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20/10/2015 13:14 CEST | Aktualisiert 20/10/2016 07:12 CEST

STARTUP TEENS: So werden in Deutschland junge Unternehmer gemacht

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Wie die Generation Sorglos Zukunft gestaltet

Die Jugend in Deutschland wird optimistischer. Und das mitten in der Krise. Das ist das Ergebnis der aktuellen Shell-Studie. „Ist das naiv oder revolutionär?" Fragt Manuel J. Hartung in seinem ZEIT-Beitrag über die Generation Sorglos, die 12- bis 25-Jährigen (auch Generation R wie relaxed):

„Die Generation Golf war unverkrampft materialistisch. In der Generation Y, der Vorgängergeneration der Sorglosen, überwogen die Selbstoptimierer, ehrgeizig und unpolitisch, schlau und faul. Wie kann es sein, dass darauf Optimisten folgen?" (DIE ZEIT, 15.10.2015)

Woher nimmt diese Generation die anpackende Zuversicht? Sie wird über Jahrzehnte die Aufgabe haben, die Flüchtlinge in Deutschland zu integrieren, mit den Auswirkungen des Renteneintritts der Babyboomer zu kämpfen haben und mit vielen Problemen, die sich gerade erst andeuten.

Der Optimismus hängt nach Ansicht des Jugendforschers und Autors der Shell-Studie Klaus Hurrelmann sehr stark mit dem Bildungsgrad und der wirtschaftlichen Situation zusammen, die maßgeblich durch das Elternhaus geprägt ist.

Es ist eine Generation, die nicht vom Scheitern spricht, sondern vom Ausprobieren und Experimentieren. Sie ist davon überzeugt, dass immer etwas geht und dass es keinen Sinn macht, lebenslang nach Chancen zu suchen, wenn sie sie täglich nutzen können. Sie möchte ihrem Herzen folgen statt einem festen Lehrplan. Sie will Selbstbestimmung statt Fremdbestimmung.

Was sie besonders auszeichnet ist jene menschliche Tugend, von der Winston Churchill sagte, dass sie die wichtigste sei, und alle anderen Tugenden daraus abgeleitet werden: Mut. Aber auch Anfängergeist und Durchhaltevermögen.

Die Generation Sorglos möchte in der bestmöglichen Währung tauschen. Geld ist für sie lediglich ein Wechselmedium, wie es der Business-Experte Hermann Scherer in seinem Buch „Schatzfinder" (Campus Verlag, 2013) beschrieb. Es ist nur dazu da, „um unterschiedliche Tauschergebnisse ineinander wechseln zu können, eine Art Zwischenspeicher für Zeit". Mehr nicht.

Ihr Tauschpotenzial baut diese Generation beispielsweise durch Bildung aus. Sie lässt sich nicht bilden, sondern bildet sich selbst. Dafür braucht es allerdings entsprechende Rahmenbedingungen, damit sich das Potenzial wirksam entfalten kann. Vor allem die Startup-Kultur ist dabei ein wichtiger „Nährboden", um den Einzelnen, aber auch Wirtschaft und Gesellschaft wieder zum Blühen zu bringen.

Auch wenn in den Medien immer wieder von einem desolaten Gründerklima in Deutschland gesprochen wird, so lassen sich die Optimisten davon nicht abhalten, ihren eigenen Klimawandel einzuleiten.

Die Gründungen aus „Motivation" nehmen nach der Beobachtung von Günter Faltin, Professor für Entrepreneurship, derzeit stark zu, auch wenn es absolut gesehen auch für ihn noch zu wenige Gründungen in dem Bereich gibt, den er unter „Entrepreneurship" zusammenfasst: „innovative, wachstums- und technologieorientierte Startups" (t3n Magazin Nr. 41/2015).

Er fordert bessere Rahmenbedingungen für Gründer, die von ihrer Idee besessen sind wie Henry Ford, Bill Gates oder Steve Jobs, denen es nicht darum ging, stumpf auf die Maximierung ihrer Gewinne zu setzen, sondern das beste Produkt zu schaffen. Ein guter Entrepreneur denkt kreativ und vernetzt und berücksichtigt mehrere Perspektiven.

Zu ihnen gehört auch Verena Pausder, Mutter sowie Gründerin und Geschäftsführerin der Fox & Sheep GmbH, die sie im Sommer 2012 mit ihrem Partner in Berlin gründete. Das Unternehmen entwickelt erfolgreich Apps für Ein- bis Sechsjährige.

2014 wurde mit Spielen wie „Schlaf gut" oder „Kleine Bauarbeiter" 1,2 Millionen Euro umgesetzt. Die 36-jährige plädiert dafür, diese Technik nicht zu verdammen, sondern so zu gestalten, dass sie den Ansprüchen entspricht, „die wir an die Erziehung unserer Kinder haben" („Krabbeln und daddeln", DIE ZEIT, 15.10.2015)

Die neuen Zukunftsmacher

Verena Pausder ist auch im Beirat von STARTUP TEENS, der ersten Online-Plattform Deutschlands, die Jugendliche über drei Säulen (Events, Online-Training und Business-Plan Wettbewerb) zu Unternehmern ausbildet:

„Unser Ziel ist es, dass junge Menschen vor der Wahl ihrer Berufsausbildung genauer wissen, welche Talente sie haben und wo sie beruflich hinwollen. Warum sollen Unternehmer/innen nicht Vorbilder sein für Teenager? Bislang gab es keine Online-Plattform, um beide miteinander in Kontakt zu bringen."

Bereits über 80 namhafte Unternehmer unterstützen die Non-Profit- Organisation STARTUP TEENS. Der Ansatz ist ein heterogener Netzwerkgedanke: Erfolgreiche Unternehmerpersönlichkeiten, überwiegend unter 45 Jahren, bringen ihre unterschiedlichen und sich ergänzenden Stärken ein.

Geprägt ist das Engagement von der Grundüberzeugung, dass das Verhalten junger Menschen stark von ihren Vorbildern geprägt ist. In Deutschland gehören für Teenager vor allem Sportler, Musiker, Schauspieler und Models dazu. In unternehmerisch geprägten Ländern wie den USA, Israel, Schweiz und Indien gehören allerdings vor allem Unternehmer zu den Vorbildern.

Jugendliche kommen in Deutschland mit Unternehmern leider viel zu selten in Kontakt. Auch sind Wirtschaft, Unternehmertum und Nachhaltigkeit kein Pflichtfach in vielen Schulen. Der unmittelbare Kontakt zwischen Unternehmern und Teenagern wird deshalb über eine Video-Plattform und Events hergestellt, über die viele Schülerinnen und Schüler erreicht werden können.

„Damit die Teenager das Online-Training annehmen, müssen wir sie begeistern: das geht nur über die richtige Mischung aus Information und Emotionalisierung. Ein Baustein sind deshalb Videos, in denen Unternehmer/innen ganz praxisnah aus dem Nähkästchen plaudern und ihre Erfahrungen schildern.

Anschließend haben unsere User die Möglichkeit, mit ihnen zu chatten und Fragen zu stellen. Ergänzend dazu bieten wir von Hochschulen erstelltes Lehrmaterial an, damit die Schüler/innen ihr Wissen vertiefen und sich optimal auf den Business Plan Wettbewerb vorbereiten können." Sagt Marie-Christine Ostermann, Gesellschafterin von STARTUP TEENS und geschäftsführende Gesellschafterin der Rullko Großeinkauf GmbH & Co. KG.

Am Donnerstag, den 22.10.2015, startet das erste bundesweite Online-Training. Hauke Schwiezer, Gründer und Geschäftsführer der STARTUP TEENS GmbH und Vorstandsvorsitzender der STARTUP TEENS Netzwerk e.V., betont, dass wir in Deutschland beim Lernen übers Internet weit hinter führenden Nationen wie den USA mit den MOOCs (Massive Open Online Courses) zurückliegen:

„Mit dem SUT Online Training möchten wir allen Schülern und Schülerinnen in Deutschland im Alter von 14-19 Jahren die Möglichkeit geben, kostenlos unternehmerisches Denken und Handeln zu erlernen. Dabei legen wir nicht nur einen Fokus auf die Vermittlung von Fachwissen, sondern auch auf Soft Skills."

STARTUP TEENS verfolgt folgende Ziele:

1. Möglichst vielen Jugendlichen vor der Wahl der Ausbildung Unternehmertum näher bringen und sie dafür begeistern (fünf Unternehmer sind auf der Bühne, erzählen aus ihrem Berufsleben und inspirieren Jugendliche, die auch Fragen stellen können)

2. Teenager zu befähigen, unternehmerisch denken und handeln zu können. Dies kann ihnen später nicht nur als Entrepreneure im eigenen Unternehmen sondern auch als Intrapreneure als Angestellte zu Gute kommen (Videoaufzeichnung und Live-Chat, dazu kostenloses, für Teenager aller Schulformen verständliches Lehrmaterial zum Download auf der Website)

3. Befähigung/Anwendung: BUSINESS PLAN-WETTBEWERB (mit sechs verständlichen Kategorien und Sonderpreis, alle mit je 10 TE dotiert plus jeweils ein Training bei einem Venture Capital-Geber). Anschauliche Kategorien: Beauty & Fashion, Digitale Medien, Energie & Umwelt, Essen & Gastronomie, Gesundheit & Sport und Technik sowie den Sonderpreis Soziales Engagement.

STARTUP TEENS geht es auch darum, mit jungen Optimisten Wissen zu erschaffen und auch das Ansehen der Meisterberufe zu stärken. Denn egal, wo junge Menschen ausgebildet werden oder studieren - oft lernen sie die gleichen Cases, „obwohl wir wissen, dass die Wirtschaft über Regelbruch funktioniert" (Hermann Scherer).

Diese Initiative unterstützt engagierte junge Menschen darin, sie zu Problemlösern unserer Gesellschaft auszubilden und vermittelt ihnen Prinzipien, mit denen die Zukunft nachhaltig gestaltet werden kann.

Dazu gehört auch, ihnen nicht nur zu zeigen, wie man angelt, sondern vor allem, wie man eine Angel baut. Das führt auch zu besseren Tauschgeschäften - wer sie macht, der tauscht sich im Sinne Hermann Scherers „ein erfüllteres Leben zurecht".

Weitere Informationen:

STARTUP TEENS

Gesellschafter STARTUP TEENS

Beirat STARTUP TEENS

Termine:

1. EVENTS:

21.10.2015 in der Hochschule Hamm Lippstadt in Lippstadt und am 27.10.2015 in der HSHL in Hamm (19 Uhr bis 21 Uhr). Die Initiatoren starten bewusst außerhalb einer Metropole und zeigen, dass Gründen nicht zwingend in einer Metropole sein muss. Je mehr Städte Interesse zeigen, desto mehr Events wird es geben. Berlin, München, Hamburg sind in Planung.

2. ONLINE-Training:

22.10.2015 (bis Anfang April 2016, jeden Donnerstagabend außer in der Schulferienzeit, eine Stunde).

3. BUSINESS PLAN-Wettbewerb:

22.10.2015 (bis Mitte April 2016, dann Vorauswahl durch Jury, danach Online-Voting und Finale im Juni 2016).

So kann das STARTUP TEENS Online Training ab dem 22.10.2015 verfolgt werden

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