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17/10/2015 08:00 CEST | Aktualisiert 17/10/2016 07:12 CEST

Vergessen Sie Golf - Marathonlaufen Ist der Sport der Erfolgreichen!

Rudi Von Briel via Getty Images

Morgens halb sechs in Deutschland. Es ist noch dunkel. Alles schweigt. Lediglich das Rauschen eines Autos und regelmäßige, zügige Schritte und Atemzüge durchbrechen die schwere morgendliche Stille vor dem großen Trubel. Einige Menschen genießen diese Ruhe und halten sich laufend fit und gesund. Damit sind die Läufer in guter Gesellschaft: Neun von zehn Managern bezeichnen sich als Sportler.

Der Lieblingssport der Top-Führungsleute? Das Laufen! Auffällig hoch ist zudem der Anteil der Marathonläufer in den Chefetagen: Während sich jedes Jahr in Deutschland nur jeder 600. Erwachsene an die gut 42 km heranwagt, läuft diese etwa jeder zehnte Vorstand eines börsennotierten Unternehmens.

Öfter und länger

Warum jedoch laufen ausgerechnet diejenigen immer öfter und länger, die aufgrund ihrer beruflichen Herausforderungen weniger Zeit haben, als die meisten anderen Berufstätigen? Wie schaffen sie es ausreichend Trainingskilometer zu sammeln und gleichzeitig fünfzig oder mehr Stunden pro Woche zu arbeiten, von Meeting zu Meeting zu jetten und auch Familie und Freunde nicht zu vernachlässigen?

Einige schreien jetzt bestimmt auf: „Wenn beim Managen nicht alles rund läuft, suchen Sie sich halt die Erfolgserlebnisse woanders." Oder: „Klar! Die kommen einfach nicht mehr runter. Laufsucht." Der Grund ist aber ein anderer: Wer den ganzen Tag Vollgas gibt, kann von 100 nicht gleich auf null runterschalten.

Haben Sie mal probiert, sofort nach einem langen aufreibendem Meeting oder umtriebigen Arbeitstag zu schlafen? Das ist, als ob Sie Kühen das Fliegen beibringen wollten. Stresshormone lassen sich nicht einfach wegatmen, wegschlafen oder wegmeditieren. Sie müssen abgebaut werden und das funktioniert nur über Bewegung. Laufen ist das perfekte Mittel, um in die Entspannung reinzukommen.

Wieso ausgerechnet ein vorbereitungsintensiver Marathon?

Unternehmer und Top-Manager sind sehr konsequent. Sie wissen, Dauerlaufen hält gesund, fit und es baut ihren Stress ab. Von dem haben sie mehr als genug. Also ziehen sie es durch und joggen diszipliniert. „Ich stehe jeden Morgen um sechs Uhr auf, um zu laufen. Die Zeit richte ich mir dafür immer ein, selbst wenn eine Geschäftsreise ansteht. Dann stehe ich um vier Uhr auf und laufe von halb fünf bis halb sechs", sagt zum Beispiel Ferri Abolhassan, Mitglied der Geschäftsführung von T-Systems.

Er gleicht mit dem Laufen seine Energiebilanz aus und er bleibt fit. Außerdem sortiert er beim Joggen bereits den Tag und bereitet sich gedanklich auf die anstehenden Aufgaben und Vorträge vor. Trotzdem sind auch Manager nicht frei vom Schweinehund. Wie jeden anderen, übermannt er sie manchmal. Haben sie aber ein konkretes Ziel, auf das sie zuarbeiten können, läuft es sich gleich viel leichter.

Das hochgesteckte Ziel

Die Königsdisziplin des Dauerlaufs ist so ein überragendes Ziel, auf das es sich hinarbeiten lässt. Moderator Erich Lejeune, selbst Marathon-Finisher, beschrieb es einmal so: „Wenn du beim Marathon durchs Ziel läufst, dieser emotionale Kick: Den finde ich besser, als wenn man Millionen verdient" und ergänzt „Auch wenn ich das jetzt nicht mehr mache, ein Marathonläufer bleibt man sein ganzes Leben lang."

Immer mehr Entscheider nutzen den Marathonsport daher zusätzlich als Motivationsinstrument. Hat sie der Ehrgeiz erstmal gepackt, gilt: Wer sich für die 42,195 km angemeldet hat, muss auch dafür trainieren. Der Trainingsplan wird so zum Selbstführungswerkzeug. Er macht es konkret und umsetzbar. Ziel ist zwar der Marathon. Das Motiv jedoch weiterhin ein gesundes Leben, der Erhalt der Leistungsfähigkeit und eine Motivation zum regelmäßigen Training.

„Leadership-Running"

„Leadership-Running" nenne ich das in meinen Vorträgen: Die Lust der Topmanager am Laufen. Mit dem Laufhobby kommen gleich mehrere gute Vorteile zusammen: Gesundheit, die Selbstführung und Selbstmotivation. Denn wer motiviert den Chef? Das muss er selbst machen. Das Laufhobby hilft aber natürlich nicht nur den Kopfarbeitern.

Jeder kann davon profitieren, kann lernen sich durch Laufen selbst zu motivieren, zu strukturieren. Auch die Ausdauer und Willensstärke können Sie damit stählen. Wie wär's mal mit Laufen im Regen? Ja, das kostet Überwindung. Mit der richtigen Kleidung aber kein Problem und das Gefühl danach, wenn man unter der Dusche steht... unbeschreiblich.

So beweisen Sie in erster Linie sich selbst Disziplin, Ausdauer und Willensstärke. Einfach mal ausprobieren. Ganz nebenbei lässt sich die eigene „Marke" pflegen. Selfbranding durch Laufen funktioniert nämlich auch hervorragend. Mit dem Laufhobby und der Teilnahme an Firmen- oder Wettläufen - es muss ja nicht gleich der Marathon sein - beweisen Sie auch anderen, dass Sie diese wichtigen Eigenschaften für den Beruf mitbringen.

Leidenschaft steckt an

Viele Chefs reißen ihre Mitarbeiter förmlich mit. Sie geben die positiven Erfahrungen und die Begeisterung an ihre Mitarbeiter weiter, rufen Firmenlauftreffs ins Leben und animieren zur Teilnahme an Firmenläufen. Beste Chancen, ihre Mitarbeiter noch besser kennenzulernen und Vertrauensbindungen aufzubauen und zu vertiefen. Gemeinsam zum gleichen Ziel beispielsweise bei einer Staffel - das verbindet.

Es funktioniert, wenn es nicht aufgesetzt ist: Dem Beispiel des Marathonläufers und beliebten, geerdeten CEOs von Lanxess, Matthias Zachert, folgten 530 Mitarbeiter und meldeten sich zum Leverkusener Volkslauf an. Und das ist nur eines der Beispiele. Immer mehr Menschen sehen die Verbindung zwischen Sport und Erfolg. Die Firmenläufe boomen: Diesen Sommer nahmen sogar über 70.000 Läufer beim J.P. Morgan-Lauf in Frankfurt teil.

Selbst ausprobieren

Ich selbst bin ebenfalls leidenschaftlicher Läufer und kann nur empfehlen: Selbst ausprobieren. Zweifel über Bord werfen, nicht lange drüber nachdenken und loslaufen. Sie werden sehen, auch Ihrer Gesundheit, Motivation, Selbstführung und Willensstärke wird es nützen

. Falls Sie es nicht schon längst getan haben, tun Sie es den Managern gleich. Suchen Sie sich eine schöne Strecke, schnüren Sie die Laufschuhe und laufen Sie dem Stress einfach weg und der Entspannung, Ausdauer und Willenskraft entgegen. Golf wurde von den Läufern aus den Chefetagen längst überholt.

Andreas Butz ist Autor der Buchs Schwitzen für Erfolg. In Laufschuhen Karriere machen.

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