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17/04/2016 11:16 CEST | Aktualisiert 18/04/2017 07:12 CEST

Frankreichs Präsident greift wieder an

POOL New / Reuters

Mit dem französischen Präsidenten François Hollande muss man auch weiterhin rechnen und er will, dass die ganze Welt es erfährt. Es ist gewiss nicht leicht, sich mit Menschen auseinanderzusetzen, die einem derart kritisch gegenüberstehen!

Wenn man erfährt, dass 71 Prozent aller Franzosen nicht mehr hören wollen, was man zu sagen hat und dass 76 Prozent von ihnen der Meinung sind, dass man besser nicht mehr für eine weitere Amtszeit kandidieren sollte, fühlt man sich gedemütigt, nutzlos, unerwünscht und am Ende.

François Hollande ist sich im Klaren darüber, dass keiner ihm mehr zuhören will und dass er, egal was er auch tut, einfach keine Erfolge erzielen oder Boden unter die Füße bekommen kann.

Er weiß auch, dass nur sehr wenige Zuschauer es am Freitagmorgen zugeben hätten, selbst wenn er am Donnerstagabend beim Fernsehsender France 2 einen hervorragenden Auftritt hingelegt hätte. Die Desillusionierung hat sich mittlerweile unglaublich weit verbreitet. Für den Versuch, Menschen einzuwickeln, die nicht mehr eingewickelt werden wollen, ist es mittlerweile zu spät.

Der Präsident geht mit dieser beinahe aussichtslosen Situation so gut um wie nur irgendwie möglich - er baut auf die Hilfe seiner Freunde.

Angesichts seines schwindenden Einflusses, der Kontroversen um das neue Arbeitsrecht, der Frustration junger Menschen, der Tatsache, dass die Wähler sich immer stärker von den traditionellen Parteien abwenden und angesichts der extrem hohen Arbeitslosenquote - momentan gibt es in Frankreich mehr als 900.000 Arbeitslose -, zeigt er sich erstaunlich robust.

Die Fernsehsendung hatte trotz des eigenartigen Studios, das mit Blumen übersät war, einen gewissen Charme. Aber warum in aller Welt wurde für eine solche Sendung ausgerechnet ein Fernsehstudio im Musée de l'Homme (Museum des Menschen) eingerichtet?

Die vier Franzosen, die im Stil einer Bürgerversammlung Fragen an Hollande richteten, waren jedoch sehr passend ausgewählt worden. Sie wirkten bestimmt, jedoch nicht aggressiv, und sie brachten fundierte Argumente. Sie waren zwar nicht so direkt wie die Moderatoren David Pujadas und Léa Salamé, doch ebenso kampflustig.

Die vier Bürger spielten in der Sendung die wichtigste Rolle, was es in der Vergangenheit nur selten gegeben hatte. Bei ähnlichen Fernsehauftritten der Präsidenten Jaques Chirac oder Nicolas Sarkozy war den unbekannten französischen Bürgern in der Sendung eine untergeordnete Rolle zugedacht gewesen, sie hatten die Fragen den Journalisten überlassen.

Beim Zusehen drängte sich uns jedoch ernsthaft die Frage auf, ob der Präsident der Klon des Premierministers ist, da er in dessen Namen Fragen beantworten sollte. Wir können den Präsidenten nicht für alles verantwortlich machen: Die Fünfte Republik hat wieder einmal die Eigentümlichkeit ihrer doppelköpfigen Exekutive unter Beweis gestellt.

Hollande wird hart kämpfen, um bei der Präsidentschaftswahl 2017 anzutreten!

François Hollandes Kampfeslust bei der Sendung lässt uns darauf schließen, dass er hart darum kämpfen wird, sich seine Chancen zu erhalten, bei der Präsidentschaftswahl 2017 erneut anzutreten. Er scheint die Hoffnung noch nicht aufgegeben zu haben.

Für Premier Manuel Valls, der Hollande gegenüber auf Kosten seiner eigenen Popularität stets loyal geblieben war, schien der Präsident jedoch kaum lobende Worte übrig zu haben. Er widersprach Valls bei einem Thema, das dem Premierminister am meisten am Herzen liegt - beim Thema Säkularismus.

Auf die Frage, ob der Wirtschaftsminister Emmanuel Macron als neuer Präsident kandidieren werde, antwortete Hollande: "Er weiß, was er mir schuldet."

Es bleibt kein Raum für Zweifel, kein Raum für einen Nachfolger. Der Präsident will weiterkämpfen und die ganze Welt soll davon erfahren.

Dieser Post erschien zuerst bei der Huffington Post Frankreich. Er wurde ins Englische übersetzt und zur besseren Verständlichkeit überarbeitet. Die englische Version wurde von Susanne Raupach ins Deutsche übersetzt.

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