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21/11/2015 06:23 CET | Aktualisiert 21/11/2016 06:12 CET

Big Business: Warum Wertewandel gerade brandaktuell ist

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Was denken Sie beim Anblick dieses Fotos in Tagen wie diesen?

Ich vermute mal:

Big Business - Stress, Druck, schlaflose Nächte, Hektik, Termindruck angesichts der extrem hohen Zielvorgaben im Jahresendgeschäft? Nur noch wenige Tage bis Weihnachten - die Taktung von noch zu erledigenden Aufgaben und sich über-schneidender Termine nimmt nochmal deutlich zu?

Oder eher:

Lichterglanz im Vorweihnachtsidyll - die Tage werden kürzer, die Abende länger. Um uns herum beginnt der Aufbau der Weihnachtsmärkte und die Vorbereitungen für ein paar schöne Tage zum im kuscheligen Kreis der Familie. Wärmt das Ihr Herz?

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Nun, wenn ich mich so umhöre, gehe ich mal von Punkt 1 aus. Ok, auch was von Punkt 2 ist da drin; ein bisschen jedenfalls - bei einigen. Für Weihnachtsmarkt-Stimmung ist es ja derzeit eh viel zu warm. Und so richtig „den Kopf" hat man ja gerade nun wirklich nicht dafür...

Und dennoch: was treibt die Medien aktuell denn um?

Flüchtlinge, natürlich, das Dauerthema. Die Nachrichtenmeldungen signalisieren uns, dass die Politik anscheinend die Aufgaben nun langsam in den Griff kriegt. Gott und den vielen engagierten Helfern sei gedankt. Und ganz aktuell die Anschläge in Paris. Ein Ereignis, was uns alle erschüttert und stark verunsichert.

Enthüllung eines Konzernmanagers: Ja, die Angst treibt uns alle um

Aber auch: der Abgasskandal bei VW wegen manipulierter CO2-Werte und der Rücktritt von VW-Chef Martin Winterkorn. Dazu erschien ein ziemlich treffender Artikel vor kurzem im manager-magazin.

Der Titel: „Betrügen und schweigen - aus Angst vor Winterkorn". Der Titel sagt eigentlich schon alles. Am gleichen Tag enthüllte mir ein Manager eines anderen Konzerns in einem Sparringtermin: „Ja, die Angst treibt uns alle um. Und so was kann dann dabei herauskommen, wenn es mit den utopischen Zielvorgaben übertrieben wird..."

70 Milliarden EURO in den Sand gesetzt aus Angst vor'm Chef

Puh, harter Tobak! Der zeigt, wieviel Druck in den Unternehmen in der Pipeline steckt.

Ganz klar führt uns dieses Beispiel vor Augen, wieviel Geld dafür nun in den Sand gesetzt wird.

US-Rechtsexperten rechnen mit einem Gesamtschaden von ca. 70 Milliarden Dollar: Strafzahlungen, Rückrufkosten, Klagekosten und Imageschäden.

Nicht schlecht, was? Der Grund: Angst vor`m Chef. Es herrschte eine Kultur der Angst, sagt das manager magazin. Die Ziele von oben bei VW waren so utopisch, dass sie mit legalen Mitteln nicht erreichbar waren. Und das aufzuzeigen, traute sich keiner. Nun ja...

Höchster Milliardenverlust der Firmengeschichte wegen Spieltrieb

Wenige Tage davor die große öffentliche „Abrechnung" durch den neuen Vorstandschef John Cyran bei der Deutschen Bank.

Abbau von 9.000 Stellen intern, 6.000 weitere bei externen Dienstleistern, hohe Abschreibungsnotwendigkeiten und ein Rekordverlust von 6,2 Milliarden EURO im 3. Quartal. Der höchste Milliardenverlust der Firmengeschichte. Dazu: Doppelnullrunde für die Aktionäre.

Der Grund: grenzlegale weltweite Investmentgeschäfte, Verstöße gegen Sanktionen und massiver Vertrauensverlust seitens der Anleger. Kosten, die bei einer risikoärmeren Konzernstrategie vermeidbar gewesen wären.

Da scheint es einigen in der Konzernspitze in den Fingern gekitzelt zu haben und der Spieltrieb ist wie beim „Monopoly" mit ihnen durchgegangen.

Die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern und für das Unternehmen ist dabei etwas auf der Strecke geblieben. Der weltweite Imageschaden sicherlich beträchtlich. Nun ja...

Wertewandel wird im Big Business von so manchem belächelt

Jetzt ist das ja mit dem Wertewandel so eine Sache. Das Thema gibt es schon seit 20 Jahren, wird immer wieder von Theologen, Soziologen und Wirtschaftspsychologen in die Öffentlichkeit getragen. Und von so manchem im Big Business müde belächelt.

Nice to-have - vielleicht noch erwärmend so kurz vor Weihnachten. Aber das Spiel da draußen läuft ja schließlich anders...Echt?

Der Wertewandel des Guido Westerwelle

Beeindruckt hat uns dieser Tage auch der öffentliche Auftritt von Guido Westerwelle in der Sonntags-Talkrunde bei Günter Jauch.

Er berichtete von seiner schweren Krebserkrankung und wie er sich menschlich dadurch völlig gewandelt habe. Früher der große Redner auf den öffentlichen Bühnen - nicht bei allen unbedingt beliebt wegen seiner Ich-bezogenen Art. Aber ein einflussreicher Staatsmann, keine Frage.

Nach der Krebserkrankung - ganz leise. Auf Augenhöhe mit einer ebenfalls an Krebs erkrankten jungen Mutter - und voller Bewunderung, dass sie das Glück eines eigenen kleinen Kindes genießen durfte. Wie haben sich da die Werte bei ihm gewandelt.

Selbstverständlich wünschen wir niemandem, dass er einen Wandel an Werten mit einem so schweren gesundheitlichen Schicksalsschlag wie Herr Westerwelle bezahlen muss.

Stellhebel für das Vertrauen in die Marke "Deutschland"

Die massiven wirtschaftlichen Skandale von zentralen Kernmarken wie VW und Deutsche Bank erschüttern die Marke „Deutschland" und deren Werte wie Glaubwürdigkeit, Ehrlichkeit und Vertrauen weltweit stark. Den teuren Preis dafür führen sie uns drastisch vor Augen.

Nicht nur ein betriebswirtschaftlicher, sondern auch ein enormer, nicht bezifferbarer volkswirtschaftlicher Schaden.

Ein Grund, das Thema Wertewandel nicht nur aus theologischer, soziologischer und psychologischer Sicht aufzugreifen.

Jetzt braucht es Wertewandel als ökonomisches Tun.

Es braucht angesichts der oben aufgeführten Zahlen insbesondere auch ein ökonomisches Tun.

Die aktuelle Diskussion auf Kongressen und Veranstaltungen zur Digitalen Revolution steht erst am Anfang.

Das Thema lautet: „Der Druck im Kessel steigt weiter. Wie soll man die noch engere Taktung und hohe Leistungsdichte bei stetem Anforderungswandel in Zukunft denn bloß stemmen?"

Der Neurowissenschaftler Gerald Hüther und führende Managementvordenker wie z.B. Prof. Michael Henke vom Fraunhofer-Institut propagieren schon länger: „Die Einzelkämpferphase ist vorbei!" Sie ist schlicht nicht mehr tragfähig und leistbar.

Und: Management im Digitalen Zeitalter ist nur leistbar durch die Weisheit der vielen."

Also weg vom Silo-Denken und persönlichen Egoismen in den Top-Etagen hin zu mehr Einbindung und eigener Verantwortung bei den Mitarbeitern.

Die dann natürlich mit mehr Selbstbewusstsein den utopischen Zielen und Monopoly-Spielen von oben entgegentreten und der Angstkultur ein Ende bereiten können. Ein kitzeliges Unterfangen, bei dem das Thema Angst vor Jobverlust natürlich derzeit noch eine große Rolle spielt.

Dennoch:

Es gibt mehr und mehr Leute, die den Mut dazu haben. Denn wenn es gelingt, profitieren davon nicht nur die Mitarbeiter. Es spart den Unternehmen enorm Geld und schützt vor so manchem Schaden, der zu jahrelangen Folgekosten und „Aufräumarbeiten" führt. Muss ja nicht sein.

Wertewandel und Paradigmenwechsel - nicht nur ein nettes „Nice-to-have-Thema" sondern ökonomische Notwendigkeit.

Es hilft, JETZT den Hebel umzulegen und die Herausforderungen mit den richtigen Stellhebeln anzugehen.

WERTEWANDEL RECHNET SICH - mehr denn je!

Video: Ghostwriting: Einblicke in den Alltag eines semi-legalen Business

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