wie bereits im Vorgänger ist auch im vorliegenden Buch jeder einzelne Charakter detailliert ausgearbeitet. Auch hier wechseln temporeiche, spannungsgeladene Passagen mit ruhigeren ab, in denen vor allem die Natur einen breiten Raum einnimmt.

Jedoch ist dies nicht nur die Fortsetzung von "Regengötter", sondern für mich in vielerlei Hinsicht auch noch eine Steigerung. "Glut und Asche" empfinde ich als noch

• wort- und bildgewaltiger,

• atmosphärischer,

• epischer,

• brutaler, härter und

• action-reicher

Aber gegenüber dem Vorgänger war dies für mich genau das Maß an Zuviel, das den Genuss zum Teil stark beeinträchtigte. So blieb mir beispielsweise nur wenig Spielraum für eigene Bilder, Vorstellungen und Phantasien; ich fühlte mich zu stark gegängelt und eingeengt.

Und der häufige Szenen-Wechsel mit anderen Schauplätzen und Charakteren machte es unter den beschriebenen Bedingungen schwer, sich von dem einen Ort der Handlung zu lösen und in den nächsten zu vertiefen.

Fazit: Ein in vielfacher Hinsicht eindrucksvoller Thriller, bei dem allerdings ein Weniger von allem mehr gewesen wäre - auch in Anbetracht der 700 Seiten Gesamtlänge, die der Leser zu bewältigen hat.

235 Rezensionen von 170 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks.com

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