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14/08/2015 09:20 CEST | Aktualisiert 14/08/2016 07:12 CEST

Eine Offenbarung

Getty Images

So lange ich mich erinnern kann, habe ich mich versteckt. Es hat wohl schon in der Schule begonnen, als ich feststellte, dass ich die Dinge etwas schneller begriff und die Lehrer mich ein bisschen bevorzugten, oder mich als Beispiel benutzten. Ich erinnere mich daran, dass ich das Gefühl hatte, meine Freunde würden sich über mich lustig machen, oder mich ansehen, als wäre ich anders als sie... also begann ich mich zu verstecken. Nicht absichtlich - ich wollte das nicht - aber ich tat es. Stück für Stück.

Ich begann, mich bewusst zu verstecken, als ich alt genug war, allein durch die Straßen New Yorks zu ziehen. Mir fiel auf, welch riesigen Unterschied es auf Männer machte, ob ich in Jeans oder Rock unterwegs war, oder ob meine Haare gestylt waren. Ich sah den Unterschied, ich spürte ihre triebhaften Instinkte und es machte mir Angst. Ich wollte nicht, dass man so mit mir spricht, mich so ansieht, mir nachpfeift oder mir folgt.

Deshalb begann ich mich zu verstecken. Ich entschied mich für Baggy Jeans und Timberlands. Ich entschied mich für den Pferdeschwanz und den Hut. Ich trug kein Make-Up, keinen grellen Lippenstift und keine schönen Kleider. Ich entschied, mich zu verstecken. Stück für Stück. Es gab weniger Probleme auf diese Weise.

Ich erinnere mich daran, dass ich mich genauso fühlte, als ich langsam als Künstlerin bekannt wurde. Ich hatte diese Baggy Jeans/Rastazöpfe/harte burschikose Art gut drauf. Das war ich (oder wer ich sein wollte) und es fühlte sich gut an.

Die Art wie ich sprach oder mich gab, führte dazu, dass die Leute mich für homosexuell und hart hielten. Ich war nicht homosexuell, aber ich war hart. Und obwohl ich mich wohl fühlte, so wie ich war, gab es mir ein ungutes Gefühl, dass mich Leute verurteilten. Also begann ich langsam, diese Seite von mir zu verstecken. Ich zog Kleider an und schnitt die Rastazöpfe ab, damit die Leute mein „wahres" Ich sehen konnten. Auch wenn ich zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit verwirrter denn je war, was mein wahres Ich eigentlich war.

Ich erinnere mich an ein Interview, in dem ich starke soziale Gedanken aus einem Buch, das ich kürzlich gelesen hatte, äußerte. Der Autor verstand mich falsch und schrieb etwas, das ich nicht gesagt hatte. Ich fühlte mich verurteilt von denen, die es lasen. Schon war der Panzer wieder da - und ich darin. Verstecken. Stück für Stück. Nach und nach. Mehr und mehr.

Ich gewöhnte mich daran, meine Intelligenz, mein Äußeres, meine Wahrheiten, Gedanken und mich zu verstecken.

Bis heute ist der erste Gedanke, den ich habe, wenn ich aus der Dusche steige, um mich anzuziehen „Was kann ich tragen, das nicht zu viel Aufmerksamkeit erregt, wenn ich Egy abholen oder zum Supermarkt, oder einkaufen oder einen Freund besuchen gehe?"

Erst vor kurzem traf es mich: OMG! Alicia! Wieso entscheidest du dich bewusst dazu, diese Person zu sein? Das ist so altmodisch und out! HÖR AUF!

Du hast das Recht, schlau zu sein.

Du hast das Recht, schön zu sein.

Du hast das Recht, radikal zu sein und eine überzeugte Meinung zu haben, die andere vielleicht nicht vertreten.

Du hast das Recht, hart zu sein.

Du hast das Recht, sexy zu sein.

Du hast das Recht, tapfer zu sein.

Du hast das Recht, wohlproportioniert zu sein.

Du hast das Recht, liebenswürdig zu sein.

Du hast das Recht, du selbst zu sein!

Und weißt du was? Ich kann all diese Dinge gleichzeitig sein.

Ich muss nicht das eine aufgeben, um das andere zu sein. Ich muss mich nicht mehr verstecken, ich muss mich nicht mehr verstellen und mich zurückhalten. Ich muss nicht mehr denken, dass meine Intelligenz, Schönheit und Sinnlichkeit andere einschüchtert.

Wen kümmert's?

Ich muss nicht versuchen, mich zu verstecken.

Ich muss mich nicht anpassen.

Ich muss meine Meinung nicht zurückhalten und meine wahren Gedanken nur durch Lieder ausdrücken!

Ich kann sie jeden Tag äußern.

Jeden Tag ausleben.

Jeden Tag sein.

Jeden Tag anziehen.

Jeden Tag zeigen.

Jeden Tag weiterentwickeln!

Ich habe nur 28.000 dieser Tage. Also worauf zum Teufel warte ich??

Und das ist es verdammt noch mal, was ich tue!

Dieser Blog erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Sarah Czok aus dem Englischen übersetzt.


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