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03/02/2016 13:54 CET | Aktualisiert 03/02/2017 06:12 CET

Wer campt auch schon im Dschungel?

rtl

Es ist überstanden. Jährlich, inzwischen ein festes Ritual, wie Weihnachten oder Bundesjugendwettspiele, kommen sie in unsere Wohnzimmer. Verloschene Stars, Pappsterne und die, die noch gen Himmel streben.

Und so wie in jedem Jahr, klärt uns irgendjemand darüber auf, dass das gar nicht der echte Dschungel ist. Das sie da sogar Strom und Kameras haben. Wer hätte das gedacht? Als ich es das erste Mal hörte, hätte ich nicht erstaunter sein können, wenn ich am Morgen aufgewacht wäre und meine Nase würde sprechen.

Ich bekenne mich. Oute mich als Dschungelcampfan. Ich lasse mich seit 10 Jahren darüber belehren, dass es nicht fein von mir ist, mich zu amüsieren über hodenfressende Möchtegernstars. Menschenverachtend sei es, niveaulos und dumm. Und lustig, füge ich kichernd hinzu.

Niemand ist gezwungen sich dort zu zeigen. Jeder von ihnen kann (s)einen Job ausüben. Jeder von ihnen kann im Notfall HartzVI beantragen.

Gerade jemand wie Helena Fürst, dürfte sich doch gut genug auskennen und das System bis zum Anschlag voll ausschöpfen.

Statt dessen setzt sie sich einen Rastapudel auf und schlägt verbal auf alle ein, die sich nicht rechtzeitig aufs vollgekackte Dschungelklo retten. Realitätsfern erhofft sie sich den Aufschwung ihrer erfolgreichen RTL Jahre und bemerkt nicht, dass ihr niemand mehr diese gutherzige Frau abnimmt, nachdem die Maske gefallen ist. Bucklige Brotspinne, der man auch optisch das verbogene Rückgradt ansieht.

Sophia, deren Brüste die Kamera zu sprengen drohen, erstaunt durch menschliches Verhalten. So wie du und ich. Bis auf die Brüste. Und die blonden Haare. Und den Ehemann, den abgehalfterten, verkleideten Tunichtgut. Den sie offenbar liebt. Warum auch immer. Man rätselt, während sie sich mit Glitzerbikinioberteil, besser Glitzerbrustwarzenverdeckungsteil, ungerührt Maden in den Mund schiebt und von einer Karriere als DJin träumt.

Ricky, der ADHsler auf Ritalinentzug, dauerbetroffend, heulend, brüllend. Unkontrolliert hüpft er durch den Dschungel, hinterläßt keinen menschlich relevanten Eindruck. Nur einen Tinnitus bei den geplagten Dschungeltieren.

Thorsten Legat der Hulk unter den Bewohnern, spielte Bundesliga, trainiert jetzt einen Sechstligisten und kann diesen Abstieg offenbar nicht ertragen. Er, der Kommandant der Gescheiterten, läßt die Nation an seiner fiesen Kindheit teilhaben, tut alles nur für seine Kinder, kasallat sich durch 12 Tage Herausforderung. Der haarlose Wüterich mit Links- und Rechtsschwäche kann nicht verlieren und kontrolliert nach jeder Prüfung, ob er noch "Eier in der Buchse" hat. Gern würde er Menderes davon abgeben.

Jürgen, der große Bruder, der inzwischen auf Malle eine große Nummer ist und beim Teleshopping schon für seine Zukunft als Heizdeckenverkäufer auf Kaffeefahrten übt, will nicht essen. Unbegreiflicherweise verschmäht er schon am ersten Tag das leckere Kamelohr. Dafür versucht er sich als Pfleger für Rolf und identifiziert sich so mit seiner Rolle, dass er ihn am Ende mit seinem verstorbenen Vater vermischt. Tränen folgen. Der Zuschauer ist betroffen. Das wars. Autofahren kann er auch nicht.

Noch zu erwähnen wären Nathalie, die ihren Gesichtsausdruck in 12 Tagen nicht einmal verändert hat und die in Madames Tussauds Wachsfigurenkabinett, sowohl von der Gesichtsfarbe, als auch von der Beweglichkeit, kaum von den Puppen zu unterscheiden ist. Gunter Gabriel, der nur eine Unterhose mit hatte und dauerhaft so wirkte, als hätte er irgendwas im Dschungel gefunden, das ich auch gern mal geraucht hätte. Rolf, der den großartigen Dieter Hallervorden, in dessen dementen Rolle bei Honig im Kopf, mit Leichtigkeit an die Wand gespielt hat, pfiff sich den Frust von der Seele und streichelte währenddessen die von Menderes und Jürgen. Jenny, deren ungeschminkter Anblick mich mit meinem morgendlichen Spiegelbild versöhnte, denn immerhin habe ich eine Oberlippe...während ihre irgendwie unter die Haut gerutscht ist. Also so direkt unter die Nase. Irgendwie.

David, der Abitur hat und den armen Dinos unterstellt, sie hätten vermutlich "irgend eine Scheiße gebaut " und nur deshalb seien sie ausgestorben. Ich habe meinen Sohn aus dem Zimmer geschickt. Bildungsfernsehen kann auch irritieren. Und natürlich Brigitte, die ihre Sprüche auf Knopfdruck aus der alten Staffel abrufen konnte. Sie war nett.

Und natürlich Menderes, die nun öffentliche Jungfrau, den man andauernd auf den Schoß nehmen möchte, weil man ihm einfach alles glaubt. Dem man einen Keks geben möchte, damit er nicht mehr traurig ist und dessen Augen betteln: Habt mich lieb. Der es schaffte, mit niemandem zu streiten, Legats Eieraufdrängmission erfolgreich abwehrte, der so echt wirkte, dass die Künstlichkeit der anderen noch auffälliger war.

Danke Menderes. Du hast mehr als das Dschungelcamp gewonnen.

Ich freue mich schon wieder auf das nächste Jahr. Man reiche mir die Trash-Queen Krone. Ich werde sie mit Würde tragen.

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