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13/04/2014 05:58 CEST | Aktualisiert 13/06/2014 07:12 CEST

Rezension "Fuck the Möhrchen" von Barbara Ruscher

Wissen wir trotz aller wissenschaftlichen Erkenntnisse wirklich, was in Baby's Gedanken- und Erlebniswelt vor sich geht? Wie sieht und interpretiert der Säugling die Geschehnisse um sich herum? Was will das Kleine wirklich ausdrücken, wenn es uns mit Knupperkirschen-Augen anblickt, gluckst, sabbert, brabbelt, weint, brüllt und strampelt? Die Kabarettistin Barbara Ruscher liefert zu all' dem überraschende Antworten aus Sicht eines Baby's während seines ersten Lebensjahres, beginnend mit dem Geburtsvorgang.

Protagonistin und Erzählerin ist Mia, die sich so ihre Gedanken über das Verhalten der Erwachsenen macht - zusammen mit ihrem ständigen, abgeklärten Partner Teddy und den gleichaltrigen Levke-Fee und Sören-Wotan. Denn zwischen den Vieren klappt die Kommunikation ganz prima.

So erzählt die Kleine uns z.B., wie sie ihre Geburt erlebt, schildert PekiP*)- und Arztbesuche, berichtet vom Stillen und Zahnen, den ersten Breichen im Vergleich zur Muttermilch, dem Erlernen von Rollen, Sitzen, Laufen und Sprechen. Sie interpretiert das Verhalten der Erwachsenen, speziell der Eltern, auf ihre ganz eigene Weise - beispielsweise wenn diese im Stress sind, es Konflikte der Ehepartner und Konkurrenzdenken zwischen ihren und Sören-Wotan's sowie Levke-Fee's Eltern gibt oder diese mit ihr reden.

Einzig Mia's Opa, scheint sich generell, was den Umgang mit dem Nachwuchs angeht, „normal", das heißt intuitiv, dem gesunden Menschenverstand fol- gend, zu benehmen.

Resümee:

In 24 witzigen, zum Teil urkomischen Kapiteln beschreibt die Autorin den Baby-Alltag aus dessen ganz eigener Sicht. Und die entspricht beileibe nicht immer der der Erwachsenen. Dabei verfallen Mia und ihre Freunde allerdings nicht in die besonders bei Eltern so beliebte Baby-Sprache, sondern analysieren, denken und reden ganz rational wie Erwachsene. Das ist für den Leser zunächst gewöhnungsbedürftig, macht aber einen Großteil des Witzes aus.

Die einzelnen Kapitel sind dabei ironisch, komisch, manchmal auch satirisch überspitzt geschrieben. Situationen, Begebenheiten und Gedanken werden oft überzeichnet, wodurch eine Komik entsteht, die die Lachmuskeln trainiert.

Gleichzeitig öffnet diese Technik natürlich die Augen für das Verhalten mancher Erwachsener - besonders Eltern - und regt im besten Fall zur Reflexion an.

Einen Erziehungsratgeber allerdings sollte man hier auf keinen Fall erwarten, sondern beste Unterhaltung, bei der so manchem Vater und so mancher Mutter ein Spiegel vorgehalten wird.

*) Prager Eltern-Kind-Programm

131 Rezensionen von 95 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks.com

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