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06/12/2015 07:10 CET | Aktualisiert 06/12/2016 06:12 CET

20% für die AfD? Wunschtraum oder Möglichkeit?

dpa

Was die Zukunft bringen könnte. Eine Analyse

"20% für die Alternative für Deutschland?"

"Nur eine rechte Partei, die bald in der Versenkung verschwinden wird?"

Diese und ähnliche Aussagen geistern durch die deutschen Informationskanäle und werden fleißig, auf verschiedener Ebene, diskutiert. Doch, was ist wirklich dran? Die AfD ein potentieller Höhenflieger? Gar eine Volkspartei in einer neuen Weimarer Zeit? Oder doch ein Ikarus, der am Ende fallen wird?

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Die folgende Darstellung, soll erste Informationen liefern und dem Leser eine einschätzende Betrachtung ermöglichen. Dabei ist zu bedenken, dass sich diese informierende Analyse zur Neutralität verpflichtet und keine Wertung kennt.

Welche Schlussfolgerungen aus dem beschriebenen Umstand gezogen werden, sei dem Einzelnen, gleich ob Freund, Feind oder Beobachter der Alternative für Deutschland, überlassen.

Wie also sieht es wirklich aus? 20% für die AfD? Wunschtraum oder Möglichkeit?

Klassisches Potential der AfD?

Traditionell wird das Potential einer klassischen rechten Partei in Deutschland mit ca. 20% angegeben. Zu finden war dieses, in der Vergangenheit, zumeist bei CDU, CSU und in der großen Gruppe der Nichtwähler.

Ein kleiner Anteil sieht seine Heimat bei der extremen Rechten, in der FDP und bei kleineren Gruppierungen, die eine überschaubare Stammwählerschaft besitzen und daher massiv auf Protest- oder kurzfristig aktivierte Wähler angewiesen sind, um politische Erfolge generieren zu können.

Weiterhin ist anzumerken, dass zumindest ein Teil der oft genannten 20%, als gebunden betrachtet werden kann. Es bedarf daher massiver Fehler der Bindungsparteien, damit die Wähler ihre Kreuze künftig an anderer Stelle machen werden.

Ob und in welchen Umfang dieses durch die Politik der letzten Jahre begünstigt wurde und gerade geschieht, soll an dieser Stelle nicht bewertet werden. In der Regel weichen Bindungen nur langsam auf.

Verdecktes Potential?

Neben klassischen Potentialanalysen, erscheint es für eine seriöse Betrachtung, zusätzlich angebracht, die Verschiebungen im politischen Meinungsspektrum näher zu beleuchten. Oft wird diese Verschiebung als „Linksruck" wahrgenommen.

Tatsächlich wären heute Diskussionen über einen Zuwanderungsstopp zum Zwecke des Vorzugs von deutschen Arbeitnehmern (SPD, 1973), Wahlplakate mit Botschaften wie „Asylmissbrauch stoppen" (CDU, Bremen, 1991) oder gar derart prägnante Aussagen wie „Kinder statt Inder" (CDU, 2000) kaum mehr, ohne massiven Widerstand, denkbar.

Nur, bedeutet die Veränderung des politischen Klimas, auch gleichzeitig eine Veränderung in den Köpfen der Massen? Sind die Menschen in der breiten Masse „linker" oder ist dieses lediglich eine Suggestion? Es gibt in dieser Hinsicht eine Vielzahl von Studien mit unterschiedlichen Ergebnissen, die sich fast alle primär dadurch auszeichnen, dass entweder die Art der Datenbeschaffung oder die politische Motivation des Studienerstellers hinterfragt werden darf und muss.

Zu oft sind Studien keine objektive Abbildung der Wirklichkeit, sondern ein Mechanismus zur direkten oder indirekten Durchsetzung der eigenen Interessen.

Die Frage, ob suggerierte „rechte" Themen und Einstellungen, die vor einigen Jahren noch opportun erschienen und es heute nicht mehr sind, nicht in Wirklichkeit immer noch Themen der Mitte darstellen, bleibt daher eine spekulative, aber höchst interessante.

Die kommende Entwicklung wird darüber Aufschluss geben. Wäre dem so, wäre das Potential der AfD ein ungleich größeres als die oft genannten 20%.

Markteintrittsbarrieren einer neuen Partei?

Als neue Partei hat die AfD mit Markteintrittsbarrieren zu kämpfen, die nur schwer zu überwinden sind. Dieses beginnt bei einem Vertrauensvorschuss der Wähler, den die etablierten Parteien in der Regel genießen und mündet in der Schwierigkeit das eigene Marketing angemessen an den Endempfänger zu bringen.

Dass bereits vorhandene Marktteilnehmer dem neuen Konkurrenten nicht freiwillig Marktanteile abgeben und diesen Versuch mit allen Mitteln bekämpfen, ist schlichtweg ein natürliches Verhalten. Mit gleichem hatten auch die Grünen oder die Linkspartei zu kämpfen. Andere Gruppierungen sind daran gescheitert.

Ebenso gehört es zum Spiel, diese Barrieren zu beklagen. Tatsächlich gelingt es der AfD immer mehr, wenn auch weniger thematisch, wahrgenommen zu werden und das ist, so traurig es klingen mag, erst einmal wichtiger als jeder Inhalt.

Die AfD als Eintagsfliege?

Gemeinhin wird die These vertreten, dass die AfD, gleich anderen schnell aufstrebenden Parteien seit 1945, mit der Zeit massiv an Bedeutung verlieren wird. Betrachtet man die Geschichte diverser Parteien, so kann die Alternative für Deutschland kaum mit Gruppierungen wie der DVU, den Republikanern oder gar der NPD verglichen werden.

Zum Einen ist die innere Struktur, an der DVU oder Republikaner gescheitert sind, nicht vergleichbar und gleichzeitig sucht die AfD nicht gezielt nach Verbindung zur Vergangenheit Deutschlands, sondern vermeidet sie.

Ein weitaus besserer Vergleich wäre die FDP. Auch, wenn es ein wenig erstaunen mag, war die „rechte" Karte doch eine, welche die Freien Demokraten immer wieder mit Erfolg gespielt haben.

Dabei sei gar nicht an die Unterwanderungsversuche von Alt-Nazis in den 50ern gedacht, sondern vielmehr an gezielt genutzte Töne, wie Westerwelles „I am proud to be german" oder die Positionierung, die zeitweise unter Möllemann erfolgte.

Der Gedanke, dass eine Partei der Kategorie AfD zum langfristigen FDP-Ersatz werden wird, ist kein neuer. Der Autor dieser Zeilen hat dieses bereits im Jahre 2010 in einem Buch prognostiziert und den Freien Demokraten, aus neutraler Sicht, empfohlen, schon damals sichtbare Themen der Zukunft wie Euro, Migration oder den Sozialstaat offensiv, kontrovers und mit dem notwendigen Mut an die Gesellschaft heranzutragen.

Diese Rolle hat mittlerweile die AfD übernommen.

Fazit

Die Alternative für Deutschland hat durchaus ein beachtliches Potential, um künftig in Deutschland eine gewichtige Rolle zu spielen. Bereits heute besteht die Möglichkeit, die neue FDP mit einer stärkeren Gewichtung auf den national-liberalen Flügel zu werden.

Diese Entwicklungsmöglichkeit kann sich die Partei nur durch eigene Fehler und interne Querelen nehmen. Markteintrittsbarrieren in diese Richtung werden fallen oder sind es bereits.

Was würde das bedeuten? Nichts weniger, dass es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass sich die AfD langfristig eine Stammwählerschaft von 4% bis 6% aufbaut und durch entsprechende Kampagnen mit sonstigen Bürgerstimmen erweitert.

Alles, was darüber hinausgeht, würden letztendlich die etablierten Parteien mit ihrer Politik, ermöglichen. Dieses zu verhindern, Politik aktiv zu gestalten und sie zu kommunizieren, liegt im Moment, dank einer marktbeherrschenden Stellung, noch in deren Hand.

Ob es langfristig so bleiben wird, ist abzuwarten.

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