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23/10/2015 06:56 CEST | Aktualisiert 23/10/2016 07:12 CEST

Die Vision eines Ministers: Ukrainische Wirtschaft auf Vormarsch

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In der Ukraine bin ich für den Luft-, Wasser- und Landverkehr zuständig, sowie für die Post. Das ist relativ viel für einen Staatsbeamten, aber eine aufregende Aufgabe für einen Visionär.

Ursprünglich stamme ich aus der Investmentbranche, und stellte mir als Minister eine einzige Aufgabe: die Infrastruktur der Ukraine als Projekt, in das ich investieren würde - sicher, einfach und gewinnbringend. Entsprechend leite ich die Reformen im Ministerium.

Doch in erster Linie sind die Änderungen, die ich anstieß, so grundlegend, dass ich davon überzeugt bin, dass wenn ich weg sein werde, es keine Möglichkeit gibt, wieder in alte Praktiken zu verfallen.

Um einen einfachen Zugang und gleiche Chancen auf dem ukrainischen Markt zu sichern, begannen wir im Infrastrukturministerium mit dem Prozess der Demonopolisierung und Deregulierung in allen Bereichsabteilungen.

Wir begrüßen und schätzen die Expertise und Erfahrung, die ausländische Unternehmer einbringen können.

Zum Beispiel können die Ergebnisse einer solchen Initiative bereits in den ukrainischen Häfen gesehen werden. Im September 2015 traten neue, vereinfachte Regeln für Schiffsladungen und zur Registrierung in Kraft.

Früher brauchte man von mehreren Stunden bis zu ein paar Tagen, um Klarheit zu erhalten; heute braucht es maximal 30 Minuten. Ähnliches gilt für die Prüfung ausländischer Schiffsladungen, die nur am Eingangs- und Ausgangshafen vorgenommen wird.

Das nächste ist der Investorenschutz. Das Ministerium führte Maßnahmen ein, um die höchstmögliche Transparenz bei der ukrainischen Infrastruktur sicherzustellen. Unter dem Gesetz über Offene Daten nahmen wir eine Website in Betrieb, die Informationen über den Finanzzustand der Unternehmen enthält, die unserem Ministerium unterstellt sind.

Außerdem führen wir eine elektronische Auftragsvergabe und Dokumentation in diesem Bereich ein. Ab jetzt müssen ukrainische Staatsunternehmen unter unserer Verantwortung Aufträge und Ausschreibungen unter dem Online-Grenzwert halten.

Für die Auftragsvergabe oberhalb des Online-Grenzwerts, wird eine Meldung ausgegeben. Und der Wechsel zur elektronischen Dokumentation verbesserte die Geschwindigkeit und Effektivität unseres Service, insbesondere bei den Häfen.

Und wir traten dem internationalen Programm CoST bei, das mehrere Maßnahmen vorsieht, um die Transparenz in der Bauindustrie zu verbessern. Konkret heißt das, dass Informationen über Bauprojekte offen zugänglich sind - von der Planung, der Auftragsvergabe und Ausführung, sowie der Prüfung relevanter Daten und es dabei hilft, die Informationen für Beteiligte zu interpretieren.

All diese Schritte sind erst der Anfang.

Die neue Ukraine bietet hervorragende Geschäftsmöglichkeiten. Im Juli 2015 unterzeichneten wir ein Freihandelsabkommen mit Kanada. Derzeit verhandeln wir aktiv über Freihandelsabkommen mit der Türkei und mit Israel. Und ab Januar 2016 wird das vertiefte und umfassende Freihandelsabkommen mit der EU in Kraft treten.

Die Ukraine kann einen strategischen Standort bieten. Vier von neun Eurasischen Transportkorridoren gehen durch unser Land, sowie Kerntransitwege. Zum Beispiel verbindet die TRACECA die EU, den Kaukasus und Zentralasien miteinander.

Die Ukraine verfügt auch über Zugänge zum Meer - über das Schwarze und das Asowsche Meer ist das Land mit dem Mittelmeer, und damit mit der Welt verbunden. Der allgemeine Transitkoeffizient unseres Staates beträgt 3,11, was einer der höchsten in Südosteuropa ist.

Und wir verfügen über eine gut ausgebaute Verkehrsinfrastruktur: 13 Häfen, 5 Hauptflughäfen, 21.600 Kilometer Eisenbahnschienen, und 170.000 Kilometer staatliche Straßen. Diese Infrastruktur ermöglicht es der Wirtschaft, die kostengünstigsten und zeiteffizientesten Routen für den Warentransit zu finden.

Investoren, die aus Deutschland in die Ukraine kommen, erhalten Zugang zu dem größten Schwellenmarkt in Europa - der Ukraine selbst. Die Konkurrenz ist gering, was soviel heißt, dass neugegründete Unternehmen relativ schnell gewinnbringend arbeiten.

Die Produktionskosten in der Ukraine sind bedeutend günstiger als anderswo in Europa.

Weise Geschäftsleute sind sich sehr wohl bewusst, dass dies eine weitere Chance für Wachstum ist. Statt höhere Kosten in Kauf zu nehmen, kann das eingesparte Geld durch Geschäfte in der Ukraine für gute Zwecke ausgegeben werden - um neue Projekte zu entwickeln und Mitarbeiter aus unserem enormen Pool von Hochschulabsolventen einzustellen.

Die neue Ukraine ist für die Wirtschaft offen. Die französische Soufflet Group und die amerikanische Cargill entschieden sich bereits, die Chancen voll zu nutzen - sie wollen 70 und 100 Mio. USD investieren, jeweils in die ukrainischen Häfen von Illitschiwsk und Juschnij. Ich hoffe, deutsche Investoren folgen ihrem Beispiel zum gegenseitigen Vorteil - für ihre Unternehmen und die ukrainische Infrastruktur.

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