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26/10/2015 07:08 CET | Aktualisiert 26/10/2016 07:12 CEST

Warum Milch viel schlechter für euch ist, als ihr dachtet

Jerome Tisne via Getty Images

Trinkt viel Milch, sie ist reich an Kalzium und darum gut für den Knochenaufbau. Bis vor kurzem hat sich die Forschung darauf konzentriert herauszufinden, ob Kalzium starke Knochen macht. Die Ergebnisse einer aktuellen, groß angelegten Harvard-Studie zu der Frage, ob Milch im Besonderen gut für die Knochen ist, machen nachdenklich.

Als die Resultate im Oktober 2014 veröffentlicht wurden, griff die Zeitschrift New Scientist diese sofort unter der alarmierenden Überschrift »Milch trinken könnte Ihr Knochenbruchrisiko erhöhen« auf. Über hunderttausend schwedische Frauen und Männer wurden von den Wissenschaftlern zwanzig (Frauen) bzw. elf (Männer) Jahre lang begleitet.

Dabei ergab sich, dass Frauen, die 730 Milliliter oder mehr Milch pro Tag zu sich nahmen, während des Untersuchungszeitraums eine beinahe doppelt so hohe Sterbewahrscheinlichkeit, vor allem aufgrund von Krebs und Herzkreislauferkrankungen, hatten wie diejenigen, die nur 240 Milliliter täglich tranken.

Auch war das Risiko eine Hüftfraktur zu erleiden um 60 Prozent erhöht. Die Autoren kommen zu dem Schluss: »Hoher Milchkonsum stand in Zusammenhang mit einer höheren Sterblichkeit in einer Kohorte von Frauen und in einer weiteren Kohorte von Männern, und die Inzidenzrate von Frakturen war bei den Frauen erhöht.«

Dennoch empfehlen sie, bei der Interpretation der Ergebnisse Vorsicht walten zu lassen, da Verfälschungen durch Störfaktoren nicht auszuschließen seien.

In ihrer Analyse wirken die Forscher allerdings nicht so, als hätten sie sich in irgendeiner Weise stören lassen. Sie verweisen auf den hohen Gehalt der Milch an Laktose, die sich im Verdauungsprozess in D-Galaktose aufspaltet, einen Zucker, der sich bei Tieren als Entzündungsfaktor erwiesen hat.

Im Detail schreiben die Wissenschaftler, dass es in Tierstudien, unter kleinen Dosen von D-Galaktose zu einer Vorwegnahme des Alterungsprozesses kam, der die ganze Palette von »oxidativen Stressschäden« bis hin zu »chronischen Entzündungen, Neurodegeneration, einer verminderten Immunreaktion und Veränderungen bei der Übertragung von genetischen Informationen« umfasste.

Diese Ergebnisse untermauern ihre Grundhypothese, dass ein »hoher Milchkonsum oxidativen Stress verstärken kann, was wiederum mit einem erhöhten Sterblichkeits- und Knochenbruchrisiko einhergeht.«

Die Theorie, dass D-Galaktose der Bösewicht ist, würde ein weiteres Ergebnis der Studie erklären: der Verzehr großer Mengen von Joghurt und Käse, die beide wenig von der D-Galaktose-Vorstufe enthalten, führte unter den Probandinnen nicht zu einer erhöhten Morbidität und Knochenfrakturneigung, sondern im Gegenteil:

Frauen, die mehr von diesen fermentierten Milchprodukten zu sich nahmen, hatten ein etwas geringeres Risiko, während der Studiendauer einen Knochenbruch zu erleiden oder zu sterben, als solche, die weniger davon aßen.

Die Wissenschaftler waren nicht unbedingt überrascht, welch starker positiver Zusammenhang zwischen den Frauen, die ganz besonders viel Milch tranken, und ihrer Neigung zu Knochenbrüchen bestand.

Dr. Karl Michaëlsson, Arzt und Professor an der schwedischen Uppsala Universität der das Forschungsteam leitete, sagte dazu: »Ich befasse mich seit 25 Jahren mit Frakturen. Die Frage beschäftigt mich insofern, als ich immer und immer wieder die Tendenz beobachtet habe, dass ein höheres Knochenbruchrisiko mit einem höheren Milchkonsum einherging.«

Er gibt jedoch nicht vor, dass mit der Studie das letzte Wort im Hinblick auf den Zusammenhang zwischen Milchkonsum und dem Zustand der Knochen sowie der Gesundheit im Allgemeinen gesprochen wurde.

Die Untersuchung zeige lediglich eine Korrelation zwischen Milch und den beschriebenen Wirkungen. Eine randomisierte kontrollierte Studie sei erforderlich, um nachzuweisen, ob Milch wirklich ursächlich dafür verantwortlich sei.

Dies veranlasste eine Professorin und Epidemiologin aus New York im Hinblick auf die Studie in einem Editorial zu schreiben: »Da der Milchkonsum mit der wirtschaftlichen Entwicklung und einem wachsenden Verzehr von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs weltweit steigen könnte, muss die Rolle der Milch in der Sterblichkeit nun dringend erforscht werden.« Mögen die Untersuchungen beginnen!

Dieser Beitrag basiert auf dem Buch Die Milch macht's!, das am 28. September erschienen ist.

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Paperback, Klappenbroschur, 352 Seiten, 13,5 x 21,5 cm

ISBN: 978-3-570-50189-4

Preis: € 14,99

Video: Gesundheit: Warum Halbfettmilch zu trinken Blödsinn ist

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