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18/12/2015 13:49 CET | Aktualisiert 18/12/2016 06:12 CET

Rhythmus ist der Herzschlag des Lebens

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„Der Rhythmus ist für mich der Grund aller Dinge. Mit dem Rhythmus beginnt das Leben, mit dem Herzschlag, "
meinte der bekannte Dirigent Herbert von Karajan.

Jeder Mensch, jedes Wesen durchläuft Zyklen und Rhythmen - bewusst und unbewusst. Es ist ein permanentes ‚Sich ausdehnen' und ‚Sich zusammenziehen' - ein Auf und Ab. Dies zeigen das Atmen ebenso wie der Lauf der Jahreszeiten und das Wechselspiel aus Erfolg und Misserfolg.

Zyklen sind Verbindungsknoten entlang der Zeitachse. Sie erlauben, dass man bestimmte Ereignisse und Prozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander in Beziehung setzt. Kennt man Zyklen, so kann man den richtigen Zeitpunkt erwarten. Gegen die Zyklen zu arbeiten, ist die Garantie für einen schlechten Start, für Verzögerungen, für scheinbare Rückschläge.

Vor der Zeit da zu sein, bedeutet, auf Unverständnis und Nichtbeachtung zu stoßen - die Zeit für eine Idee ist noch nicht reif. Nach der Zeit dazu sein, bedeutet, die reifen Früchte nicht zu ernten, sondern sie am Baum verfaulen zu lassen. Das Prinzip der Zyklen und Entwicklung besagt, dass man nie stehen bleibt. Leben ist immer Bewegung.

Warum ist das Thema Rhythmus ausgerechnet JETZT so präsent?


Seit einigen Jahren haben sich die Bedingungen im Leben geändert. Sie äußern sich in einer wahrgenommenen Beschleunigung, in einer deutlichen und nachhaltigen Erhöhung Komplexität im Sinne einer Mehrschichtigkeit und Vielfältigkeit in den Kombinationen und Ergebnissen und im Phänomen der Globalisierung, das sich in einer erhöhten Verbundenheit zeigt. Die Ursachen für Veränderung haben sich NICHT verändert.

Blendet man den Rhythmus als Pulsierung über die Bedingungen, dann laufen mehrere Rhythmen übereinander, forcieren und bremsen sich gegenseitig und bringen viele Menschen aus dem Takt. Sie verlieren dabei den Kon-Takt zu sich selbst und werden takt-los. Dies ist das Ergebnis längerer Beobachtungen. Vieles läuft unbewusst ab.

Warum kommen wir mit dieser Rhythmusänderung zurzeit so schlecht klar?


In diesen bewegten Zeiten werden viele durch äußere Effekte gezwungen, sich aus ihrer Komfortzone zu begeben. Das geschieht oft nicht freiwillig, denn wer verlässt denn schon gerne sein weiches, warmes Federbett, das man in- und auswendig kennt?

Da es sich seit einiger Zeit um viele Einzelschicksale handelt, ergibt sich kollektiv eine Energie, die ein hohes Maß an Opferbewusstsein in sich trägt. Dies bedeutet, dass die Masse nach wie vor unbewusst ist. Sie hat ihre Eigenverantwortung an etwas oft Undefinierbares, Schwammiges abgegeben - wie immer sie es benennen.

Dagegen lässt sich auch sehr gut wettern. Je unkonkreter, desto besser. Je weniger dieses „Etwas" ist, umso leichter erträgt es Schuldzuweisungen jeglicher Art; umso mehr bringt es einen jedoch auch weg von sich selbst. Damit gibt das Kollektiv die Macht, etwas zu bewegen, mehrheitlich noch immer aus der Hand, denn gegen jemanden oder etwas zu sein, ist nicht die Lösung.

Das Kollektiv ist nach wie vor schlafend und befindet sich in einer anhaltenden kollektiven Hypnose. Ab und an beobachtet man an den Rändern gewisse Aufwachtendenzen, die jedoch nicht deutlich ausgedrückt werden, sondern immer noch unspezifisch und dumpf dargestellt werden. Diese Kräfte reichen für eine kritische Masse noch nicht aus. Daher ist jeder willkommen, der Bewegung in das Kollektiv bringt, überlegt, bewusst und eigenverantwortlich.

Im Fluss sein


Panta rhei (alles fließt) war seit jeher eines der Grundprinzipien im menschlichen Sein und im Sein der Welt. Das Fließen ist eines der Urprinzipien, so wie auch Veränderung ein Grundbaustein des Lebens ist. Aufgrund der veränderten Bedingungen zeigen sich nun Blockaden ganz besonders drastisch, weil die Bedingungen dies begünstigen.

Blockaden haben wir durch unser Unbewusstsein erschaffen - individuell und kollektiv. Das geht über Jahrzehnte und Jahrhunderte zurück. Nur wurde sogar das Unbewusstsein vergessen. Und nun...nun zeigt sich vieles ... in einem interessanten, oft schmerzhaften Panoptikum. Es ist ein Kaleidoskop an scheinbaren Katastrophen aller Art.

Hindernisse und Hemmschuhe


Glaubenssätze und Verhaltensmuster aus dem Kollektiv prägen den Menschen in seinem Verhalten. Ca. 90 % werden vom Einzelnen aus diesem „Topf" unbewusst übernommen; die restlichen 10 % sind hausgemacht in der Kindheit, z.B. durch frühkindliche Erlebnisse und Erfahrungen, die oft genug wiederholt wurden.

Besondere Rollen spielen dabei der innerer Richter und innerer Druckmacher als innere Figuren. Du musst, du sollst, du solltest. Du darfst nicht; das kann man nicht machen, so kann man sich nicht verhalten ... all das sind Ausdrücke des inneren Druckmachers und des inneren Richters. Beide innere Figuren sind kollektiv geprägt und durch die Familienmuster unbewusst im eigenen Leben fixer Bestandteil.

Fragt man danach, warum diese und jene Verhaltensweise an den Tag gelegt wird, so zeigt sich das breite Unbewusstsein: weil es immer so gemacht wurde; weil man es in unserer Familie so macht. Diese inneren Figuren sind ja keine nutzlosen Gesellen, sondern ermöglichen eine Art von Bonding, von Legitimation, dazu zu gehören, obwohl viele gar nicht wissen, wo sie dazu gehören. Ein Hinterfragen lohnt jedenfalls, bevor man gänzlich verbogen ist und sich selbst nicht mehr erkennt.

Weiteres kommt der Sprache eine besondere Rolle zu. Die Sprache als geronnenen Gedanken schafft Bewusstsein und in der Umsetzung Bewusstheit. Sie ist die direkte Brücke in Tat. Gedanken- und Sprachhygiene ist daher etwas sehr Lohnendes, wenn es wo hakt und bremst.

Wie schafft man es in einen neuen Rhythmus und in den eigenen Takt?


Um in den neuen Rhythmus und in unseren eigenen Takt und damit in Kon-Takt zu sich selbst zu gelangen, braucht es ein gerüttelt Maß an Bewusstheit und an konsequenter Anwendung im täglichen Leben. ... Eine Gedanke mag dabei hilfreich sein: „Es ist nicht genug zu wissen - man muss auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen - man muss auch tun." (J.W. Goethe).

Die Umsetzung am Königsweg der Erkenntnis ist nicht immer ganz einfach, jedoch ist sie lohnend, hilfreich und Lebensfreude spendend. So individuell der Weg ins Bewusstsein ist - es hilft der Gemeinschaft sehr, den Weg zu finden und zu gehen.

Dann ist Fluss möglich. Dann wird panta rhei gelebt.

Verlust von Energie: Das Universum stirbt - und wir können nichts dagegen tun

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