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20/10/2015 07:07 CEST | Aktualisiert 20/10/2016 07:12 CEST

Liebe Internetnutzer, ihr ahnt nicht, wie oft ihr auf linke und rechte Rattenfänger reinfallt!

dpa

Lieber Internetnutzer,

werde einfach mal mündig. Strenge einfach mal Deinen Kopf an und frage nach Ursprüngen, bewerte mal Quellen, ordne Quellen in einen Kontext ein. Ziehe zur Not eine zweite oder Dritte Quelle hinzu (nein - wenn jemand etwas 1:1 nachplappert, ist das keine eigenständige Quelle). Stille-Post Meldungen sind auch als solche zu nehmen.

Mit diesen Worten habe ich letzte Woche einen Blogeintrag beendet, bei dem ich in dem Moment des Verfassens noch gar nicht wusste, wie sehr sich dieser verbreiten wird. Es war mir jedoch wichtig, die Menschen zum Nachdenken zu bewegen - nicht allein Nachdenken, sondern auch hinterfragen, denn das war aufgrund der behandelten Thematik in dem Eintrag recht wichtig.

Letzten Sonntag - vor 29 Monaten

Denn es ging um eine brisante Meldung aus Schweden, es ging um die aufklärenden Worte, dass die angeblichen Rassenunruhen in Schweden bereits vor knapp 30 Monaten stattgefunden haben.

„SWEDEN BURNS: 1000s of migrants torch Capital." Diese Meldung splitterte vor wenigen Tagen wie eine Granate durch das Internet. Man schrieb, dass seit letztem Sonntag die wachsenden Unruhen in Gewaltausbrüche gipfelten, man warf der „Lügenpresse vor, absichtlich nicht zu berichten. Viele kleine, miteinander und untereinander vernetzte Blogs nahmen diese Meldung auf und katapultierten diese ihrerseits in den Äther.

Keiner hat diese Meldung hinterfragt, niemand dieser Teiler und Verbreiter sah sich dem Risiko ausgesetzt, vielleicht grundlos eine Schreckensmeldung zu verbreiten. Lag es am fehlenden Zeitgeist? Lag es am fehlenden Geschichtsbewusstsein (auch wenn es nur die junge Vergangenheit ist)?

Kleine Blogs - große Wirkung

Wahrlich schienen viele Menschen die Information über „Unruhen in Schweden" inklusive ihrer aktuell systematischen Verschweigetaktik der Medien nicht zu hinterfragen. Protestlos wurde hingenommen, dass seit wenigen Tagen angeblich Schwedens Hauptstadt brenne und wir Deutschen dies nicht erfahren dürfen. Und das alles, weil mehrere Blogs ohne Impressum und ohne wirkliche Autorennennung dies propagierten.

Was ist nur los im Internet?

Wir können so viele Informationen bekommen, jedoch werden ausgerechnet diese in voller Dramatik verbreitet, welche im Grunde aus haltlosester Quelle kommen. Da kann zum Beispiel ein deutschsprachiger Blog, dessen IP-Adresse in die USA führt, der jedoch in Panama registriert ist und keinerlei Namen, ja nicht einmal ein Impressum trägt, eine wilde These in die Welt schleudern und sie wird geglaubt.

Und die Glaubhaftigkeit holt man sich, indem man einfach 1:1 von verschwisterten Blogs die Inhalte übernimmt. Klar - Quellenangabe. So nennt man das. Mit der unreflektierten Wiedergabe ohne jegliche Bewertung scheint man sich im Wissenschaftsfeld „Internet wohl selbst zu legitimieren.

Fehlende Selbstkritik

Ebenso erschreckt mich an dieser Stelle immer wieder, dass diese vielen kleinen Blogs, welche wie stakkatoartige Nadelstiche ihre vielen haltlosen Meldungen in die Welt setzen, sich selbst und ihre Geschwister nicht hinterfragen. Man sieht sich einer Zensur verfolgt, übt jedoch selbst Verblendung. Das ist schon mutig.

Jedoch fehlt ihnen der Mut zur Darlegung der eigenen Identität. Warum? Das bleibt zu mutmaßen. Doch dabei würde es doch so viel Glaubwürdigkeit schaffen.

Verfall der Werte

Früher war vieles anders, früher war vieles besser. Man hat nicht einfach irgendwelchen Leuten geglaubt, vor allen nicht denjenigen, die sich absichtlich verstellt und versteckt haben. Früher hätte man gesagt "Was willst Du von mir? Sieh' zu, dass Du Land gewinnst!"

Ehrlichkeit war ein stückweit darin begründet, dass man mit seinem eigenen Namen für eine Botschaft stand, dass man verantwortlich für den Inhalt war, den man anderen Leuten um die Ohren gehauen hat. Man bürgte mit der Person seiner selbst für wahrheitsgemäßen Inhalt.

Dieser Wert scheint verloren gegangen. Ebenso auch ein Sprichwort wie "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht!" Jene Worte scheinen sich heutzutage in ihr Gegenteil verkehrt zu haben und neu definiert worden zu sein. "Wer einmal lügt, dem glaubt man so lange, bis er mal eine Wahrheit spricht."

Denn selbst wenn man Meldungen wie das "brennende Schweden" in ihren real geschehenen Kontext setzt, so scheint dass irrelevant zu sein. "Man solle nichts verharmlosen." "Woher man denn wisse, was in Schweden wirklich abgehe!" Und wieder ein Versuch, die Wahrheit zu verschweigen.

Nun, diese Fragen lassen sich problemlos umgekehrt stellen, jedoch sind die Antworten meist begrenzt. "Schau auf die Straße", "Man liest es doch überall", "Ihr werdet schon sehen, was ihr davon habt."

Nun, was wir davon haben, dass wir nicht längst unsere Stimme erhoben haben, dass wir nicht all diese Informationen hinterfragt haben, welche aus verschleierten und versteckten Quellen stammen, das zeigt sich an dem Spalt, der sich derzeit durch ein Volk zieht, welches sich eigentlich dadurch identifizieren müsste, dass es Mauern umwirft, anstatt sie aufzubauen. Haben wir etwa unsere eigenen Werte vergessen?

Wenn Netze zur Hetze werden

Hat die Möglichkeit, Informationen zu erschaffen und zu verbreiten ihr Eigenes hinzugegeben? Ein freies Internet ist gut und richtig, eine Zensur oder ein Verbot von Informationen und Meinungen wäre ein Schlimmes.

Doch ein freies Internet benötigt immer Nutzer, welche Informationen kritisch hinterfragen, welche auch den eigenen Standpunkt immer selbstkritisch sehen können. Und all diese Gedanken haben mich letzte Woche zu meinem eingangs erwähnten letzten Absatz in dem Blogeintrag bewegt.

All diese Fragen haben mich dazu getrieben, die Internetnutzer zu bitten, jede Information zu bewerten, zu hinterfragen und nur dann zu verbreiten, wenn sie wirklich richtig ist. Das gilt auch für diese Ausführungen. Lieber Internetnutzer, Du sagst doch immer, dass Du nicht manipuliert werden willst. Dann lass das auch nicht zu!

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