BLOG
05/12/2015 08:48 CET | Aktualisiert 05/12/2016 06:12 CET

Rezension "Die Liebe wohnt überall" von Rike Stienen

Shutterstock

Die erfolgreiche Liebesroman-Autorin Charlotte Braun lebt mit ihrer Tochter Amelie in München, wo sie sich sehr wohl fühlt. Amelie hat gerade das Abitur bestanden und wartet nun auf einen Studienplatz in Tiermedizin. Aber jetzt soll sie erst einmal zu ihrem Vater nach Ibiza fliegen, der dorthin ausgewandert ist und ein Restaurant betreibt.

Charlotte freut sich auf eine "sturmfreie Bude", denn sie hofft, endlich wieder ein paar Abende in trauter Zweisamkeit mit ihrem Freund und Verleger Bernhard verbringen zu können.

Doch es kommt ganz anders:

Nachdem sie eines Abends alles für ein romantisches Dinner vorbereitet hat, wartet sie vergeblich auf den Geliebten.

Sie ist sicher, dass er sich wegen der vielen Arbeit noch im Büro aufhält und packt kurz entschlossen alles zusammen, um ihn dort mit einem Picknick zu überraschen. Die Überraschung ist jedoch mindestens genauso groß auf ihrer Seite: Sie erwischt Bernhard in flagranti mit einer anderen!

Damit nicht genug, erreicht sie kurz darauf die Nachricht, dass ihr Vater, der allein auf einer einsamen Alm im Chiemgau lebt, mit einem Oberschenkelhalsbruch ins Krankenhaus eingeliefert werden musste.

Wer kümmert sich jetzt um seine Schafe? Amelie wäre die Geeignete, doch Charlotte möchte sie nicht aus dem wohlverdienten Urlaub zurückrufen.

Mangels anderer Alternativen beißt sie widerwillig selbst in den sauren Apfel, obwohl das Verhältnis zu ihrem Vater sehr angespannt ist und sie seiner Meinung nach nicht einmal ein Schaf von einer Ziege unterscheiden kann.

Dass sie mit dem Landleben nicht viel im Sinn hat, merkt gleich nach ihrer Ankunft auch Tierarzt Markus Heller. Umso mehr bewundert er es, wie tapfer ihm Charlotte bei der Geburt eines Lämmchens assistiert - und auch hinterher kümmert sie sich liebevoll um "Wölkchen" und seine Mutter.

So ruhig, wie sie es sich vorgestellt hat, ist das Leben auf dem Hof wahrlich nicht:

Obwohl sie von den Einheimischen nach Kräften unterstützt wird, gibt es ständig irgendwelche Probleme; außerdem tauchen bei ihr diverse Besucher auf - nicht immer in wohlmeinender Absicht.

Da bleibt kaum Zeit, an ihrem neuen Buch-Projekt zu arbeiten, und dann versucht auch noch Bernhard, ihr beruflich alle möglichen Steine in den Weg zu legen.

Resümee:

Dieser Roman gehört dem Genre der Liebesromane an - die spannende Handlung steht einem Krimi aber in nichts nach:

Immer wieder tauchen im Geschehen Wendungen auf, mit denen der Leser nicht rechnet. Bis zum Schluss fragt man sich, wie sich das Leben der einzelnen Protagonisten wohl weiter entwickeln wird.

Was wird aus Charlotte, Markus, Amelie, Sebastian und all den anderen Personen? Wird der Vater die Alm weiterführen können? Was verbirgt der suspekte Anhalter, den Charlotte mitgenommen hat, und der eines Tages plötzlich vor der Tür steht? Werden Bernhards Tricks von Erfolg gekrönt sein? All diese und noch viele andere Fragen bleiben bis zum Schluss offen.

An ein Happy End wagt man zeitweise nicht zu glauben, denn die Lage spitzt sich zeitweise dramatisch zu und beeinflusst das Schicksal aller Beteiligten.

Dabei sind die einzelnen Charaktere scharf konturiert und glaubwürdig ausgestaltet.

Da Charlotte eine engagierte Autorin ist, erfährt man nicht nur viel über das oft anstrengende Leben auf einer Alm, sondern auch über zahlreiche Facetten des Schriftsteller-Berufs.

Erwähnen muss ich an dieser Stelle einmal das ausgesprochen gelungene Cover, auf dem das Lamm "Wölkchen" munter durch eine Sommerwiese hüpft.

Fazit: ein tolles Buch, das neben viel Romantik und Spannung auch einen große Portion an Lebenswirklichkeit widerspiegelt - beileibe kein kitschiger Liebesroman!

249 Rezensionen von 180 Autoren findet der Leser im Bücher-Blog folgender Homepage:

http://www.annette-traks.com

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter

blog@huffingtonpost.de.

Hier geht es zurück zur Startseite