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21/04/2016 11:24 CEST | Aktualisiert 22/04/2017 07:12 CEST

Mit Welle Niederrhein beginnt mein Tag

m-gucci via Getty Images

Heute Morgen wurde ich, wie immer unter der Woche, von Cedric Blies und Moritz Lapp geweckt. Ich mag es, morgens vollgequatscht zu werden, ohne dass man eine Antwort von mir erwartet. Ich rede nach dem Aufstehen noch nicht gern.

Cedric und Moritz teilten mir die Uhrzeit mit („Oh, jetzt aber schnell aufstehen und die Kinder wecken"), an welchen Stellen heute in Krefeld geblitzt wird („Dran denken, vom Gas zu gehen"), wie das Wetter heute wird („Okay, Zeit die neuen Schuhe rauszuholen") und was es Neues im Sektor gibt („Die Zahl der Scheidungen im Kreis Viersen sind im letzten Jahr um sechs Prozent gestiegen").

Bei mir läuft das Radio eigentlich nonstop: beim Frühstück, Bügeln, Kochen, Aufräumen, Schreiben und Autofahren. Ich höre am liebsten den Lokalsender, was in meinem Fall die „Welle Niederrhein" ist.

„Last Christmas" für jede falsche Antwort

Mit Radio fühle ich mich nie allein und ich mag die kleinen Spielchen der Welle Niederrhein. Im Dezember hatte ich jeden Morgen viel Spaß mit „Wunsch oder Wham". Die Hörer konnten sich mit einem Wunschtitel bewerben. Damit dieser Titel auch gespielt wurde, bekamen sie am Telefon eine Frage gestellt. Bei richtiger Antwort gab es den Wunschtitel, bei falscher Antwort lief um zwanzig vor acht „Last Christmas". Fast jeden verdammten Dezembermorgen!

Ich mag „Zahltag - wir zahlen ihre Rechnung". Vielleicht mache ich da irgendwann einmal mit und schicke denen die Abschlussrechnung unseres Küchenstudios. Aber eine Küchenrechnung ist fast schon einfallslos gegen die Rechnung eines Typen, der seine Vasektomie-OP rückgängig gemacht hatte und die entsprechende Rechnung dazu erfolgreich im Radio einreichen konnte.

Ich fiebere im Sommer gerne beim Sommergeldregen mit und ich habe mich mit Elvis Eifel arrangiert, den ich nicht immer lustig finde. Aber solange er mich nicht anruft, soll er meinetwegen seine blöden Telefonspäßchen weitermachen.

Ich bin ein Radio-Fan, auch wenn mein Mann inzwischen die Flatrate für einen digitalen Musikdienst durchgesetzt hat.

Ich bin ein Radio-Fan, auch wenn mein Mann inzwischen die Flatrate für einen digitalen Musikdienst durchgesetzt hat. Es ist schon cool, mit ein paar Klicks jedes Lied hören zu können, das man will, ohne im CD-Regal wühlen zu müssen. Ich sage fast, denn einige Künstler, darunter Grönemeyer und Die Ärzte fehlen im Repertoire dieser Dienste.

Ich diskutiere ständig mit meinem Mann, der meint, er würde gerade Xavier Naidoo hören und nicht glaubt, dass da gerade nur eine billige Karaoke-Version von „Dieser Weg" läuft. Hallo! Wenn eine Stimme einen Wiederkennungswert hat, dann doch die von Xavier! Eine Frechheit, dieses Lied so zu verunstalten. Im Alltag lasse ich mir die Musikauswahl gerne vom Radiosender vorkauen, die Xavier und Die Ärzte im Original spielen und mir nebenbei die Nachrichten vorlesen.

Eben hatte ich wieder ein Problem mit meiner Internetverbindung. Manchmal spinnt das Speedport und ich muss die Verbindung kappen. Einmal Stecker ziehen und alles ist lahmgelegt: Internet, Telefon und somit auch das Radio in der Küche, das über den Sonos Lautsprecher läuft.

Warum ich mich so lange gegen den Digitalscheiß gesträubt habe

Das ist der Moment, in dem ich wieder weiß, warum ich mich so lange gegen den Digitalscheiß gesträubt habe, warum ich den alten CD-Radio-Player nicht wegschmeiße, warum neben meinem Bügelbrett ein einfaches Radio steht und warum ich mir zum Geburtstag eine Nostalgie-Musikanlage gewünscht habe: mit CD-Player (natürlich habe ich Die Ärzte auf CD), mit Kassettenfach (für die alten selbstaufgenommen Kassetten), mit Plattenspieler (für den Spaß, die alten, vom Taschengeld abgesparten, Scheiben mit leichtem Kratzen wieder einmal hören zu können) und natürlich mit Radio.

Klar, man sitzt sonntagabends nicht mehr mit Leerkassette vor dem Radio, hört die Top-Twenty, passt sein Lieblingslied ab und hofft, dass der Radiomoderator nicht dazwischen quatscht. Aber dennoch, das Radio ist bis heute eine Konstante in meinem Leben geblieben, von der ich hoffe, dass sie so bleibt wie sie ist. Mir würden Cedric und Moritz, „Wunsch oder Wham" und sogar Elvis Eifel sehr fehlen.

Nur eines möchte ich heute an das Welle-Niederrhein-Team oder an diejenigen, die für die Musikauswahl zuständig sind, loswerden: Bitte, bitte, hört auf, zehnmal am Tag Justin Biebers "Love Yourself" zu dudeln! Ich kann ihn nicht mehr hören!

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Angelika Hesse ist Autorin des Buches. Familie ist (k)ein Ponyhof.

Mehr erfährt ihr auf ihrer Homepage und auf Facebook.

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