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09/09/2015 11:28 CEST | Aktualisiert 09/09/2016 07:12 CEST

Warum Flüchtlinge ein Klimaschutz-Abkommen brauchen

Thinkstock

Nachdem die Regierung von Island ankündigte, dieses Jahr nur 50 Flüchtlinge zu akzeptieren, gab es eine riesige Protest- und Solidaritätswelle: Innerhalb weniger Stunden boten etwa 15.000 Isländer an, Flüchtlinge in ihre Wohnungen aufzunehmen. Würden in Island so viele Menschen leben wie in Deutschland, wären das fast 400.000.

2015 wird nicht nur das Jahr sein, in dem die meisten Menschen nach Europa fliehen. Es wird gleichzeitig das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen werden. Der Klimawandel wird noch viel mehr Menschen zur Flucht zwingen. Dafür braucht es Solidarität, aber auch konkrete politische Schritte.

Damit scheinen die Bürger oft weiter zu sein als die Politik. Während tausende Menschen in München die Flüchtlinge herzlich am Hauptbahnhof empfingen, bezeichnete der bayrische Innenminister Hermann (CSU) Roberto Blanco im Fernsehen als „Neger". Überhaupt meldete die CSU, wäre es falsch Flüchtlinge ins Land zu lassen.

Es ist großartig und wichtig, dass Bürger den Flüchtlingen helfen. Es braucht aber auch eine politische Lösung - insbesondere wenn die Zahl der Flüchtlinge mit dem Klimawandel noch steigen sollte.

Nach Angaben der Vereinten Nationen werden in 30 Jahren bis zu 200 Millionen Flüchtlinge durch den Klimawandel entstehen - und zwar pro Jahr.

Wenn Flüchtlingen langfristig geholfen werden soll, brauchen sie einen starken und effektiven Klimavertrag.

Forscher machten dieses Jahr den Klimawandel und die längste Dürre aller Zeiten in der dortigen Region mitverantwortlich für den syrischen Bürgerkrieg.

In Paris soll Ende des Jahres ein internationaler Klimadeal beschlossen werden. Im 21. Jahrhundert ist effektiver Klimaschutz ist die wirksamste Maßnahme, um Menschen das Leid der Flucht zu ersparen.

Ein Klimaschutz-Abkommen könnte aber noch mehr: Schon vor vier Jahren wurde in Durban beschlossen, Geld bereitzustellen, um die Schäden des Klimawandels auszugleichen. Bisher sollte dieses vor allem von Ländern, die Klimawandel verursachen an Länder gezahlt werden, die unter diesem Leiden.

Solange der Chef der CSU-Landesgruppe vorschlägt, Flüchtlinge zurück nach Syrien zu schicken, weil dort „nicht überall gekämpft wird", braucht die Politik Anreize für eine humanitäre Flüchtlingspolitik.

Es sind noch weniger als 100 Tage bis ein Klimaschutzabkommen in Paris verabschiedet wird. Paris kann ein entscheidender Schritt sein für den Klimaschutz und auch vielen Flüchtlingen helfen.

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200 Menschen aus Deutschland, darunter Politiker, Schauspieler, Musiker, Studenten und andere Menschen haben in der Huffington Post ein wichtiges Zeichen gesetzt: Sie haben den Flüchtlingen in Deutschland zugerufen: "Willkommen, gut, dass ihr hier seid, weil..."

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Es ist Zeit, dass wir in Deutschland ein Zeichen setzen. FÜR Weltoffenheit, FÜR Toleranz und FÜR Menschen in Not

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