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16/09/2017 12:27 CEST | Aktualisiert 16/09/2017 12:27 CEST

TextileMission: Initiative gegen Mikroplastik in der Umwelt

ullstein bild via Getty Images

Ein Großteil unserer Bekleidung besteht aus Synthesefasern, die während des Waschvorgangs Mikroplastikpartikel freisetzen. Fleece-Materialien sind hiervon besonders betroffen. Die Partikel mit einem Durchmesser von unter 5 mm werden von heutigen Kläranlagen nur teilweise herausgefiltert und gelangen über das Abwasser in Flüsse, Seen und Meere, wo sie sich in der Nahrungskette anreichern.

In Form von Plastikpartikeln haben Forscher beispielsweise Polyethylen und Nylon in den Meeren gefunden - sogar in Speisefischen und Meeresfrüchten. In Nord- und Ostsee wird Mikroplastik auch von Speisefischen und Meeresschnecken gefressen. Kürzlich haben Biologen prognostiziert, dass bald 99 Prozent aller Seevögel mit ihrer Nahrung Plastikreste verschlucken werden. Vielen dieser Tiere droht der Tod durch zu viel Plastik im Bauch (Quelle: Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung).

Derzeit treiben rund fünf Billionen Kunststoffpartikel in den Weltmeeren, jährlich kommen acht Millionen Tonnen Plastikmüll hinzu. Er verrottet nicht, sondern verwittert nur langsam. Folglich wird das Plastik, das über lange Zeiträume im Wasser bleibt, durch Sonnenlicht, Wind und Wellen in immer kleinere Teilchen zersetzt.

Diese Umweltbelastung zu reduzieren, ist das Ziel des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Verbundprojektes „TextileMission". Der Startschuss dafür fiel am 1. September 2017. Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Belastung der Umwelt durch Mikroplastikpartikel zu reduzieren, die Textilien aus Synthesefasern bei der Haushaltswäsche freisetzen.

Das Projekt läuft über einen Zeitraum von drei Jahren und wird vom BMBF im Rahmen des Förderschwerpunktes „Plastik in der Umwelt - Quellen, Senken, Lösungsansätze" mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert. Projektpartner sind acht Organisationen aus der Sportartikel-Industrie, der Wasch-maschinen- und der Waschmittelbranche, der Forschung und dem Umweltschutz: die adidas AG, der Bundesverband der Deutschen Sportartikel-Industrie e.V. (BSI) als Projektkoordinator, die Henkel AG & Co. KG aA, die Hochschule Niederrhein, die Miele & Cie. KG, Polartec LLC, die TU Dresden, die VAUDE Sport GmbH & Co. KG und der WWF Deutschland.

Es wird ein interdisziplinärer Forschungsansatz verfolgt, der zwei Lösungswege besonders in den Fokus rückt. Es sollen durch textiltechnische Forschung und die Optimierung von Produktionsprozessen Textilien und Kleidungsstücke entwickelt werden, die im Vergleich zu heute auf dem Markt verfügbaren Produkten einen deutlich geringeren Mikropartikelausstoß aufweisen. Dabei testen die Textilforscher gemeinsam mit den beteiligten Sportbekleidungsherstellern auch biologisch abbaubare Fasern als umweltschonende Alternative.

Zudem wollen die Projektpartner zur Optimierung der Kläranlagentechnologie beitragen. Praxistaugliche Innovationen hätten den Vorteil, dass sie auch zur Reduktion des Mikroplastikeintrags aus nicht-textilen Quellen beitragen würden. Daneben werden mittels Wasch- und Laborkläranlagentests systematisch Daten zum Ausmaß und der Reichweite des Mikropartikelausstoßes unterschiedlicher Textilien erhoben, um ein verbessertes Verständnis von Stoffströmen und dem Verbleib von textiler Mikroplastik in der Umwelt zu erhalten und so eine Forschungslücke zu schließen.

Weitere Informationen:

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