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02/11/2015 12:08 CET | Aktualisiert 02/11/2016 06:12 CET

Rezension "Die heiklen Passagen der wundersamen Herren Wilde & Hamsun" von Matthias Engels

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Um den Jahreswechsel 1881/82 herum begeben sich unabhängig voneinander der Ire Oscar Wilde (1854 - 1900) und der Norweger Knut Pedersen (1859 - 1952), der sich später Knut Hamsun nennen wird, auf eine Seereise nach Amerika. Wilde startet in England und reist luxuriös, Hamsun - wie ich ihn der Einfachheit halber gleich nenne - betritt das Schiff in Deutschland und ist bescheiden 3. Klasse unterwegs.

Der dandyhafte Oscar Wilde ist der Öffentlichkeit auf Grund seines auffallend modischen Geschmacks und seiner pointierten Bemerkungen bereits bekannt. Er begibt sich durch die Großstädte der USA auf eine Vortragsreise zum Thema "Ästhetik" und trifft zahlreiche Persönlichkeiten. Überall wird er mit Spannung erwartet, begeistert empfangen und aufgenommen. Sein Ansehen steigt mehr und mehr, finanzielle Not kennt er nicht.

Ganz anders Knut Hamsun: Er ist ein Nobody, dem ein Gönner die Überfahrt finanziert hat. Sein Ziel ist es, die skandinavische, insbesondere die norwegische Literatur in den Staaten bekannt zu machen. Mit Gelegenheitsarbeiten hält er sich über Wasser, wird oft gedemütigt.

So völlig konträr beide Männer sind, verbindet sie doch eins: Die Ambition zum Schreiben.

Nach der Rückkehr in ihre Heimatländer gelingt ihnen der Durchbruch als Schriftsteller:

Zu Oscar Wildes größten Erfolgen zählen "Das Gespenst von Canterville" (1887) und "Das Bildnis des Dorian Gray" (1891).

Knut Hamsun wird mit seinem Erstlingswerk "Hunger" (1890) bekannt, für "Segen der Erde" erhält er 1920 den Literaturnobelpreis.

Später engagiert sich Hamsun politisch und wird 1948 wegen Landesverrats zur Zahlung einer immens hohen Geldsumme verurteilt, die die Familie finanziell ruiniert:

Er hatte die Besetzung Norwegens durch die Deutschen begrüßt und dafür geworben, die Nationalsozialisten zu unterstützen. Seine Nobelpreismedaille hatte er Joseph Göbbels geschenkt.

Hamsun stirbt 4 Jahre nach dem Prozess völlig verarmt.

Auch Oscar Wilde muss sich vor Gericht verantworten: Ihm werden homosexuelle Neigungen zur Last gelegt. Zuchthaus und Zwangsarbeit machen ihn schwerkrank, er wird aus der Haft entlassen und geht nach Paris, wo er 3 Jahre später mittellos stirbt.

Resümee:

Matthias Engels liefert mit seinem Roman ein Zeitzeugnis, in dem Realität und Fiktion ineinanderfließen:

Wenn er in einzelnen Episoden alternierend Stationen des Aufstiegs, Ruhms und Falls der so unterschiedlichen Männer Oscar Wilde und Knut Hamsum schildert, so ist dies nicht streng dokumentarisch zu verstehen. Vielmehr erzählt der Autor in Anlehnung an die unterschiedlichsten und teilweise widersprüchlichen Quellen, wie es gewesen sein könnte. Eine umfangreiche Recherche-Arbeit muss dem unweigerlich vorausgegangen sein.

Es sind ebensolche Quellen, mit denen das Geschehen glaubhaft untermauert und die damalige Zeit lebendig wird:

So umranken beispielsweise Briefe und Notizen beider Männer, Zeitungsartikel und diverse Exkurse, die bahnbrechende Erfindungen und Entwicklungen thematisieren, die Handlung.

Bemerkenswert ist auch die exakte, treffsichere Sprache des Autors.

Allein der Titel des Buches scheint mir zu voluminös und damit unnötig aufgeblasen.

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