POLITIK

Wirbel um Abschiebung von Amri-Vertrauten: Das ist über den Freund des Berlin-Attentäter bekannt

Auf den Punkt.

23/02/2019 10:15 CET
Fabrizio Bensch / Reuters

Am 19. Dezember 2016 rast der Tunesier Anis Amri mit einem Lastwagen durch den Weihnachtsmarkt auf dem Berliner Breitscheidplatz, zwölf Menschen sterben. Der Attentäter flieht und wird wenige später in Italien erschossen. 

Schon kurz nach der schrecklichen Tat gehen die Ermittler Hinweisen nach, ob Amri Komplizen hatte. Nun steht ein enger Vertrauter des Attentäters im Fokus. 

Nicht nur soll er Amri bei der Flucht geholfen haben, auch der Vorwurf steht im Raum, dass die Bundesregierung den Mann abschob, um seine Verwicklung in den Terrorakt zu vertuschen. 

Der Wirbel um den Amri-Vertrauten – auf den Punkt gebracht. 

Anis Amri und ein mysteriöses Video

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Am Freitag hatte das Magazin “Focus” berichtet: Ein Freund Amris, der Tunesier Bilel Ben A., sei offenbar in einem unter Verschluss gehaltenen Video zu sehen, wie er einem Mann mit einem Kantholz seitlich an den Kopf schlägt, um dem flüchtenden Amri den Weg freizumachen. Zumindest sehe die Person in dem Video wie Bilel Ben A. aus. Der attackierte Mann liege bis heute im Koma. 

Schon neun Tage später sei von den Sicherheitsbehörden und im Bundesinnenministerium die Entscheidung gefallen, Bilel Ben A. nach Tunesien abzuschieben, berichtet der “Focus” weiter. Das gehe aus einer E-Mail vom 28. Dezember 2016 an die Bundespolizei hervor.

Am 1. Februar 2017 wurde der Mann schließlich abgeschoben. Wollten die Behörden die Verwicklung des Mannes in das Attentat vertuschen?

Der Mann sei womöglich ein Agent des marrokanischen Geheimdienstes, der per Abschiebung vor einer Strafverfolgung in Deutschland geschützt werden sollte, berichtet der “Focus”.  

Doch es gibt Zweifel an dem Bericht

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Die Abschiebung klingt nach einem Skandal. Doch die Fakten sind nicht eindeutig. 

Hochrangige Vertreter aus Sicherheitskreisen bestritten im Gespräch mit der “Bild”, dass ein Video vom Attentatsabend vorläge, dass einen Komplizen Amris zeige. Auch Mitglieder des Parlamentarischen Kontrollgremiums konnten das nicht bestätigen. 

Stephan Lenz (50), Vorsitzender des zuständigen Untersuchungsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, sagte der “Bild” am Freitag: “Von der angeblichen Existenz eines solchen Videos habe ich heute erstmals aus den Medien erfahren.”

Was über den Amri-Vertrauten bekannt ist

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Die Liste der Ermittlungspannen im Fall Amri ist lang. Ein Untersuchungsausschuss des Bundestages wurde daher eingesetzt. Wie Amri selbst war auch dessen Vertrauter Bilel Ben A. den Behörden bekannt. 

Nach Informationen des “Kölner Stadt-Anzeigers” sprach er bereits 2015 über mögliche Attentate in Nordrhein-Westfalen. Der Zeitung liegen nach eigenen Angaben Ermittlungsunterlagen vor, denen zufolge der heute 28-Jährige sich im Juli 2015 mit unbekannten Kontaktleuten über Terrorakte austauschte. 

Dazu kommt ein erschreckendes Video: A. hatte 2016 in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft mit Kindern Hinrichtungen durch die Terrormiliz “Islamischer Staat” (IS) nachgestellt. Das geht aus einem Vermerk des Bundeskriminalamtes (BKA) hervor, den die Deutsche Presse-Agentur einsehen konnte.

Das Video zeigt den Angaben zufolge einen syrischen Jugendlichen, der an Händen und Füßen gefesselt auf dem Boden liegt und von einem Kleinkind mit einem Plastikschwert geschlagen wird. 

Bilel Ben A. war in Deutschland außerdem durch Diebstähle, Rauschgiftdelikte und Sozialhilfebetrug aufgefallen. Die Behörden stuften ihn – wie Amri – als islamistischen Gefährder ein.

Wie es nun weitergeht

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Bis heute ist nicht klar, was A. von den Anschlagsplänen seines Freundes Amri wusste. Bekannt ist, dass die beiden am Abend vor der Attacke gemeinsam zu Abend gegessen haben. 

Der Untersuchungsausschuss des Bundestages zum Berliner Weihnachtsmarkt-Anschlag will BA nun als Zeugen vernehmen. Wie am Freitag aus dem Ausschuss verlautete, ist eine Mehrheit der Mitglieder für einen entsprechenden Beweisbeschluss. Offen ist aber noch, ob A. in Berlin oder im Ausland vernommen wird. 

Mit Material der dpa.

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