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27/04/2014 06:09 CEST | Aktualisiert 27/06/2014 07:12 CEST

Wie schwer ist unser Rucksack? Der ökologische Fußabdruck gibt Aufschluss.

Beschäftigt man sich mit der Frage, wie ein nachhaltiger Lebensstil aussehen kann, dann verheddert man sich gerne in all den zu berücksichtigenden Aspekten. Zum Glück gibt es das Konzept des ökologischen Fußabdrucks.

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ökologischer Fussabdruck

Beschäftigt man sich mit der Frage, wie ein nachhaltiger Lebensstil aussehen kann, dann verheddert man sich gerne in all den zu berücksichtigenden Aspekten. Zum Glück gibt es das Konzept des ökologischen Fußabdrucks.

Im Jahre 1994 von Mathis Wackernagel und William Rees entwickelt, stellt der ökologische Fußabdruck die Auswirkung von Lebensstil und Lebensstandard auf die Umwelt in Zahlen dar. Gemessen wird die Fläche, die für die Ermöglichung des jeweiligen Lebensstils - also für die Bereitstellung von Rohstoffen und Energie einerseits sowie für die Aufnahme von Abfällen andererseits - benötigt wird. Der Wert wird in Globalen Hektar (gha) pro Person und Jahr angegeben. Die Berechnung kann für Einzelpersonen, Haushalte, Unternehmen, Regionen, Städte und auch ganze Länder angestellt werden.

Dies bietet gute Vergleichsmöglichkeiten. Der ökologische Fußabdruck macht außerdem sichtbar, in welchen Bereichen der Ressourcenverbrauch besonders hoch ist. Daraus lassen sich Maßnahmen zur Verbesserung ableiten. Der ökologsiche Fußabdruck dient also als Indikator für gelungene oder nicht so gelungene Nachhaltigkeit.

Ökobilanz

Mit dem Konzept des ökologischen Fußabdrucks lässt sich auch ausrechnen, wie viel Rohstoffe und Energie eine Region, ein Land oder die ganze Erde liefern kann. Hierzu werden alle produktiven Naturflächen zusammengenommen. Das Ergebnis nennt sich Biokapazität. Man kann also genau sagen, wie leistungsfähig unsere Erde insgesamt ist. Diese Leistungsfähigkeit ist begrenzt. Und damit kommen wir zu dem kritischen Punkt: Aufgrund des immer größer werdenden ökologischen Fußabdrucks wird schnell klar, dass wir im Grunde genommen auf Pump leben. Wir verbrauchen mehr, als die Erde an Energie und Rohstoffen zur Verfügung stellen bzw. an Verbrauchtem aufnehmen kann. Stellt man den ökologischen Fußabdruck mit der Biokapazität ins Verhältnis, so erhält man die Ökobilanz. Ist der Fußabdruck größer als die Biokapazität, dann ist die Ökobilanz negativ.

ökologischer Fussabdruck

Unterschiedlich große Fußabdrücke

Der Vergleich zwischen den Ländern und Kontinenten macht deutlich, dass der ökologische Fußabdruck in Gebieten mit hohem Wohlstand und großem Anspruch an Konsumgüter wie erwartet drastisch größer ist als in anderen Gebieten. Die Industriestaaten in Nordamerika, Europa und Australien liegen vorne, gefolgt vom mittleren Osten. Südamerika und Asien sind (noch) bescheiden, den kleinsten Fußabdruck weist Afrika auf.

Zur Berechnung des ökologischen Fußabdrucks werden die Bereich Ernährung, Kunsumgüter, Mobilität und Wohnen berücksichtigt.

Ernährung

In unserer globalisierten Welt haben wir die Möglichkeit, Nahrungsmittel jederzeit an fast jedem Ort verfügbar zu machen. Doch der Transport von z.B. Erdbeeren im Winter aus Afrika oder Israel nach Deutschland erfordert sehr viel Energie. Viel sinnvoller ist es, saisonale und regionale Lebensmittel zu nutzen. Einen großen Anteil an einem hohen ökologischen Fußabdruck hat der Fleischkonsum. Die Fleischproduktion mittels Massentierhaltung erfordert große Mengen an Viehfutter. Dieses muss angebaut werden, wofür große Getreideflächen eingesetzt werden. Hierfür wird nicht selten Regenwald gerodet (Sojaanbau), was wiederum den Anteil der Fläche verkleinert, die für die CO2-Kompensation wichtig ist. Hinzu kommen der Einsatz von Kunstdüngern und Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft sowie die Ausbeutung von Böden durch Monokulturen.

Konsumgüter

Wer auf Wegwerfprodukte, kurzlebige und ressourcenintensive Konsumgüter oder elektronische Geräte mit schlechter Energieeffizienz setzt, hat unweigerlich einen höheren ökologischen Fußabdruck.

Mobilität

Autos und Flugzeuge tragen zu einem beachtlichen Ausstoß an Treibhausgasen bei. Dies beschleunigt den Klimawandel. Der Umstieg auf Elektrofahrzeuge kann eine Verbesserung bringen, wenn der Strom hierfür aus erneuerbaren Energiequellen erzeugt wird.

Wohnen

Der Energieverbrauch beim Wohnen ist nicht zu unterschätzen. Je besser die Bauweise, je höher die Dämmung, desto weniger Energie braucht man fürs Heizen (oder Kühlen im Sommer). Auch der Stromverbrauch kann durch verschiedene Maßnahmen gesenkt werden (Einsatz von Energiesparlampen, kein Stand-by etc.)

Ein Teil des eigenen ökologischen Fußabdrucks ist nicht direkt beeinflussbar. Einrichtungen für die Allgemeinheit, wie z.B. Wasserversorgung, Polizei, Straßen, Bildung, Krankenhäuser, werden bei der Berechnung des Footprints automatisch aufgeschlagen. Diesen Teil können Gesellschaft, Politik und Wirtschaft nur gemeinsam verringern.

Ecological Debt Day

Bis in die 1980er Jahre hinein haben wir Menschen deutlich weniger Naturressourcen benötigt, welche uns die Erde ohne Schaden zu nehmen zur Verfügung stellen konnte. Doch der Verbrauch ist stetig gestiegen. Wir leben nun schon seit längerem auf Kredit. Denn die pro Person verfügbare Biokapazität von 1,8 gha haben wir längst überschritten. Im weltweiten Durchschnitt verbrauchen wir pro Person 2,7 gha, in Deutschland sind es 5,1 gha.

Aus dem Verhältnis zwischen Biokapazität und dem ökologischen Fußabdruck ergibt sich das Datum pro Jahr, an dem Positiv- und Negativ-Seite auf Null sind. Genannt wird dieser Tag "Ecological Debt Day" oder „Earth Overshoot Day" („Ökoschuldentag" oder „Welterschöpfungstag"). Im Jahr 2007 war dies der 6. Oktober, im Jahr 2012 bereits der 22. August. Dieser Trend setzt sich leider fort. Mit anderen Worten: Wir betreiben Raubbau an der Natur, konsumieren mehr als uns zur Verfügung steht. Sichtbar wird dies am Klimawandel, an Überfischung, Abholzung von Wäldern, wachsenden Müllbergen, Plastikinseln in unseren Ozeanen etc.

Berechnung des eigenen Footprints

Wer wissen möchte, auf wie großem Fuß er lebt, kann sei

nen eigenen ökologischen Fußabdruck selber ausrechnen. Hier erhält man Hinweise darauf, in welchen Bereichen man an der Stellschraube drehen und die eigenen Lebensführung hinsichtlich der Ökobilanz verbessern kann. Weniger Fleisch essen, öfter öffentliche Verkehrsmittel nutzen oder Ökostrom beziehen sind erste Schritte in diese Richtung.

Im Internet stehen verschiedene Rechner zur Verfügung, etwa von BUND / Footprint Deutschland, dem Global Footprint Network, ecogood, Berlin, klimAktiv, Brot für die Welt, WWF Österreich, WWF Schweiz.

Alle müssen ran

Die Methodik des ökologischen Fußabdrucks weist sicherlich nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen auf, da zu linear nur auf eine Größe abgestellt wird und viele Nachhaltigkeitsfaktoren unberücksichtigt bleiben. Doch als Indikator hilft die Berechnung auf jeden Fall weiter. Jeder einzelne kann seine Lebensführung, seinen Lebensstil nachhaltiger gestalten und seinen ganz persönlichen ökologischen Fußabdruck verbessern.

Damit allein ist es allerdings nicht getan. Auch die großen Mitspieler unserer Gesellschaft müssen etwas ändern, damit es zu signifikanten Änderungen kommt: Unternehmen, Behörden, Kommunen, Städte und Länder müssen auf eine ökologische und soziale Gestaltung achten. Nur dann besteht tatsächlich die Chance, dass wir den Kollaps unseres Planeten verhindern. Wieviel Zeit uns noch bleibt ist schwer abzuschätzen, aber die Uhr tickt. Immerhin denkt China jetzt in großem Stil um - was angesichts von verpesteter Luft in den Großstädten, vergifteten Flüssen etc. sicherlich reichlich spät kommt. Aber besser spät als nie. Und es besteht die Hoffnung, dass sich andere Länder am Vorbild Chinas orientieren.

Näheres zur persönlichen Einschätzung der Autorin finden Sie in ihrem Blog-Beitrag zum Thema.

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