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05/02/2017 08:38 CET | Aktualisiert 06/02/2018 06:12 CET

Take Care! Wie die Unternehmenskultur unsere Gesundheit beeinflusst

Geber86 via Getty Images

Was uns krank macht

Eine schlechte Unternehmenskultur und Führung macht Mitarbeiter nachweislich krank. Das belegt der AOK-Fehlzeitenreport 2016. Eine Herausforderung stellt vor allem der Anstieg psychischer Erkrankungen dar, der durch Statistiken der gesetzlichen Krankenversicherungen und durch die steigenden Zahlen zur Frühverrentung durch die Deutsche Rentenversicherung Bund bestätigt wird. Eine Studie der Techniker Krankenkasse zeigt, dass inzwischen jeder Fünfte unter Dauerstress steht.

„Wichtig ist, hier ersten negativen Entwicklungen rechtzeitig und vor allem mit dem richtigen Ansatz entgegenzuwirken. Häufig werden Maßnahmen und Programme des betrieblichen Gesundheitsmanagements wie eine Art Schablone pauschal über alle Mitarbeiter hinweg angewandt", sagt Dr. med. Miriam Goos. Die Neurologin und Gründerin von Stressfighter Experts leitet in Unternehmen Seminare zu den Themen Burnout Prävention, Resilienz und Stressmanagement.

Nachhaltig ausgerichtete Unternehmen behalten die Unternehmensentwicklung langfristig im Auge und blicken auch über den Tellerrand hinaus in die Zukunft. Sie sehen den Mitarbeiter nicht nur als sogenanntes „Human Capital", das über kurze Zeiträume maximal produktiv sein soll, „sondern leben von der Unternehmenskultur, den gelebten Werten und natürlich am Ende vom Einsatz, der Motivation und der daraus resultierenden Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiter", so die Neurologin.

Es genügt nicht, lediglich Maßnahmen zur Gesunderhaltung zu „entwickeln" und zu vermitteln.

Vielmehr müssen Unternehmen in der Belegschaft auch dafür werben und sie fest in der Unternehmenskultur verankern. Ein erfolgreiches Betriebliches Gesundheitsmanagement basiert auf einem ganzheitlichen Nachhaltigkeitsansatz, der strategisch und strukturell im Unternehmen verankert sein muss.

Die Ganzheitlichkeit zeigt sich in der Berücksichtigung der Organisation (Verhältnisse) und der Beschäftigten (Verhalten). Darüber hinaus werden sowohl klassische, gesundheitsbezogene Maßnahmen durchgeführt, aber auch Maßnahmen umgesetzt, die die Arbeitsbedingungen berücksichtigen.

Ziel des Betrieblichen Gesundheitsmanagements (BGM) ist es, betriebliche Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass die Mitarbeitergesundheit und Produktivität des einzelnen Menschen sowie des gesamten Unternehmens nachhaltig gestärkt werden. Gut qualifizierte und gesunde Mitarbeiter sind im Kontext des demografischen Wandels elementar für die betriebliche und gesellschaftliche Wertschöpfung.

Was Deutschlands Beste tun

Wie wird ein solches Thema in Unternehmen konkret umgesetzt? Das zeigt ein Blick auf die Neumüller Unternehmensgruppe, die nach 2013 und 2014 erneut mit dem Preis „Deutschlands Beste Arbeitgeber" und zusätzlich mit dem Sonderpreis „Gesundheitsförderung" in der Kategorie „Mittelstand" ausgezeichnet wurde.

Unter dem Namen „Take Care" bietet der mittelständische Ingenieur- und Personaldienstleister seinen rund 350 Mitarbeitern Gesundheitsleistungen an. Mit der festen Verankerung in die Firmenphilosophie der Unternehmen führte die Unternehmensgruppe 2012 ihr Betriebliches Gesundheitsmanagement ein. Seitdem wurden regelmäßig Maßnahmen zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter/innen durchgeführt.

Jens Kuppert, Prokurist & Personalleitung bei Neumüller, verweist darauf, dass das Unternehmen dabei von der langjährigen Erfahrung und dem breiten Spektrum profitiert, das die AOK anbietet - inhaltlich und personell. Die AOK führt immer wieder Inhouseveranstaltungen durch. Vor Ort sein bedeutet für die Krankenkasse, nicht nur regionale Nähe und persönliche Betreuung, sondern auch, da zu sein, wann und wo der Kunde es wünscht. www.aok-bgf.de/Bayern Auch erhält das Unternehmen eine Aufstellung über die Krankheitsquote im Vergleich zu anderen Branchen.

Der Bedarf der Beschäftigten wird durch den Einsatz von Partizipationsinstrumenten (Mitarbeiterbefragungen, Gesundheitszirkel oder Arbeitssituationsanalysen) ermittelt. Die Vernetzung der innerbetrieblichen Verantwortlichen und Experten aus Personalabteilung, Arbeitssicherheit, Arbeitsmedizin sowie weiteren Personengruppen gewährleistet den übergreifenden Austausch und garantiert kurze Kommunikationswege.

Kontinuierlich arbeitet ein Arbeitskreis an der Weiterentwicklung des Systems. Der Schwerpunkt lag zunächst auf der physischen Gesundheit. Angeboten wurden beispielsweise Ernährungsworkshops, Fitnessstudiogutscheine und auch wurde ein Bonusprogramm für sportliche Aktivitäten - „Der Neumüller Gesundheitspass" ins Leben gerufen.

Im September 2015 erfolgte eine Spezialisierung durch die Einführung zweier sogenannter „Gesundheitslotsinnen" für die Bereiche Gesundheit und Bewegung: Zwei Mitarbeiterinnen der Unternehmensgruppe geben themenspezifische Beratung sowie geben Tipps und Hilfestellungen bei Fragen und Problemen rund um Ernährung und Fitness.

Anfang 2016 wurde der Fokus erweitert um psychische und soziale Komponenten im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zur Stärkung und Steigerung des Wohlbefindens der Mitarbeiter/innen. Im Anschluss daran führte Neumüller im Frühjahr 2016 eine Mitarbeiterumfrage zum Thema psychische Belastungen am Arbeitsplatz durch.

Bewertet wurden Arbeitsplatzanforderungen, Organisation der Arbeitsabläufe, Perspektive, Handlungsspielräume bei Problemen und Konflikten sowie das soziale Klima innerhalb des Unternehmens. „Die Ergebnisse waren überwiegend positiv und bestätigten Ergebnisse aus der unabhängigen Mitarbeiterbefragung des Great Place to Work Institutes, an welcher Neumüller jährlich seit 2012 teilnimmt", bestätigen Geschäftsführer Dipl.-Ing. (FH) Werner Neumüller und Kerstin Häusler (M.A.) im aktuellen Corporate Health Jahrbuch.

Im Rahmen der kontinuierlichen Verbesserung entstand an die Umfrage zur psychischen Belastung am Arbeitsplatz anschließend die Idee den „Feel Good"- Bereich auszubauen. Werner Neumüller begründete dies 2016 im Interview mit Marie-Lucie Linde im N-Kompass Magazin:

„Eine physische und psychische Entlastung setzt Energie frei, die Mitarbeiter gerne für ihre persönlichen und privaten Belange, aber natürlich auch wieder für die Firma oder ihre Karriere einsetzen können. Wir tun dies im klaren Verständnis des Miteinanders."

Was Öko-Pioniere richtig machen

Der rheinland-pfälzische Umwelt-Staatssekretär ehrte 2013 den nachhaltigen Büroartikelversender memo AG (Greußenheim) als Gewinner des alternativen Gesundheitspreises, der von der BKK advita ausgeschrieben wurde. Die grüne Krankenkasse ergänzt schulmedizinische Leistungen, indem sie einen Schwerpunkt auf natürliche und nachhaltige Behandlungsangebote legt. Dazu zählen alternative Therapieformen wie Biofeedback, Homöopathie und Osteopathie, aber auch langfristig angelegte Präventionsmaßnahmen wie der „bio-fit-bonus".

Der Öko-Pionier memo AG wurde ausgezeichnet, weil sich der nachhaltige Ansatz des Unternehmens nicht nur auf die Sortimentsgestaltung, Geschäftsprozesse und interne Strukturen beschränkt, sondern auch auf die Konzeption und Gestaltung des Firmengebäudes, der Außenanlage sowie der einzelnen Arbeitsplätze in der Verwaltung und Logistik.

Seit der Unternehmensgründung im Jahre 1990 sind ökologische, soziale und ökonomische Aspekte hier gleichberechtigte Fundamente der Unternehmensphilosophie. Das Firmengebäude westlich von Würzburg wurde 1995 nach gesundheits- und umweltverträglichen Kriterien geplant und gebaut.

Die Arbeitsplatzgestaltung richtet sich nicht nur nach den gesetzlichen Bestimmungen hinsichtlich Sicherheit und Gesundheitsschutz, sondern geht darüber hinaus: Bei der Beschaffung von Kopiergeräten, Arbeitsplatzdruckern und -PCs werden Produkte mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel" bevorzugt.

Zudem werden ausschließlich ergonomische und energieeffiziente TFT-Bildschirme verwendet. Jedem Mitarbeiter wird ein für seine Tätigkeit und seine individuellen Bedürfnisse optimal gestalteter, ergonomischer Arbeitsplatz geboten.

Integraler Bestandteil des Managementsystems ist die Gewährleistung der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes der Mitarbeiter. Fester Bestandteil sind dabei wie bei den Neumüller Unternehmungen seit Jahren kostenloses Obst und Gemüse aus regionalem, saisonalem und biologischem Anbau für alle Mitarbeiter, kostenlose Massagen, der jährliche Gesundheitstag sowie Sport- und Gesundheitskurse.

„Unser Nachhaltigkeitsmanagement ist bei dem Thema mit im Boot, verantwortet wird es jedoch vom Bereich Personal", sagt Claudia Silber, Leiterin bei der memo AG Unternehmenskommunikation. Die Nachhaltigkeitsexpertin bestätigt, dass auch der Faktor Gesundheit nicht als reines Managementthema betrachtet und nur nach Zahlen und Ergebnissen bewertet werden sollte, „denn es geht hier um Menschen und um deren wichtigstes Gut, die Gesundheit" - eine innere Ressource, die nicht verbraucht werden darf.

Weiterführende Literatur:

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Gut zu wissen... wie es grüner geht: Die wichtigsten Tipps für ein bewusstes Leben von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2016.

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