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04/09/2015 09:40 CEST | Aktualisiert 04/09/2016 07:12 CEST

So helfen Berliner Jugendliche Flüchtlingen

ullstein bild via Getty Images

Seit Mitte Juni 2015 entwickeln Ana, Ruben und Francis mit Flüchtlingen für erst-ankommende Flüchtlinge einen informativen Prototypen. Dieser soll essentielle Informationen, besonders für gerade erst angekommene Flüchtlinge, beinhalten.

Dieser Prototyp wird in mehreren Sprachen verfügbar sein, damit Flüchtlinge sich nicht ausgeschlossen fühlen müssen. Außerdem werden wir zusätzlich eine Audiovision kreieren, um auch Analphabeten zu erreichen.

Peace Innovation Lab

Am 18. Juni 2015 lud das Peace Innovation Lab zum Thema "Innovation for refugees" ins Rote Rathaus in Berlin ein. Bei dieser Kick-Off Veranstaltung kamen gut 30 engagierte in Berlin lebende Menschen, aus den unterschiedlichsten Ländern und Arbeitsbereichen zusammen.

Später folgten noch einige follow-up Workshops. In dieser Zeit bildeten sich unterschiedliche Gruppen, die sich Problemen von Flüchtlingen widmeten. Basierend auf unseren Interessen und Kompetenzen fanden wir uns dann als Gruppe (Ana, Ruben und Francis) zusammen, um an einen Prototypen für erst-ankommende Flüchtlinge zu arbeiten. Ana und Francis kannten sich bereits schon durch ihre gemeinsame Arbeit bei Schüler & Paten e.V.

Strapazen der Flucht

Erst-ankommende Flüchtlinge erreichen Deutschland auf unterschiedlichen Wegen und Weisen. Sei es zu Fuß, mit dem Flugzeug oder dem Zug und sind meist von den Strapazen der Flucht völlig erschöpft. Es vergehen etliche Stunden zwischen ihrer Ankunft in Deutschland und dem Finden einer Unterkunft.

Wenn sie dann bei Freunden, Verwandten, auf der Polizeistation oder in Flüchtlingsunterkünften landen, wissen sie gar nicht, wie es weitergeht. Flüchtlinge wollen bei der Ankunft primär wissen: wo bekomme ich Essen, wo kann ich ein Bett bekommen? Wo bekomme ich eine Decke? Wie bekomme ich eine Aufenthaltsgenehmigung? Wie bekomme ich eine Arbeitserlaubnis? Was für Freizeitaktivitäten gibt es, damit ich mich beschäftigen kann? Wie funktioniert der Öffentliche Nahverkehr? Wie und wo bekomme ich rechtlichen Rat?

Antworten

Antworten auf diese Fragen erhalten Geflüchtete meist von Freunden oder Ämtern. Häufig widersprechen sich die Antworten auf diese Fragen, da sich zum Teil Gesetze von Bundesland zu Bundesland unterscheiden und Freunde veraltete Informationen haben.

Wir entwickeln einen Prototypen mit Flüchtlingen für Flüchtlinge, damit die Ankunft von zukünftigen Flüchtlingen in Deutschland erleichtert werden kann. Antworten zu den oben genannten Fragen und weiteren wollen wir übersichtlich und für jeden verständlich und zugänglich gestallten.

In enger Zusammenarbeit mit ARRIVO Berlin, einer Ausbildungs- und Berufsinitiative zur Integration von geflüchteten Menschen in den Berliner Arbeitsmarkt, dem Beratungszentrum und Betreuungszentrum für junge Flüchtlinge und MigrantInnen (BBZ), einem Wohnheim in Kreuzberg, sowie mit einer Erstankunft für Flüchtlinge in Spandau gehen wir diesen Fragen nach und versuchen, herauszufinden, wie und in welcher Form es am geeignetsten ist, diese Informationen zu präsentieren.

App und Broschüren

Aktuell wird diese Information an erst-ankommende Flüchtlinge in Form von Broschüren, die in Heimen und Ämtern ausgehändigt werden und danach praktisch zum Herunterladen als App in mehreren Sprachen zugänglich gemacht werden können. Ein Großteil der Geflüchteten besitzt nämlich einen Smartphone.

Es werden noch zwei weitere Workshops mit Flüchtlingen stattfinden, um gemeinsam den Fragen nachzugehen: was für Informationen für sie wichtig sind, woher sie Ihre Informationen zurzeit beziehen und dann in welcher Form sie diese Informationen gerne haben möchten, um so einen repräsentativen Prototypen zu erstellen.

Wer wir sind:

Ana

Engagement: Ich habe dieses Jahr mein Studium der Rechtswissenschaft abgeschlossen und engagiere mich seit 2014 bei Schüler & Paten e.V, einem gemeinnützlichen Verein, der für die Eröffnung besserer Bildungschancen für Kinder nichtdeutscher Herkunft, die Förderung des Austauschs zwischen verschiedenen Kulturen und des bürgerschaftlichen Engagements in der Bevölkerung steht.

Nebenbei arbeite ich seit ein paar Monaten zusammen mit Francis und Ruben an einem Projekt mit und für Flüchtlinge. Zurzeit entwickeln wir einen Prototypen, der es ermöglichen soll, wichtige Informationen für Flüchtlinge (insbesondere Analphabeten) leicht zugänglich und verständlich zu machen.

Meine Motivation dahinter ist eine ganz einfache. Ich möchte Flüchtlinge in Deutschland willkommen heißen und wünsche mir, dass rassistische Einstellungen, Stereotypen und Ressentiments gegenüber Ausländern keinen Platz in unserer Gesellschaft finden. Ich sehe Flüchtlinge als Menschen und nicht als Gefahr. Diese Menschen, die viel Potenzial haben etwas Großes zu erreichen, sollten daher auch eine Chance bekommen.

Laut der Antidiskriminierungsstelle des Bundes wurden rund 40 Prozent der Menschen mit Migrationsgeschichte in der Vergangenheit im Bildungssystem, auf dem Arbeitsmarkt, bei Ämtern und Behörden, in der Nachbarschaft, bei der Wohnungssuche, in öffentlichen Verkehrsmitteln, bei der Religionsausübung oder bei Freizeitaktivitäten schon einmal diskriminiert.

Diese Zahlen sind besorgniserregend. Als Teil einer Gesellschaft, die sich für Demokratie, Offenheit und Fortschritt einsetzt, finde ich es traurig, dass Diskriminierung und Rassismus noch existieren.

Ich möchte helfen, damit Menschen, die nach Deutschland einwandern, sich nicht mehr als Außenseiter in der Gesellschaft fühlen.

Ruben

Engagement: Ich bin Designer und Social-Innovator. Kreative Denkprozesse (Design Thinking) fließen bei mir in die Konzeption und Entstehung von Produkten, Dienstleistungen und Ideen mit ein. Dies macht eine direkte Auseinandersetzung mit relevanten sozio-kulturellen Problemen (und Chancen) möglich und erlaubt einen unmittelbaren und nachhaltigen Einfluss auf Menschen aus allen Gesellschaftsschichten.

Motivation: Mit kreativen Lösungen möchte ich sozialrelevante Probleme auf dieser Erde lösen. Die Flüchtlingskrise ist ein solches Problem, allerdings stecken hierin auch viele Chancen. Diese Chancen und Möglichkeiten möchte ich nutzen, um das Leben der Flüchtlinge und die Länder, in die sie flüchten, zu verbessern, Schritt für Schritt.

Francis

Engagement: Nach meinem Abschluss in Sustainable Development war ich zuerst im Public Policy Bereich tätig. Nach 1,5 Jahren entschloss ich mich dann, im Social Entrepreneurship Bereich zu engagieren, da ich soziale Probleme mit einer unternehmerischen Denkweise lösen möchte. Außerdem finde ich, dass man durch Social Entrepreneurship viel schneller und nachhaltiger Dinge zum positiven verändern kann. Darüber hinaus bin ich seit Anfang des Jahres bei Schüler & Paten e.V. aktiv. Hier bieten wir eins-zu-eins Patenschaften zwischen überwiegend Studenten und Schülern mit Migrationshintergrund an, um so Integrationsprobleme zu lösen.

Motivation: Mich motiviert nicht nur die Arbeit an sich, sondern die Menschen, mit denen wir durch unsere Arbeit in Kontakt kommen und denen wir helfen. Der ganze Prozess, den wir gemeinsam durchlaufen, um am Ende die Veränderung zu sehen, ist einfach traumhaft. Mit Flüchtlingen gemeinsam an Projekten zu arbeiten, ist ein gegenseitiger Lernprozess und eine Bereicherung für uns alle.

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