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02/12/2014 05:03 CET | Aktualisiert 01/02/2015 06:12 CET

Warum wir uns engagieren

Thinkstock

Sich freiwillig für andere Menschen und gute Zwecke einzusetzen entspricht auf den ersten Blick nicht der Logik des eigennützig motivierten Menschen (Homo oeconomicus). Doch warum tun es viele Engagierte dennoch?

(Frei)-Zeit herzugeben wird von den meisten nicht als „Opfer" empfunden, sondern als innere Erfüllung. Bürgerschaftliches Engagement ergänzt vielerorts die Aktivitäten von Staat und Wirtschaft - mit weniger bürokratischem Aufwand und geringerem ökonomischen Druck.

Deshalb ist im Gegensatz zum politischen Engagement die Bereitschaft zum sozialen Engagement auch weitaus höher. Denn es ist mit aktivem Handeln verbunden: nachhaltig, zwischenmenschlich und direkt. Alle Engagierten spüren, dass das, was sie tun, richtig ist, weil sie im Alltag einen tieferen Lebenssinn finden und die eigenen Stärken in den Dienst einer höheren Sache stellen.

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Interview mit Andreas Marth, Gründer und Mitglied des Kuratoriums der green blue social you Stiftung in Wiesbaden

2006 gründete Andreas Marth die Fit For Family Care gGmbH, Wiesbaden. 2011 folgte die Gründung der Garantis GmbH als Muttergesellschaft für Social Business. 2012 wurde er Stifter der gemeinnützigen Organisation green blue social you Stiftung. Andreas Marth ist verheiratet und Vater von zwei Kindern.

Seine Frau Michaela Marth ist seit 2006 Geschäftsführerin der Non-Profit-Organisation Fit For Family Care. In der Schwestergesellschaft „green blue social you" übernimmt sie gemeinsam mit Partnern aus der deutschen Wirtschaft ehrenamtlich gesellschaftliche Verantwortung.

_ Herr Marth, was war der Auslöser für Ihr Engagement?

Meine Kinder gaben den Anstoß, mich mit der Zukunft und sozialen Strategien auseinanderzusetzen. Vorhandene soziale und nachhaltige Konzepte überzeugten mich nicht wirklich. Was fehlte, war eine sozialgeprägte Organisation, welche die betriebswirtschaftliche Situationen der Unternehmen berücksichtigt und mit entsprechendem Augenmaß Lösungen und praktische Unterstützung anbietet, um somit reale Werte zu schaffen.

_ Wofür steht die green blue social you Stiftung?

Sie soll vor allem Unternehmen eine Möglichkeit bieten, sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten nachhaltig zu engagieren. Wir möchten als „die" Stiftung der Wirtschaft wahrgenommen werden, die nicht mit erhobenem Zeigefinger die Vergehen aufzeigt, sondern unter Berücksichtigung der Unternehmensbedürfnisse und wirtschaftlichen Zwänge den Firmen eine Plattform gibt.

_ Was ist das Besondere Ihrer Stiftung?

Wir legen unseren Fokus ausschließlich auf Unternehmen als Stifter und Förderer. Gelder von Privatpersonen nehmen wir nicht. Wir möchten insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen, die keine eigenen Ressourcen für ihr soziales Engagement oder Nachhaltigkeit haben, mit unserem Konzept zu unterstützen.

_ Welche Rolle haben Sie innerhalb der Stiftung?

Ich habe die Ideen, erstelle Konzepte und beginne einfach, spreche Stifter an und bin letztlich mit dem Aufbau und der Ideenverbreitung beschäftigt - meine Frau als Juristin und Geschäftsführerin verantwortet mit ihrem Team die fachgerechte Umsetzung, übernimmt den administrativen Bereich und steuert die Maßnahmen.

_ In welchen Regionen ist die Stiftung tätig?

Wir sind bei unseren Projekten nur in Deutschland tätig, damit unsere Arbeit vor Ort stattfindet - letztlich kann jeder Stakeholder des Unternehmens vor Ort die geförderten Projekte besichtigen. Darüber können Stifter oder Förderer eigene Ideen einbringen oder gar in einer eigenen Stiftung tätig werden.

_ Inwiefern kommen Ihre Erfahrungen als Finanzexperte der Stiftung zugute?

Ich bin kein Bankfachmann, sondern als Abteilungsleiter für die technische Betriebssicherheit der Bank verantwortlich. Meine Erfahrung nehme ich aus meiner beruflichen Entwicklung - von der Lehre über viele Ausbildungen bis zur heutigen Position. Ich bin Praktiker und mein Motto lautet: weitermachen, einfach immer weitermachen! Meine Frau ist als Volljuristin der Gegenpart und entschleunigt meinen Elan ein wenig. Sie steuert die Prozesse mit einem hervorragenden Team.

_ Wofür steht die Marke "Fit for family"?

Fit For Family Care steht für eine sehr hochwertige und zeitgemäße Kinderbetreuung in Wiesbaden. Wir treten als wirkliche Dienstleiterin auf, wir erwarten von den Eltern keine Mitarbeit - denn sie haben ja schon eine Arbeit, deshalb lassen sie ihr Kind bei uns betreuen. Wir bieten den berufstätigen Eltern die Möglichkeit, in Ruhe ihrer Tätigkeit nachzugehen und ihr Kind in guten Händen zu wissen.

_ Wie hat alles begonnen?

Unser Sohn Hendrik kam zur Welt. Nun brauchten wir einen Krippenplatz. Aber so sehr wir uns auch bemühten - es war zwecklos. Nachdem sich meine Frau mangels Krippenplatz schon langsam mit dem Berufsausstieg anzufreunden begann, entwickelte sich die Idee, eine eigene Betreuungseinrichtung zu organisieren. Wenn es so viele Familien gibt, die das gleiche Problem haben, so musste es doch möglich sein, Eltern zu finden, die bei der Gründung eines Vereins zum Betrieb einer Kinderkrippe mitmachen möchten.

_ Einfacher gesagt als getan?

Ja, so viele Familien wir auch ansprachen, Kinderkrippen wollte zwar jeder, aber ohne Risiko und ohne Arbeit. Getrieben aus Not und Neugier entschlossen wir uns spontan, die Finanzierung der Krippe alleine in die Hand zu nehmen. Unser Weg führte zu einer Deutschen Großbank, wo man uns ein wenig ungläubig ansah. Selbst Freunde und Familienangehörige erklärten uns für verrückt.

_ Die Bank hatte sich allerdings entschieden, in ihr erstes Abenteuer Kinderkrippe mit Ihnen gemeinsam aufzubrechen?

Genau, wir hielten die Finanzierungszusage in den Händen und gründeten Fit For Family Care als gemeinnützige GmbH.

_ Welche konkreten Herausforderungen mussten gemeistert werden?

Die anschließenden Monate waren ausgefüllt mit schlaflosen Nächten, vielen persönlichen Gesprächen mit einer auf gemeinnützige Institutionen spezialisierten Beraterin, dem Finanzamt - wegen der Anerkennung der Gemeinnützigkeit, dem Jugendamt, um die Anforderungen für die Betriebserlaubnis zu erörtern, einer großen Kinderhilfsorganisation, der Berufsfeuerwehr Wiesbaden sowie der Baubehörde und vielen weiteren Institutionen, um alle notwendigen Auflagen zu erfüllen.

Darüber hinaus mussten geeignete und genehmigungsfähige Räume gefunden und etliche Bewerbungsgespräche geführt werden, um die besten Betreuerinnen für Hendrik und seine zukünftigen Spielgefährten zu bekommen. Neben der Kompetenz jeder Eltern, Windeln zu wechseln und ganz selbstverständlich 24 Stunden am Tag da zu sein, fehlte uns zu diesem Zeitpunkt gänzlich die Erfahrung für eine Kinderkrippe.

_ Hatten Sie zwischendurch den Gedanken aufzugeben?

Wir haderten zeitweise immer wieder mit uns, die Idee fallen zu lassen. Schließlich waren da noch die tägliche Arbeit und die Familie mit mittlerweile zwei kleinen Kindern, die uns forderten. Jede Verzögerung kostete Geld - jede Niederlage fraß an den Nerven. Aber aufgeben? Nein!

_ Wohin führte Sie der weitere Kurs?

Zuerst musste eine qualifizierte pädagogische Leitung gefunden und ein fachlich gutes Konzept erarbeitet werden, das unserer Vorstellung entsprach. Nach vielen Gesprächen hatten wir endlich Glück. Hendrik reagierte sehr positiv - und so blieb es dabei.

Wir hatten unsere Krippenleiterin und somit auch unsere erste Angestellte - Athina. Ab sofort kümmerte sie sich nun um ihn und beriet uns bei einem mit unseren Vorstellungen zu vereinbarenden, zeitgerechten und lebensnahen Betreuungskonzept. Das FIT KIDS-Konzept fand bei allen großen Anklang und somit stand die Krippe nun auf sicheren pädagogischen Füßen.

Indessen suchten wir weiterhin geeignete Mieträume und qualifiziertes Fachpersonal. Nachdem wir endlich alle Auflagen zur Genehmigung erfüllen konnten, stellten wir unseren Antrag bei der Stadt. Dann vergingen viele Monate. Wir zahlten Miete und Gehälter und hofften auf ein gutes Ende...

_ Haben sich die vielen schlaflosen Nächte gelohnt?

Fit For Family Care ist in Wiesbaden angekommen. Nach Hendriks Schwester Paulina profitieren viele weitere Kinder bis heute von Hendriks Pionierarbeit. Nachdem wir 2007 mit 12 Krippenkindern unsere ersten Gehversuche unternahmen, bietet die Einrichtung Fit For Family Care heute eine hochwertige Betreuung für über 120 Kinder zwischen dem 10. Monat und 6. Lebensjahr sowie Schülern eine Betreuung ab der 1. Klasse.

Seit 2010 erhielt die Einrichtung die Anerkennung als Praxisstelle durch die Hochschule Rhein-Main. Das qualifiziert uns, die Studentinnen und Studenten der sozialen Arbeit sowohl im sozialadministrativen als auch im sozialpädagogischen Praktikum auszubilden.

_ Welche persönlichen Werte liegen Ihrer Arbeit zugrunde?

Unsere Kinder gaben den Anlass für unsere Arbeit. Wir engagieren uns in der Hoffnung, dass sie niemals in solche Situationen geraten, die uns heute veranlassen zu helfen. Achtsamkeit im Umgang mit Ressourcen ist uns sehr wichtig geworden. Nachdem wir früher ökologisch denkende Menschen oder Vegetarier eher ungläubig angeschaut haben, haben wir seit langem unsere Meinung revidiert und bewundern, wie konsequent einige Menschen Nachhaltigkeit leben.

Weitere Informationen:

Green blue social you

Fit for family

Garantis

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