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15/11/2015 07:59 CET | Aktualisiert 15/11/2016 06:12 CET

Unterwegs Wurzeln schlagen: Mobile Seelengärten für Geflüchtete

UNICEF Deutschland

Die Initiative „Mobile Seelengärten" initiiert und plant Gemeinschaftsgärten für Geflüchtete. Die Seelengärten sind grüne Orte der Langsamkeit und Überschaubarkeit, die Geflüchteten erleichtern, Wurzeln zu schlagen. In einer Welt, in der Raum und Zeit noch nicht aus den Fugen sind.

In dieser Übergangszone gehen menschliche und natürliche Ordnung ineinander über. Mit dem gemeinsamen Gärtnern schaffen sich die Betroffenen Strukturen. Sie sind draußen und können doch in-sich-gehen und ihre Identität finden.

Deshalb findet der umfangreichste Teil der Gartenarbeit in ihrem Innern statt. Sie wirkt therapeutisch, regt den Austausch an, fördert aktive Beteiligung und verbindet. Zielgruppe sind Kinder im Alter von 6 bis 11 Jahren.

Außerdem bietet die Initiative ein ergänzendes Workshop-Programm zur Schulung von Ehrenamtlichen und Professionellen an, die in der Flüchtlingsarbeit tätig sind.

"Im Rahmen eines Pilotprojektes im Übergangswohnheim für Geflüchtete in Berlin-Marienfelde haben wir dort dieses Jahr die ersten Hochbeete mit einer Gruppe von 10-15 Kindern gebaut und gepflegt." sagt Keya Choudhury, eine der beiden Initiatorinnen.

Sie ist Gartenbauingenieurin und arbeitet seit 20 Jahren in internationalen und europäischen Umwelt- und Bildungsprojekten. Die interkulturelle Trainerin hat in Berlin zahlreiche Projekte mit Menschen mit Migrationshintergrund durchgeführt.

Tina Dietz, ihre Mitinitiatorin, ist Diplompädagogin und Traumatherapeutin. Seit 25 Jahren arbeitet sie mit traumatisierten Menschen, u.a. im interkulturellen Kontext. Als Trainerin und Traumaberaterin ist sie für eine Vielzahl von Unternehmen und soziale Einrichtungen tätig.

Im Übergangswohnheim in Marienfelde leben 700 Menschen, darunter 300 Kinder. Auf Wunsch der Heimleitung und seiner Mitarbeiterinnen soll der Garten nun vergrößert und die Begleitung der Kinder intensiviert werden.

Crowdfunding "Mobile Seelengärten"

Das Projekt in Marienfelde ist bereits zu zwei Dritteln finanziert. Damit deckt die Initiative die Kosten für Material, Aufbau und Pflege der Beete, die Aufwandsentschädigung von zwei Ehrenamtlichen, Fahrtkosten und regelmäßige Gartenworkshops. Für die Schulung von Ehrenamtlichen in den Bereichen und eine enge psychosoziale Begleitung der Kindergruppe vor Ort wird noch finanzielle Unterstützung benötigt.

Auch haben sich die Kinder einen Apfelbaum, einen Birnbaum und Beerensträucher gewünscht. Deshalb starteten Keya Choudhury und Tina Dietz eine Crowdfunding-Kampagne. Auf Startnext soll der Zielbetrag (3.700 €) zum 10. Dezember eingesammelt werden.

Dass die Gemeinschaftsgärten für Geflüchtete ausgebaut werden können, ist auch ein Wunsch der Führungskräfte und Mitarbeiter der greenjobs GmbH, der zentralen Anlaufstelle im deutschsprachigen für alle, die in den grünen Branchen arbeiten wollen.

greenjobs.de hat seit dem Start im Jahr 2000 darauf geachtet, nicht nur den engeren klassischen „Ökobereich" abzudecken, sondern die ganze Bandbreite umweltbezogener Arbeit zu erfassen.

Das Unternehmen legt für jeden gespendeten Euro einen weiteren drauf, „bis das Fundingziel erreicht ist", sagt Johanna Ballerstein, Mitarbeiterin der greenjobs. Wie jedes Jahr spendet greenjobs zum Jahresende einen Teil seines Jahresgewinns an Projekte und Organisationen, die allen am Herzen liegen.

Weitere Informationen:

Initiative "Mobile Seelengärten" für Geflüchtete in Berlin

Initiative Mobile Seelengärten

greenjobs

In diesem Blog werden nicht nur Initiativen und Projekte vorgestellt, sondern auch Gesichter der Nachhaltigkeit. Deshalb soll hier auch auf die Biographien der beiden Gründer von greenjobs verwiesen werden, weil sich in ihnen der Weg zum gesellschaftlichen Engagement am besten zeigt.

Es geht ihnen nicht darum, für eine Initiative wie die „Mobilen Seelengärten" einfach nur zu spenden, sondern dies als Teil der eigenen nachhaltigen „Gartenarbeit" zu sehen, die mit der Berufung zu tun hat, die Welt an den Orten, wo es uns möglich ist, besser zu machen.

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Die Gründer von greenjobs

Uwe Trenkner:

Jahrgang 1972, studierte Politik- und Wirtschaftswissenschaften an der Freien Universität Berlin sowie an der University of Minnesota (USA). Schwerpunkte seines Studiums waren die Umwelt- und Energiepolitik. Sein Studium schloss er 1997 mit einer Arbeit über die Reformen in der skandinavischen Stromwirtschaft ab und arbeitete anschließend als Berater in einer auf die Energiewirtschaft spezialisierten Unternehmensberatung in Berlin.

Von 2002 bis 2009 war Uwe Trenkner bei der European Solar Thermal Industry Federation (ESTIF) - dem Dachverband der solarthermischen Industrie in Europa - tätig, seit 2005 als deren Generalsekretär. Dieser Branche bleibt er auch weiterhin treu: Seit Juli 2009 ist er selbständiger Management Berater und will unter anderem Newcomer bei ihrem Einstieg in die Solarthermie-Industrie unterstützen. Uwe Trenkner wohnt und arbeitet in Brüssel.

Jan Strohschein:

Jahrgang 1972, studierte Landschaftsplanung an der Technischen Universität Berlin. Sein Studium schloss er 1999 mit einer Arbeit über kooperative Planungsprozesse ab und arbeitete anschließend vier Jahre als Research Analyst in einer auf die Energiewirtschaft spezialisierten Unternehmensberatung in Berlin.

Danach beschäftigte sich Jan Strohschein beim Umweltbundesamt in Dessau im Fachgebiet Nachhaltige Energieversorgung sowie der Bundesgeschäftsstelle des NABU e.V. in Berlin insgesamt drei Jahre mit Klimaschutzszenarien, dem Kyoto-Regime und dem Wärmemarkt.

Anfang 2008 wechselte er zum Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), wo er zu Klimaschutzinstrumenten auf europäischer Ebene sowie erneuerbaren Energien arbeitete. Seit Februar 2011 ist er Geschäftsführer der greenjobs GmbH. Jan Strohschein wohnt und arbeitet in Potsdam.

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