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05/04/2016 16:17 CEST | Aktualisiert 06/04/2017 07:12 CEST

Rezension zu "Die Reise der Amy Snow" von Tracy Rees

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Man schreibt das Jahr 1831: Aurelia, Tochter von Sir Charles und Lady Celestina Vennaway, ist 8 Jahre alt, als sie im Park des elterlichen Herrenhauses Hatville Court einen ausgesetzten, nackten Säugling in einer Schneewehe findet. Ohne zu zögern wickelt sie ihn in ihren Umhang und bringt ihn nach Hause.

Gegen den Widerstand der Eltern setzt Aurelia durch, dass das Baby auf Hatville Court bleiben und aufwachsen darf. Sie gibt dem Mädchen den Namen Amy Snow - Amy nach ihrer Lieblingspuppe und den Nachnamen nach dem Fundort - und vergöttert die Kleine vom ersten Tag an. Sir Charles und Lady Celestina jedoch verachten das Findelkind, das ihnen nicht unter die Augen treten darf. Es lebt bei den Dienstboten und wird von ihnen erzogen.

Aurelia und Amy verbindet eine immer intensiver werdende Freundschaft, die allen Anfeindungen zum Trotz bis zu Aurelias Tod mit Mitte 20 fortbesteht. Die 17-jährige Amy muss Hatville Court unverzüglich verlassen - doch ihre Freundin hat zu Lebzeiten vorgesorgt: Mit finanziellen Mitteln großzügig ausgestattet, schickt sie sie auf eine Art Schatzsuche durch England.

Die Reise und der von der Verstorbenen vorab organisierte Aufenthalt bei Freunden, die auch Amy wohlgesonnen sind, lässt sie wachsen und zu einer selbstbewussten jungen Frau werden.

Und am Ende hat sie Geheimnisse über Aurelia erfahren, die diese ihr zu Lebzeiten nicht anzuvertrauen gewagt hat.

Resümee:

Es ist interessant und spannend, Amys Entwicklung von einer "grauen Maus" zu einer selbstbewussten jungen Frau mitzuverfolgen.

Die Handlung wird in der Ich-Form aus Amys Sicht erzählt. Sie ist in 4 Teile gegliedert, in denen jeweils zwischen Rückblenden und Gegenwartsgeschehen gewechselt wird, und in denen es schwerpunktmäßig um folgende Themen geht:

1. Aurelia und Amy auf Hatville Court

2. & 3. die Reise Amys und ihre Entwicklung

4. Aurelias Geheimnis

Besonders Teil 2 und 3 muten oft märchenhaft-fantasievoll an, denn die Verstorbene hat ihre Freundin in Anlehnung an ein Spiel, das beiden in der Kindheit sehr viel Spaß gemacht hat, auf eine Schatzsuche durch England geschickt. Die einzelnen Stationen, Zeitplanung und Hinweise hat sie vor ihrem Tod akribisch vorbereitet. Der "Schatz" besteht dabei u.a. aus Amys nach und nach erstarkendem Selbstbewusstsein, Geschenken, die Aurelia deponiert hat, und bislang verheimlichten Informationen über sie.

Leider ist der Handlungsrahmen jedoch relativ eng gesteckt, sodass dem Leser wenig Spielraum zum Miträtseln bleibt - in der Regel kann er Amy nur als Beobachter begleiten. Ab ca. der Hälfte ahnt man auch bereits, welches ganz große Geheimnis Aurelia ihrer Freundin zu Lebzeiten vorenthalten hat.

Es geht in diesem Buch aber nicht nur darum, Amys Entwicklung zu verfolgen und Aurelias "dunklen Punkt" zu erfahren, sondern der Roman handelt auch von einem sich verändernden Frauenbild während des Viktorianischen Zeitalters - benannt nach Queen Victoria, die 1837 den Thron bestieg und als sehr emanzipiert und selbstbewusst galt.

Fazit: eine interessante Thematik und Handlung, wenn auch mit ein paar Längen!

267 Rezensionen von 187 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

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