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28/01/2017 09:28 CET | Aktualisiert 29/01/2018 06:12 CET

AUF EIN WORT: Vertrauen

Der deutsche Schauspieler arabischer Herkunft gehört zu den Unterstützern der Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT, die im Juni 2016 von Valerie Niehaus, ihrer Schauspielkollegin Christina Hecke und der Fotografin Steffi Henn gegründet wurde.

martin-dm via Getty Images

Warum echtes Vertrauen niemals unverbindlich ist

"Vieles ist so angstmotiviert - das ist so irrational. Gerade in diesen Zeiten sollten wir mehr vertrauen", sagt Omar El-Saeidi.

Der deutsche Schauspieler arabischer Herkunft gehört zu den Unterstützern der Gemeinschaftsinitiative AUF EIN WORT, die im Juni 2016 von Valerie Niehaus, ihrer Schauspielkollegin Christina Hecke und der Fotografin Steffi Henn gegründet wurde. Ziel ist es, über sämtliche Kommunikationskanäle ganz Deutschland zu erreichen und das zu stärken, was eine Gesellschaft im Innersten zusammenhält: das WIR.

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Dass Vertrauen und Mut zusammengehören, zeigen auch die jüngsten Terroranschläge, die ein Angriff auf die europäischen Grundwerte - Freiheit, Toleranz und Selbstbestimmung - waren. Damit wuchs die Angst, und es verstärkte sich das Bedürfnis nach strengeren Sicherheitsmaßnahmen und Kontrollen. Doch es wäre fatal, wenn uns die Angst so sehr umklammert, dass diese europäischen Grundwerte in Frage gestellt werden.

Denn im Gegensatz zu Misstrauen, das durch Kontrolle entsteht, hat Vertrauen mit Ungewissheit und Offenheit zu tun - aber auch mit Risikobereitschaft, ohne die es in Wirtschaft und Gesellschaft kein nachhaltiges Wachstum und keine Innovation gibt.

Komplexität lässt sich nicht durch Kontrolle und Regeln in die Schranken weisen. Um mit ihr richtig umgehen zu können, braucht es Menschen mit Mut, die sich nicht ständig absichern, wenn sie Vertrauen schenken und damit auch einen Vorschuss an Optimismus leisten, den wir heute dringend brauchen.

Tun statt reden

„Damit mir jemand Vertrauen schenken kann, muss ich ihm durch mein Handeln Gründe zeigen, die ein Vertrauen in mich rechtfertigen", schreibt Tamara Dietl, Buchautorin, Sinn- und Wertecoach, in ihrem Buch „Die Kraft liegt in mir".

Vertrauen stellt sich für sie durch Handeln ein, nicht durch Reden und unverbindliche vage Worte: „Vertrau mir" ist schnell gesagt, „aber es nützt nichts". Das erinnert an das Lied der falschen Schlange Kaa, die den kleinen Mogli in Walt Disneys „Dschungelbuch" (nach Rudyard Kiplings gleichnamigem Werk) hypnotisiert: „Hör auf mich, glaube mir! Augen zu, vertraue mir!"

Echtes Vertrauen hat im Gegensatz zum vorgesäuselten Vertrauen mit Verbindlichkeit, Verlässlichkeit und (Eigen-)Verantwortung zu tun. Vertrauen ist ein Wert, der sich weder „installieren" noch von oben herab bestimmen lässt. Werte müssen von Führungskräften und Verantwortlichen, die zu ihrem Wort stehen, vorgelebt werden.

Nur dann „haben die Mitarbeiter Vertrauen zu ihrem Arbeitgeber", sagt Werner Neumüller, Personalexperte und Geschäftsführer der Neumüller Ingenieurbüro GmbH.

Der Vertrauensverlust, der in den vergangenen Jahren in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen stattgefunden hat, ist ein Problem, an dem sich zeigt, dass Vertrauen nicht nur mit persönlichem Wohlbefinden zu tun hat, sondern auch ein nachhaltiger Wirtschaftsfaktor ist, der allerdings ins Wanken gerät, wenn die Kompetenz und Integrität einiger Manager in Zweifel gezogen werden. Etliche Skandale der letzten Zeit haben verdeutlicht, dass viel geredet, aber kaum gehandelt wurde.

Wo es echtes Vertrauen gibt, handelt der Einzelne nach bestem Wissen und Gewissen. Vertrauen ist für ihn nicht nur ein Gefühl, sondern vor allem eine Einstellung.

Am 31. Januar 2017 findet im Literaturhaus München eine Abendveranstaltung des Ecowin Verlags mit Unterstützung durch die Stiftung Literaturhaus mit Tamara Dietl und Jürgen Wertheimer statt. Thema: „Vertrauen: Ein riskantes Gefühl".

chirDies ist auch der Titel des gleichnamigen Buches des Literaturwissenschaftlers Jürgen Wertheimer und des Gehirnforscher Niels Birbaumer. Beide widmen sich der Komplexität des Vertrauens: Der eine sieht tief in den Fundus der Literaturgeschichte, der andere schaut ins menschliche Gehirn.

Literatur:

Tamara Dietl: Die Kraft liegt in mir. Wie wir Krisen sinnvoll nutzen können. Random House GmbH, München 2015.

Alexandra Hildebrandt: Kopf oder Bauch? Wie wir heute die richtigen Entscheidungen treffen. Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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