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19/03/2015 13:03 CET | Aktualisiert 19/05/2015 07:12 CEST

Die Saubermacher. Weltverbesserung aus der Nische

Thinkstock

Putz-Ich: Das Kleine im Großen

„Das Große Ganze und das Große Kleine gehören zusammen. Denn wir wollen nicht nur meckern und vollmundige Forderungen an die da oben abgeben, ohne uns selbst zu bewegen. Wir sollten bei uns selbst anfangen", schreibt Andre Wilkens in seinem klugen und unterhaltsamen Buch „Analog ist das neue Bio" (Metrolit Verlag, 2015) über unseren digitalen Alltag. Bio steht für ihn wie Analog für die eigene Tat zur Weltverbesserung.

Nischen-Akteure wie Öko-Pioniere sind für ihn mutige Vordenker und Vorreiter von grundlegender Bedeutung für gesellschaftliche Veränderungsprozesse, der anhaltende Handlungsbereitschaft erfordert. Für uns als Verbraucher bedeutet das, verstärkt darüber nachzudenken, welche Produkte gekauft werden, und wie Nachhaltigkeit im Alltag auf eine Weise gelebt werden kann.

An einem Thema wie „nachhaltiges Reinigen" lässt sich sehr konkret zeigen, was wir tun können, und welche Geschichten sich hinter ökologischen Produkten verbergen. Etliche ökologische Reinigungsmittel verzichten auf synthetische Konservierungsmittel, chlorchemische Zusätze und synthetische Duftstoffe. Auch werden viele Bio-Putzmittel, die zudem völlig ökologisch abbaubar sind, aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt.

Bereits 2007 erklären in einer Brandmark-Studie von Roland Berger und Burda drei Viertel der Verbraucher „schadstoffarme und naturnah hergestellte Produkte" zu bevorzugen. Allerdings zeigen auch viele aktuelle Studien, dass Verbraucher nicht bereit sind, Kompromisse bei der Reinigungswirkung zugunsten der Nachhaltigkeit einzugehen (Rundschau 9/2009).

Kein Schaum

Unternehmen haben eine Informations- und Rechenschaftspflicht über die unterschiedlichen Aus- und Wechselwirkungen ihres Handelns. Der Radius ihres Verantwortungsbereichs erweitert sich demnach über das Kerngeschäft hinaus und erstreckt sich auf den gesamten gesellschaftlichen Kontext.

Ja, Nachhaltigkeit kann sich für Unternehmen auszahlen. Allerdings nur dann, wenn Voraussetzungen wie Transparenz und Nachvollziehbarkeit erfüllt sind. Nachhaltigkeitsberichte haben vor diesem Hintergrund eine besondere Bedeutung. Dass sie nicht langweilig sein und nicht nur etwas für Spezialisten sein müssen, zeigen vor allem Beispiele von nachhaltig ausgerichteten Unternehmen, die den Lebenszyklus der Dinge - vom Rohstoff zum fertigen Produkt - ganzheitlich im Blick haben.

Denn die globale Erwärmung und das Wachstum der Erdbevölkerung haben ein neues Zeitalter geschaffen: „das Zeitalter der Energie und des Klimas", so Thomas Friedman. Der Management-Vordenker forderte schön 2009 eine grüne Revolution, in der Energie-Effizienz und erneuerbare Energien sowie eine technologische Revolution im Mittelpunkt stehen: „Wir können uns eine Zukunft, die aussieht wie die Vergangenheit, nicht leisten", konstatiert er in seinem Buch „Was zu tun ist. Eine Agenda für das 21. Jahrhundert".

Am Beispiel von Nachhaltigkeitsunternehmen zeigt sich, dass die grüne Revolution erst dann erfolgreich ist, wenn sie die gesamte Wertschöpfungskette umfasst und das Wort „grün" nicht mehr betont werden muss, sondern selbstverständlicher Teil des Lebens- und Arbeitsalltags ist.

Nachhaltigkeitsunternehmen gelingt es besser als anderen, ihren Werten ein bleibendes „Zuhause" zu geben. Oikos bezeichnet im Griechischen das Haus - „Ökologie" ist also fest verortet. In ihren Nachhaltigkeitsberichten finden sich Geschichten und Zahlen, so dass Leser auch einen praktischen Mehrwert erhalten, wenn es darum geht, Produktentscheidungen zu treffen.

So setzen Unternehmen auf leistungsstarke Wirkstoffe aus der Natur wie Essig, Soda oder Orangenöl. Gleichzeitig wird auf umweltschädliche Chemikalien wie Phosphate, Borate, Formaldehyd, PVC oder halogenorganische Verbindungen verzichtet. Auch verwenden die meisten wieder verwertbare Verpackungen.

Ein Ökoversender verweist in seinem Nachhaltigkeitsbericht beispielsweise auf die Wiederentdeckung des Seifenkrauts, das besonders umwelt- und hautfreundlich ist. Der Name der Pflanze beruht auf dem hohen Gehalt an Saponinen. Dabei handelt es sich um natürliche Substanzen, die oberflächenaktive Eigenschaften aufweisen und in wässrigen Lösungen Schaum bilden. Die Wirkung des Seifenkrauts war bereits in der Antike als Wollwasch- und Heilmittel bekannt, und auch Kräuterbücher aus früheren Jahrhunderten priesen die Reinigungsleistung der Saponine.

Es findet sich auch im Vollwaschmittel einer Wasch- und Reinigungsmittelserie eines Ökoversenders. Die Herstellung orientiert sich an den Kriterien der IMO-Richtlinie für ökologische Reinigungs- und Pflegemittel. Zu den Anforderungen der Richtlinie gehören u. a. der Verzicht auf gentechnisch veränderte Organismen sowie eine leichte Rückführung aller Komponenten in den natürlichen Kreislauf. Zur Erfüllung der Kriterien ist das Produkt frei von chemischen Zusätzen wie Phosphaten, Enzymen oder optischen Aufhellern und verzichtet auf erdölbasierte Inhaltsstoffe. Es finden sich auch keine Konservierungs-, Farb- und Duftstoffen im Vollwaschmittel.

2012 wurde in Kooperation mit den Herstellern eine umfassende Lebenszyklusanalyse (LCA) u.a. einer Pflanzenölseife und dem Vollwaschmittel erstellt. Im Rahmen der Untersuchungen wurden relevante Energie- und Stoffströme ermittelt und die Auswirkung der Produkte auf ihre Verträglichkeit für Mensch und Umwelt detailliert betrachtet.

Basis der Analyse bilden die international gültigen Normen ISO 14040 und ISO 14044 zur Erstellung von Ökobilanzen sowie die Norm PAS 2050 zur Ermittlung von Treibhausgasemissionen. Die Untersuchung eines Produktes besteht aus einer mehrmonatigen Datenaufnahme, -verarbeitung und -analyse und berücksichtigt alle Lebensphasen, die das Produkt und dessen Verpackung durchläuft. Sie umfasst die Gewinnung und Verarbeitung der Rohstoffe, die Endproduktion und alle erforderlichen Transporte.

Ein wesentlicher Bestandteil jeder Produkt-Ökobilanzierung ist der sogenannte „Product Carbon Footprint" (PCF). Er weist die Summe aller relevanten CO2-Emissionen über den Lebenszyklus eines Produktes aus. Aus Sicht des Unternehmens ist der PCF sehr gut geeignet, um Optimierungspotenziale eines Produktes zu identifizieren.

In Deutschland werden jährlich etwa 220.000 Tonnen Haushaltsreiniger sowie circa 260.000 Tonnen Geschirrspülmittel verkauft. Die in diesen Produkten enthaltenen Chemikalien können Umwelt und Gesundheit belasten. Viele Inhaltsstoffe wie Phosphonate, optische Aufheller, Polycarboxylate, Koservierungsmittel, Silicone, Paraffine, Duftstoffen und Farbstoffe sind biologisch oft schwer oder nicht vollständig abbaubar, können sich in der Umwelt und in Organismen anreichern und Gewässerorganismen schädigen. Zusätzlich tragen bestimmte Inhaltstoffe (z. B. Phosphor- oder Stickstoffverbindungen) zu einer Überdüngung der Gewässer (Eutrophierung) bei.

Kleines ABC zum nachhaltigen Reinigen

_ Abflussreinigung

Auf chemische Abflussreiniger kann meist verzichtet werden, wenn der Abfluss mechanisch mit Saugglocke, Bürste oder Spirale gereinigt wird. Verschiedene dieser mechanischen Rohrreiniger sind mit dem Blauen Engel gekennzeichnet.

_ Beduftung

Der Einsatz von Raumsprays, Duftspendern und anderen „Raumbeduftungsmitteln" sollte möglichst vermieden werden, denn Duft- und Konservierungsstoffe können Allergien auslösen. Oft hilft kurzes Lüften, um schlechte Gerüche zu beseitigen.

_ Bodenpflege

Viele Produkte von nachhaltigen Unternehmen setzen auf Wirkprinzip aus der Natur. Beim Thema Imprägnierung orientieren sie sich an Tieren und Pflanzen. In Nachhaltigkeitsberichten finden sich Informationen zu Forschungsarbeiten mit renommierten externen Instituten, mit denen Öko-Reinigerserien entwickelt wurden. Die natürlichen Wirkstoffe sorgen dafür, dass Fugen besser imprägniert werden und Schmutz auf Böden weniger gut haftet.

_ Dosierung

Es genügt in der Regel eine geringere Menge des Putzmittels, das vom Hersteller angegeben wird. Wesentlich für die Entlastung der Umwelt ist deren sparsamer Gebrauch.

_ Reinigungsmittel

Viele nachhaltige Produkte sind am EU-Umweltzeichen (Euroblume) zu erkennen. Auf folgende Reinigungsmittel sollte verzichtet werden, da sie als umweltbelastend zu betrachten sind: chlorhaltige Sanitärreiniger, WC- Reiniger mit anorganischen Säuren. Stark saure oder stark alkalische Reiniger können bei unsachgemäßer Anwendung Hautreizungen oder sogar Verätzungen verursachen. Der Blaue Engel ist eine gute Entscheidungshilfe.

_ Spülmittel

Es sollten vor allem umweltfreundliche Spülmittel verwendet und das Wasser erst gewechselt werden, wenn der Schaum vollständig verschwunden ist. Auch beim Geschirrspüler sollten biologisch abbaubare Mittel bevorzugt werden.

_ Staub und Schmutz

Der Einsatz von Tüchern und Staubwischern, die nach dem Gebrauch entsorgt werden, sollte man verzichten. Langlebige Schwammtücher von Ökoanbietern haben im Gegensatz zu herkömmlichen Produkten kein Synthetikgitter und kommen ohne künstliche Feuchtmacher aus. Sie sind enorm saugfähig, scheuerfest, fusselfrei, waschmaschinengeeignet, bestehen ausschließlich aus natürlichen Rohstoffen wie Zellulose, Baumwollfaser und Glaubersalz. 100 % verrottbar nach EMPA-Test.

_ Wäsche waschen

Flüssige Öko-Universalreiniger-und-Haushaltsreiniger eignen sich für fast alle Gewebearten und Waschtemperaturen. Natürliche Milchsäure reduziert Kalkablagerungen und erspart den Enthärter.

_ Wasserverbrauch

Nachhaltig reinigen bedeutet auch, beim Putzen wenig Wasser zu verbrauchen.

_ WC-Reinigung

Auf chlorhaltige Reinigungsmittel und WC-Reiniger mit Salz- oder Salpetersäure sollte verzichtet werden.

_ Verpackung

Der Verpackungsmüll kann durch die Nutzung von Konzentraten vermieden werden.

Weitere Informationen:

Frühjahrsputz - Was bedeutet "Nachhaltig Reinigen?" (Umweltbundesamt)

Gewerbliche Reinigung (Umweltbundesamt)

Umweltfreundliche Beschaffung von Reinigungsmitteln

Umweltbewusst reinigen - nachhaltig und hygienisch (Broschüre Umweltbundesamt)

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