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08/10/2015 10:10 CEST | Aktualisiert 08/10/2016 07:12 CEST

Wenn Ihr dieses Nachhaltigkeitsalphabet lest, seid Ihr 100% öko

FogStock/Vico Images/Erik Palmer via Getty Images

In seinem aktuellen Buch „NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE" erklärt der Öko-Pionier und Basic-Gründer Georg Schweisfurth, was jeder von uns tun kann, um nachhaltig zu handeln:

„Wenn wir 20 Prozent, vielleicht eines Tages 50 Prozent unseres Lebens verändern, ist das gut. Wenn wir dabei froher sind als zuvor, ist die Übung gelungen." Die Ökos, zu denen er sich selbst zählt, werden leider häufig an 100 Prozent gemessen.

Wenn er etwas Unökologisches tut, beispielsweise mit dem Auto statt mit der Bahn reist (was selten vorkommt) oder zuweilen etwas nicht biologisch Erzeugtes isst, wird er gleich „angegriffen" - vor allem von Nicht-Ökos.

Erhobener Zeigefinger

Nein, es ist nicht möglich, hundertprozentig ökologisch zu leben. Wer das mit erhobenem Zeigefinger zu vermitteln versucht, wird nicht ernst genommen. Umso wichtiger sind „handhabbare" Ansätze, wie sie in diesem Buch vermittelt werden.

Hinterfragt wird die Art und Weise, wie wir kaufen, essen, wohnen, reisen und leben. Es werden zahlreiche Beispiele eines „breiten Handlungsspielraums" vorgestellt, die allen offen stehen.

Seit dem Erscheinen der Huffington Post in Deutschland blogge ich hier regelmäßig zu diesen Themen - auch vor dem Hintergrund, ein nachhaltiges Gegenwartsalphabet zu erstellen, das alle Beiträge miteinander verbindet und erweitert.

Wegweiser

Das Buch von Georg Schweisfurth ist ein wichtiger Wegweiser dorthin. Es enthält viele Aspekte, auf die in der Huffington Post in den vergangenen Monaten verwiesen wurde - und die sie erweitern und verstärken.

Ich habe die entsprechenden Passagen aus seinem Buch den jeweiligen Blog-Beiträgen zugeordnet, so dass der Leser die verschiedenen Ansätze verbinden und das große Nachhaltigkeitsalphabet der Gegenwart weiter vervollständigen kann.

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Kleines Nachhaltigkeitsalphabet der Gegenwart

Bekleidung:

Was Funktionsbekleidung über uns aussagt

Vegan mit Charme. Wie Konsumenten und Unternehmen Verantwortung tragen

Nicht tragbar! Warum wir billig in der Textilbranche teuer bezahlen müssen

Georg Schweisfurth:

„Die weltweit vermutlich einflussreichste und sehr modeaffine Trendforscherin Li(dewi) Edelkoort glaubt, dass wir mit Bekleidung in Zukunft anders umgehen werden. In der ‚Welt am Sonnta'g erzählte sie, wie sie sich eines Tages beim Kauf eines Mantels fragte, wie lange sie ihn wohl tragen würde. Zwei, drei Jahre? Das schien ihr zu wenig. Eigentlich müsste der Mantel so gut sein, dass sie ihn später noch ihrer Enkeltochter vererben könnte, dachte sie..."

Bioökonomie:

Leben als normierte Ware. Warum Bioökonomie ein Irrweg ist

Georg Schweisfurth:

„So wird erklärt, der ökologische Landbau helfe nicht, die Weltbevölkerung satt zu bekommen, und aus diesem Grund wird die sogenannte Bioökonomie als Retter in der Not gefeiert. Unter diesem verharmlosenden Deckbegriff aber soll mit technologischen Mitteln versucht werden, die Weltbevölkerung zu ernähren."

Ehrenamt:

Gutes tun. Warum uns das Richtige heute fassungslos macht

Leben in der Schwebe: Wo Flüchtlinge heute Halt finden

Georg Schweisfurth:

„Unser Respekt, unsere Haltung zur Welt und den Mitmenschen äußert sich in nichts so wirksam wie in dem, was wir täglich tun: was wir denken, wie wir essen, wie wir uns kleiden, wie wir uns fortbewegen, wie wir wohnen, wie wir mit Ressourcen umgehen, wie und wo wir sparen, wie wir investieren und wie wir uns ehrenamtlich engagieren..."

Energiewirtschaft:

Wie die Energiewende gelingen kann

Umdenken unter Strom! Warum die Energiewende auch im Kopf stattfinden muss

Keine Energiewende ohne die Bürger

Georg Schweisfurth:

„Wir brauchen eine „enkelfähige Energiewirtschaft", wie sie Ursula Hudson von ‚Slow Food' so treffend fordert, und die muss ganz anders aussehen als unsere heutige. Die Energie der Zukunft lagert nicht in den Tiefen der Arktis und Antarktis! Die Zukunft gehört der Solarenergie, denn die Sonne stellt keine Rechnung..."

Geplante Obsoleszenz:

Kein Murks! Woran wir Qualitätsprodukte erkennen

Warum diese gute Nachhaltigkeitsidee den Bach runtergeht

Georg Schweisfurth:

„Geplante Obsoleszenz heißt der fiese Trick. Sie selbst haben es oft in der Hand, ob Sie da widerspruchslos mitspielen oder den Herstellern ein Schnippchen schlagen."

Haltung:

Charakter in Mode. Warum wir keine glattgebügelten Vorbilder brauchen

Georg Schweisfurth:

„Umfassende Humanität ist eine Frage der Haltung."

Hausarbeit:

Die Saubermacher. Weltverbesserung aus der Nische

Warum Putzen glücklich machen kann

Georg Schweisfurth:

„Im Sinne von ‚Handarbeit gegen Kopfarbeit' seien Kochen und andere Hausarbeiten ‚Quellen der Entspannung', die einen Kontrapunkt zur Arbeit im Büro setzen können".

Kultivierung:

Blühende Wirtschaft. Was Manager von Gärtnern lernen können

„Ein kultivierter Mensch ist für mich einer, der selbstbewusst sein Handeln in größeren Zusammenhängen sehen kann."

Maßlosigkeit:

Verzehrt Wachstum unseren Wohlstand?

Georg Schweisfurth:

„Dieses perverse Prinzip der Maßlosigkeit wird in unserer „modernen" Gesellschaft mit dem Argument der sonst drohenden Arbeitsplatzverluste krampfhaft Aufrechterhalten. Im Gegensatz dazu ist von gerechter Verteilung selten die Rede. Schon gar nicht davon, dass es ja irgendwann einmal genug sein könnte."

Muße:

Warum eine Gesellschaft Muße braucht

Georg Schweisfurth:

„Genau das Gegenteil [von hektischem Tun] müssen wir kultivieren, das Nichtstun!

Nostalgie:

Erschöpfte Zukunft: Darum boomt Nostalgie in Krisenzeiten

Nachhaltig, retro, nostalgisch: Die Generation Y setzt auf authentische Werte

Georg Schweisfurth:,

„Was für ein wunderbarer Trend: eine kreative Rebellion gegen die breit aufgestellte Mode- und Möbelindustrie, Ressourcen werden geschont, der Umwelt ein Dienst erwiesen."

Reparatur:

Gesellschaft in Reparatur. Was wir können sollten, um sie wieder ganz zu machen

Georg Schweisfurth:

„Dass es mehr Reparaturinitiativen geben muss und wird, liegt auf der Hand. Die deutsche Umweltministerin Barbara Hendricks sagte auf dem Europäischen Forum für Öko-Innovation in Hannover, dass Europa sich aktiv dafür einsetzen muss, Reparieren als Alternative zum Wegwerfen und Neukaufen zu fördern."

Resilienz:

Warum Resilienz eine Schlüsselkompetenz der Zukunft ist

Wie Resilienz zur Rettung der Welt beiträgt

Georg Schweisfurth:

„Resilient zu sein bedeutet, psychisch widerstandsstark zu sein, und setzt Lösungsorientiertheit, Akzeptanz und den Optimismus voraus, das Leben trotz auftretender Widrigkeiten zu meistern."

Schritte:

Immer der nächste Besenstrich! Was wir von einem Straßenkehrer lernen können

Unverwundbar klug! Warum Selbstbildung Schule machen sollte

Georg Schweisfurth:

„Wir können unsere Lebensweise nicht von jetzt auf gleich und hundertprozentig umstellen, weil wir eben so sind, wie wir sind... Es ist deshalb ratsam, wie der Neurologe Gerhard Roth meint, eine Sache nur in kleinen Schritten zu ändern. Alles auf einmal, das überfordere die Menschen."

„So spielen zwangsläufig die vielen kleinen Schritte und Taten von uns einfachen Bürgern die größte und wichtigste Rolle für die dringend notwendigen Veränderungen."

Sharing-Economy:

Lifestyle des Loslassens: Wie Sharing-Economy unsere Wirtschaft antreibt

Was die Kultmarken Zippo und Opel miteinander verbindet

Georg Schweisfurth:

„Beim gemeinsamen Besitz oder partnerschaftlicher Nutzung ist das Teilen von Autos, das Carsharing, ein Renner und wohl derzeit der stärkste Wachstumsmarkt."

Selbermachen:

Warum Manufakturen in Zukunft noch wichtiger werden - und wie uns die echten Dinge des Lebens verändern

Malen und Basteln: auch für Erwachsene als Ausgleich zum Job

Georg Schweisfurth:

„Der Trend zum Selbermachen verbreitet sich seit Jahren, und Jung und Alt beteiligen sich daran. Vielleicht liegt der Grund darin, dass man den Industrieprodukten nicht mehr vertraut, vielleicht ist es das tiefe Erfolgserlebnis, das damit verbunden ist. Vielleicht hängt es auch mit der Individualisierung und dem immer stärker werdenden Drang der Menschen zusammen, es sich in den eigenen vier Wänden gemütlich zu machen: Cocooning heißt das auf Denglisch."

Selbstreflektion:

Was nützt ein Intellektueller?

Hört hin! Warum sich Nachhaltigkeit zwischen zwei Ohren abspielt

Georg Schweisfurth:

Weil wir verglichen mit den Tieren „selbstreflexiv" sind. Das heißt, wir können über unser Tun und selbst über unser Denken reflektieren... Wir sind im Wesentlichen nicht von Instinkten gesteuert, sondern bei uns setzt etwas ein, was man selbstreflexive Vernunft nennen könnte."

Selbstwirksamkeit:

Krisenfest und solide. Die neue Ära des Managements

Georg Schweisfurth:

„Den Begriff self-efficacy (Selbstwirksamkeit) prägte der kanadische Psychologe Albert Bandura bereits in den 1970er-Jahren. Die aktuelle Debatte über die Volkskrankheiten Depression und Burnout, der nichts anderes ist als eine Erschöpfungsdepression, hat den Begriff aktuell wieder ins Bewusstsein gebracht."

Upcycling:

Heilmittel in entfremdeten Zeiten. Wie Handwerk und Upcycling unser Leben verändern

Georg Schweisfurth:

„Beim Upcycling stellt man aus scheinbar wertlosen Rohstoffen oder Materialien bei jeder Stufe jeweils höherwertige Produkte her als zuvor."

Wegwerfwahnsinn

Restlos brauchbar. Warum die Ära der Mülltonne beendet ist

Warum wir uns den Rest geben sollten

Es reicht! Genug mit dem globalen Wegwerfwahnsinn

Georg Schweisfurth:

„Der Film ‚Taste the Waste' von Valentin Thurn brachte 2011 endlich ans Tageslicht...: Mehr als 50 Prozent unserer Lebensmittel landen im Müll! In Taste the Waste wird deutlich, dass wir im Supermarkt all das, was weggeworfen wird, mitbezahlen! ... Allein die deutsche Verschwendung würde zweimal reichen, um laufend alle Hungernden der Welt zu ernähren!

In seinem neuen Film ‚10 Milliarden - wie werden wir alle satt?' Geht es Valentin Thurn nicht um die Frage des Wegwerfens von Lebensmitteln, sondern um die Frage, wie die Landwirtschaft aussehen müsste, um zehn Milliarden Menschen zu ernähren, und warum der Ökolandbau eine gute Antwort auf die brennenden Fragen der Welternährung wäre."

Weltverbesserung:

Wie wir in unserer Nachbarschaft die Welt verändern können

Georg Schweisfurth:

„Wir sind in die Welt gekommen, um sie zu verbessern."

Work-Life-Balance:

Design Your Life! Leben und Arbeit neu gestalten

Georg Schweisfurth:

„Ich bin kein Freund des Modebegriffs „Work-Life-Balace", denn der klingt ja so, als gehörte die Arbeit nicht zum Leben. Dieses Schlagwort führt in die falsche Richtung. Es geht um eine Haltung und nicht um Ausschluss und Verurteilung von irgendwas."

Über Georg Schweisfurth

Quelle der Zitate und Lektüre zum Weiterdenken:

Georg Schweisfurth, Christine Koller: NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE. Bewusster essen, , kaufen, reisen, wohnen. Irisiana Verlag, München 2015.

Lesenswert:

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