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13/07/2015 05:59 CEST | Aktualisiert 13/07/2016 07:12 CEST

Möblierte Zukunft. Warum Holz und Handwerk heute immer wichtiger werden

thinkstock

Sicherheit in Krisenzeiten

In der fortschreitenden Digitalisierung unserer Wohnwelten, deren Oberflächen „smart" werden, wächst die Bedeutung des Werkstoffs Holz als „analoger Ruhepol". Sagt der Designer Jörg Ammer, der seine Möbel im Verband lokaler, fachspezifischer Handwerksbetriebe in Hamburg produziert und Hölzer von Bäumen bevorzugt, die regional wachsen.

Seine Möbel bezeichnet er als ökonomisch und ökologisch sinnvoll, weil sie

„... lokal gefertigt sind.

... ein dauerhaftes Design haben.

... aus hochwertigen Materialien bestehen.

... erstklassig verarbeitet sind." (green Lifestyle Magazin 2/2015)

Handgefertigte hochwertige Produkte aus Holz und ihre Herstelltechniken erinnern an eine Welt, die nicht digital, sondern „wirklich" präsent ist - analog und lebendig.

Vor einigen Monaten erschien eines der wichtigsten Nachhaltigkeitsbücher des Jahres im Metrolit Verlag: „Analog ist das neue Bio" von Andre Wilkens. Darin wird auf die Mahnung eines Freundes des Autors verwiesen: dass Analog (wie vor einigen Jahren Bio) teurer als Digital sein und sogar zu einem Luxus werden wird, „den sich nur die Gutbetuchten leisten können. Vielleicht werden wir eine ganz geerdete analoge Oberschicht bekommen, während der Rest in die digitale Cloud verfrachtet wird."

Allerdings zeigt die Geschichte von Bio auch, dass es nicht so (weit) kommen muss - und diese Entwicklung eben auch von uns abhängt. Je mehr wir Analog gehen, desto günstiger werden auch Dienstleistungen und Produkte - „einfach durch e c o n om y of s c a l e und Wettbewerb".

Indem sich die Nische immer mehr ausbreitet, desto mehr kann sie letztlich auch den Mainstream beeinflussen.

Aus den Erfahrungen von Bio lässt sich also lernen. Dazu gehört auch die Wiederentdeckung alter Produktionsweisen und des Handwerks, denn es geht darum, die eigene Lebensqualität neu zu überdenken und zu definieren, um neue Standards für das zu schaffen, was im Leben Relevanz hat.

Diese Entwicklung spiegelt sich auch in Kundenmagazinen mit nachhaltiger Ausrichtung. So hat der Bio-Pionier „Lebensbaum", der für Tee, Kaffee und Gewürze in feinster Bioqualität steht, in seinem Magazin eine ständige Rubrik mit dem Titel: „Von schönen Dingen", in der entsprechende (Holz-)Produkte vorgestellt werden:

„Bei schönen Dingen geht es längst nicht nur um Oberflächliches. Man muss Haltung spüren. Funktion. Sinn."

Der Werkstoff Holz ist das verbindende und identitätsstiftende Element zwischen uns und der Welt, der sich im besten Wortsinn von etwas Höherem ableitet: dem Baum. Wer ihn verstehen will, muss den Wald als Ganzes begreifen. Das Universum der Nachhaltigkeit, das eine intakte Biodiversität von mensch und Umwelt braucht.

Der Begriff selbst kommt aus der Forstwirtschaft und wurde 1713 erstmals von Oberberghauptmann Hannß Carl von Carlowitz verwendet. Er beinhaltet die Maxime, dass nur so viel Holz pro Periode geschlagen werden darf, wie auch nachwachsen wird. Wer einen Wald bewirtschaftet, kann zwar Bäume fällen und verkaufen, muss aber auch wieder neue anpflanzen für die nächsten Generationen.

Diese Botschaft ist im Werkstoff Holz zeitlos gebunden. Symbolisch steht Holz zugleich für Geborgenheit und einen Vorrat an Sicherheit in Krisenzeiten, verweist aber auch darauf, dass sich auch die Wirtschaft darauf besinnen sollte, in längeren Zyklen der Natur zu denken und generationenübergreifend zu handeln.

Gute Geschäfte

In Deutschland haben wir zwar kaum Öl oder Gas (auch Kohle ist endlich), doch keine Nation Europas besitzt mehr Holzvorräte als wir. Ein „ökologisches Juwel" schrieb einst der stern (48/2009). Dieser nachwachsende und nachhaltige Rohstoff ist heute gefragter denn je.

Er überzeugt durch vielfältige Einsatzmöglichkeiten, ein breites Anwendungsspektrum und hat eine im Vergleich zu anderen Werkstoffen überzeugende Umweltbilanz.

Um den im Holz gespeicherten Kohlenstoff nachhaltig zu binden, ist die Verwendung in langlebigen Produkten sinnvoll. So wird Holz vor allem in Massivholz- und Furnieranwendungen eingesetzt (z.B. im Möbelbereich). Weniger ökologische Stoffe (Kunststoffe auf Erdölbasis) können dadurch abgelöst werden.

So sind die Möbel-Kunst-Objekte des Designers und Tischlermeisters Michael Münch (contact to design - MÜNCH Furniture Design) das „Gegen-Stück" zum konventionellen Möbelbau: „Authentizität und Individualität sind neben Qualität, Werthaltigkeit und Nachhaltigkeit die gewünschten Ziele für das Bedürfnis nach Privacy (Rückzug und Heimlichkeit) im Wohn- und Lebensraum".

Er möchte anderen den Mut vermitteln, „ART to be" zu sein und ihnen ein Gefühl von Geborgenheit geben. Für Menschen wie ihn ist „gutes Design" per se nachhaltig.

Viele ähnliche Beispiele finden sich im Buch „Deutscher Manufakturenführer 2015 - Ein Reiseführer zu den schönsten Manufakturen Deutschlands. In Wort und Bild." Mit rund 300 porträtierten Manufakturen bietet das Werk des Kölner Fachverlags Deutsche Standards erstmals einen umfassenden Überblick über die deutsche Manufakturenlandschaft:

„Als Urlaubsbegleiter hilft es dabei, die kleinen Spitzenbetriebe einer jeden Region aufzuspüren und zu besuchen", so die Herausgeber. Enthalten sind Informationen, welche Betriebe man besichtigen kann, wo es Werksverkäufe und Schauwerkstätten gibt.

Auch werden vorhandene Online-Shops oder die Möglichkeit, in der Produktion besondere Kundenwünsche zu erfüllen, berücksichtigt.

Woran faire Holzprodukte zu erkennen sind

Nicht jeder hat die Möglichkeit, Einzelanfertigungen aus Manufakturen zu erwerben - es gibt auch andere „Holzwege", die zu einem besseren Leben führen. Leider machen sich aber nur wenige Menschen Gedanken darüber, wo beispielsweise das Holz ihrer Gartenmöbel herstammt und wie es verwendet wurde. Oft entscheidet am Ende der günstigste Preis, so dass Qualität und Langlebigkeit kaum eine Rolle spielen.

„Der Vorteil von Holz ist, das es sich um einen nachwachsenden und gesunden Werkstoff handelt, der mit uns altert und uns daran erinnert, dass wir Teil eines natürlichen Kreislaufs sind. Kunststoff ist häufig basierend auf Erdöl hergestellt. Deshalb setzen wir bei unseren Gartenmöbeln auf das Naturprodukt Holz", sagt Claudia Silber, Leiterin der Unternehmenskommunikation der memo AG.

„Das Holz muss aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammen. Tropisches Holz wird viel zu oft durch Raubbau entnommen, was wir natürlich nicht unterstützen. Und weiterhin gibt es viele mittlerweile bei uns oder in Europa heimische Hölzer, die sehr gute Eigenschaften für Gartenmöbel, aufweisen, beispielsweise die Robinie", so Claudia Silber.

Sie ist eine ideale Holzart für den Außenbereich, weil das Holz im Gegensatz zur Kiefer schwer, hart, wetterfest, resistent gegen Pilzbefall und Fäulnis ist und deshalb keiner weiteren Behandlung bedarf. Das Robinienholz stammt aus polnischen Wäldern und ist FSC®-zertifiziert.

Ziel und Idee des Forest Stewardship Council, einer nichtstaatlichen, gemeinnützigen und unabhängigen Organisation, ist es, international gültige Standards für eine ökonomische, ökologische und sozial nachhaltige Waldbewirtschaftung weltweit zu etablieren.

Der FSC wurde 1993 in Toronto, Kanada, gegründet und wird u.a. von Greenpeace, NABU, Robinwood, Sozialverbänden und Unternehmen unterstützt.

Forstbetriebe und nachfolgende, verarbeitende Betriebe nehmen freiwillig an einem unabhängigen Zertifizierungssystem teil und erkennen damit die Prinzipien und Kriterien einer verantwortungsvollen Waldwirtschaft an. Zu den wichtigsten Zertifizierungskriterien gehören die Wiederaufforstung und sozialverträgliche Nutzung.

Seit Anfang 2003 ist memo Fördermitglied der deutschen Arbeitsgruppe des FSC®. 2005 wurde das Unternehmen als erster deutscher Groß- und Einzelhändler nach den Richtlinien des FSC® zertifiziert (GFA-COC-001238).

Informationen dazu finden sich im memolife Katalog, der kein Werbemagazin ist, sondern ein Medium, das vor allem auf seinen „Gebrauchswert" setzt und Ideen für ein nachhaltiges Leben liefert.

Das Thema Holz ist lediglich eine Brücke, die zum großen Thema Nachhaltigkeit führt. Es verfügt über eine ausgezeichnete Energiebilanz. Für die Weiterverarbeitung wird nur wenig Energie benötigt. Auch mit den Produktionsabfällen können klimafreundliche Wärme und Strom erzeugt werden. Und es speichert das Treibhausgas CO2.

Auch wenn Nachhaltigkeit inzwischen zum Schlüsselbegriff aufgestiegen und unweigerlich mitten in den Fokus der Werbesprache geraten ist, so zeigt sich am Beispiel Holz, dass er nicht verwässert, wenn man sich wieder auf seinen Kern besinnt.


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