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16/01/2017 12:08 CET | Aktualisiert 17/01/2018 06:12 CET

Tierisch gute Arbeit! Warum immer mehr Unternehmen auf den Hund kommen

Pekic via Getty Images

Haustiere und betriebliches Gesundheitsmanagement

Auf der aktuellen Agenda der Personalabteilungen stehen Themen wie die Schaffung einer Arbeitgebermarke („Employer branding"), die Herausforderungen des demografischen Wandels oder die Darstellung der eigenen Corporate Social Responsibility (CSR). Auch in diesem Kontext bietet der zielgerichtete und strategisch ausgerichtete Einsatz von Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung einen Lösungsansatz, der sich langfristig rechnet.

Bundesweit investieren etwa 65 Prozent aller deutschen Unternehmen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter. Durch Gesundheitsaktionen für die Belegschaft profitieren sowohl die Belegschaft als auch das Unternehmens selbst: Das Betriebsklima verbessert sich, gleichzeitig sinkt die Zahl der Fehltage.

Bei der Rekrutierung geeigneter Arbeitskräfte auf dem heiß umkämpften Markt der Fach- und Führungskräfte gibt es einen weiteren „weichen" Aspekt, der beim Bewerber entscheidend für oder gegen ein Unternehmen sein kann: „Der Hund im Job". Dies ist auch der Titel eines Fachbeitrags von Dipl-Ing. (FH) Werner Neumüller und Kerstin Häusler (M.A.) im „Corporate Health Jahrbuch. Betriebliches Gesundheitsmanagement in Deutschland 2016".

Sie verweisen darauf, dass ein Hund im Job heute längst keine Ausnahme mehr ist und dass Unternehmen sogar davon profitieren kann. Nach einer Xing-Studie von 2014 stehen mehr als 50% der Arbeitgeber einem Haustier am Arbeitsplatz offen gegenüber:

„Knapp 30 % der Arbeitnehmer/innen wünschen sich von ihrem derzeitigen und potenziellen neuen Arbeitgeber, dass sie ihren geliebten Vierbeiner in den Arbeitsalltag integrieren können."

Im hannoverischen Büro von Patrick Döring, Vorstand der Agila Haustierversicherung und ehemaliger Generalsekretär der FDP, hängt sogar ein Porträt, das Napoleon mit einem Hundekopf anstelle des kaiserlichen Antlitzes zeigt. Für die Wirtschaftswoche (13.1.2017) ließ er sich sogar mit zwei Golden Retrievern am runden Tisch ablichten.

Wie der Bürohund zu einem positiven Unternehmensklima beiträgt

Dass sich in Zeiten des demografischen Wandels immer mehr Unternehmen mit dem Thema „Bürohund" beschäftigen, bestätigt auch der Beitrag „Tierische Ablenkung", erschienen in der Süddeutschen Zeitung (14./15.1.2017). Dass deutliche Absprachen (Vertrauensverhältnis zum Halter, Erziehung, räumliche Grenzen für das Tier, Leinenpflicht, Gassi gehen) wichtig sind, ist eine Grundvoraussetzung für die hier zusammengefassten Ergebnisse:

• Auf Mitarbeiter und Führungskräfte kann ein Bürohund entspannend wirken, denn in der Nähe eines Hundes wird beim Menschen Oxytocin, das sogenannte Kuschelhormon, ausgeschüttet.

• Eine hohe Konzentration des Bindungshormons stärkt das menschliche Wohlbefinden und senkt das Stressniveau. Die Menschen werden gelassener und ausgeglichener.

• Das positive Arbeitsklima und die Gemeinschaft werden gestärkt.

Das Unternehmen Neumüller mit Hauptsitz in Nürnberg und bundesweiten Niederlassungen leistet Rekrutierungsunterstützung über Personaldienstleistung in von hoher Nachfrage geprägten Premiumsegmenten (beispielsweise Ingenieure, Naturwissenschaftler und Kaufleute - je m/w). Bereits seit einigen Jahren stehen die Türen hier offen für die Vierbeiner.

In ihrem Autorenbeitrag beschreiben Werner Neumüller und Kerstin Häusler einen typischen Tag im Unternehmen mit Hündin Fibsy, die seit 2012 „Büromitarbeiterin" ist. Dieser Begriff ist kein Zufall, denn damit wird ausgedrückt, dass das Tier Status eines sozialen Partners hat und die Zusammenarbeit eine Art „soziale Symbiose" ist.

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Hündin Fibsy (Copyright: Neumüller Unternehmungen)

Dass zwischen Menschen und höheren Tieren Beziehungen möglich sind, wird als Du-Evidenz bezeichnet. Der Begriff wurde 1922 von dem deutschen Denk- und Sprachpsychologen Karl Bühler (1879-1963) geprägt. Er versteht darunter die Fähigkeit und das Bewusstsein eines Menschen, eine andere Person als Individuum (als „Du") wahrzunehmen und zu respektieren.

Zahlreiche Studien weisen nach, dass der Trend zum Bürohund in den vergangenen Jahren nach oben ging, und dass sich der Hund im Job positiv auf Mitarbeitermotivation, Leistungsfähigkeit, Kreativität und das Engagement auswirkt.

Bevor Neumüller die Bürotüren für Vierbeiner öffnete, wurde eruiert, welche Faktoren zu beachten sind: So wurden die Mitarbeiter_innen nach ihrer Meinung gefragt, gesundheitliche Faktoren (etwa bestehende Allergien) berücksichtigt, artgerechte Plätze konzipiert, Spazierwege erfasst und Büroräumlichkeiten auf die Eigenschaft der Wohlfühlumgebung für Mensch und Tier überprüft.

Von der Geschäftsführung wurden für das Mitbringen des Hundes Regularien eingeführt:

„Insofern der Hund stubenrein, den Umgang mit Menschen gewöhnt, sozialverträglich mit Artgenossen und an das Leben im Haus gewöhnt ist, der Arbeitstag entsprechend angepasst werden kann und der Arbeitsplatz geeignet ist, kann der Hund nach Absprache mitgebracht werden."

Die Tür des Unternehmens steht auch offen, wenn der Hund krank ist oder der Hundesitter ausfällt.

Im Januar 2016 führte der Mittelständler Neumüller eine Befragung unter der Belegschaft durch mit dem Ziel, Kenntnisse über die Auswirkungen des Bürohundes im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements zu erhalten.

Befragt wurde das Kernteam in der Firmenzentrale. Es sind derzeit 38 Mitarbeiter (m/w), die sich um etwa 300 Mitarbeiter_innen kümmern, die im Einsatz bei Kundenunternehmen sind.

Von den 38 Mitarbeitern sind zwölf von ihnen selbst Hundehalter. Jeder Zweite der Hundebesitzer hat in der Vergangenheit sein Tier bereits mit ins Büro gebracht. Alle Befragten gaben an, dass die Möglichkeit des Mitbringens des Vierbeiners eine deutliche Entlastung darstelle und sich auch positiv auf die Beziehung zwischen Mensch und Hund ausgewirkt habe. Die 26 Nicht-Hundehalter äußerten ebenfalls keine Nachteile.

Von den 38 Mitarbeitern gaben 34 an, dass sich der Hund im Job fördernd auf das Betriebsklima ausgewirkt hat, und es angenehmer ist.

Aus Arbeitgebersicht stellte sich der Hund im Büro für Neumüller als eine Bereicherung heraus. Die Büroatmosphäre ist freundlicher, die Mitarbeiter_innen flexibler, motivierter, kreativer, leistungsbereiter, entspannter und gut gelaunt („ein gut gelaunter Mensch ist ein gesünderer Mensch").

Die Erhaltung und Förderung der Gesundheit der Mitarbeiter_innen sind feste Bestandteile der Unternehmensphilosophie und gehören zu den obersten Prämissen des betrieblichen Gesundheitsmanagements von Neumüller.

Das Unternehmen führte hierzu in Anlehnung an eine Studie der Universität Buffalo von 1999 ein Experiment durch: Hündin Fibsy verbrachte ihren „Arbeitstag" in einem Büro mit sieben Mitarbeiter_innen. Die Ergebnisse des 17 Jahre zurückliegenden akademischen Versuchs bestätigten sich auch jüngst am Praxisbeispiel Neumüller: Allein die Anwesenheit des Vierbeiners sorgte per Messgerät für einen niedrigeren Blutdruck und gefühlt für ein spürbar geringeres Stressempfinden.

„Und auch die Zuwendung durch zum Beispiel ein kurzes Spiel mit der Hündin oder Streicheleinheiten wirkten sich positiv auf den Gemütszustand der getesteten Neumüller-Mitarbeiter/innen aus", so Neumüller und Häusler.

Die Universität Buffalo begründete dies mit der Ausschüttung von Glückshormonen bei Anwesenheit eines Tieres. Diese wiederum wirken sich wiederum positiv auf den Gesundheitszustand des Mitarbeiter aus. Beispielsweise hemmt es Erkältungssymptome, Kopfschmerzen und Ermüdungserscheinungen.

Ethik im Business

Dass das Unternehmen auf den Hund gekommen ist, stimmt alle positiv: „Die Mitarbeiter_innen sind zufrieden, der Hund ist zufrieden, und so ist auch der Chef zufrieden."

Dies gründet auch auf Gefühlen des Gebrauchtwerdens und der Fürsorge, die durch das Tier ausgelöst werden und nachweislich sogar zu einer Stabilisierung des Selbstwertgefühls beim Menschen führt. Das Ergebnis ist eine gute Arbeit und eine hohe Qualität, die sich auch der Ehrfurcht vor dem Leben verdankt, die das eigene Leben und das Leben der anderen Spezies achtet.

Weiterführende Informationen:

Werner Neumüller und Kerstin Häusler: „Der Hund im Job" - Praxisbeispiel Neumüller Unternehmensgruppe. In: Corporate Health Jahrbuch. Betriebliches Gesundheitsmanagement in Deutschland 2016, S. 136-141.

Im Mittelpunkt des Buches „Antrieb der Wohltäter: FLY & HELP: Wie sich sinnstiftende Unternehmer von anderen abheben" (Amazon Media EU S.à r.l., Kindle Edition 2016) steht das gesellschaftliche Engagement von Werner Neumüller, Personalexperte und Geschäftsführer der Neumüller Ingenieurbüro GmbH, der die Reiner Meutsch Stiftung unterstützt. Die Einnahmen des Buches kommen vollständig der Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP zugute.

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