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29/10/2015 05:02 CET | Aktualisiert 29/10/2016 07:12 CEST

Leuchtende Zukunft: Wir brauchen Taten statt Worte

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Licht ins Dunkel

Auch wenn unsere Erwartungen an die Zukunft heute erheblich an Leuchtkraft verloren haben, brauchen wir Klarheit und Licht, um den Weg dorthin zu finden und ins Handeln zu kommen. „Die Taten bringen den Willen ans Licht, die Worte nur die Wünsche", sagt der Business-Experte Hermann Scherer.

Deshalb ist es wichtig, Missstände nicht nur beim Namen zu nennen und wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Kalküle ans Licht bringen, die Natur und Menschenleben zerstören, sondern sich wie der Soziologe Jean Ziegler aktiv dafür einzusetzen, dass die Wahrheit nicht kaschiert wird. Nur in der Transparenz kann sich Klarheit manifestieren, die vom Licht der möglichen Zukunft genährt ist.

Weltverbesserer und Visionäre wie der Tesla-Gründer Elon Musk würden beim Sterben gern denken, „dass die Menschheit noch eine leuchtende Zukunft vor sich hat". Bis dahin wünscht er sich, dass wir auf der Erde das Problem der erneuerbaren Energien gelöst haben und „erkennbar auf dem Weg sind, eine multiplanetare Spezies mit einer sich selbst erhaltenden Zivilisation auf einem anderen Planeten zu werden".

Im Kontext der Nachhaltigkeit spielt das Thema Licht und Energie eine wesentliche Rolle. Allerdings beschränkt es sich hier vielfach auf Teilaspekte. Der „nachhaltige" Blick auf die Welt sollte jedoch auf das Ganze gerichtet sein und auch kulturelle Wurzeln berücksichtigen.

Sehen ist Erkennen

„Es werde Licht." Mit diesem Satz beginnt die biblische Schöpfungsgeschichte. Seit der Antike führt die Verbindung von Sehen und Erkenntnis auch zur Lichtmetaphorik. Das Auge selbst gilt als Sonne und damit als Lichtquelle (Plotin, Goethe u.a.).

Die Lichtmetaphorik und -metaphysik als Bezeichnung des inneren Erkenntnisvermögens und der Teilhabe am Licht Gottes hat alte Tradition: philosophisch vor allem seit Platon, theologisch und mystisch vor allem seit Augustinus (inneres Auge, Auge des Herzens).

Sehen und Erkennen, das von den Griechen gleichgesetzt wird, gelten demnach als identisch. Nach Augustin kommt der Gesichtssinn als zuverlässiger „Zeuge" der „Wahrheit" am nächsten.

Das Licht und das Gute

Goethe bezeichnet in seinen Materialien zur Geschichte der Farbenlehre (1810) das Licht sogar als eine „Tugend": „Das Licht ist eine der ursprünglichen, von Gott erschaffenen Kräfte und Tugenden, welches sein Gleichnis in der Materie darzustellen sich bestrebt".

Über die innere Verwandtschaft zwischen Auge und Licht heißt es in dem Paralipomenon „Über das Auge":

„Das Auge hat sein Dasein dem Licht zu danken." Damit verbunden ist die Erkenntnis, dass Iris (griech. „Regenbogen") und Netzhaut (Retina) die Sonne als farbigen Spiegel wiederholen.

Das Auge als ein Geschöpf des Lichtes leistet alles, was das Licht selbst leisten kann. „Das Licht überliefert das Sichtbare dem Auge; das Auge überlieferts dem ganzen Menschen."

Emphatisch gesteigert erscheinen die idealistischen Sehtheorien, erkenntnis-theoretischen Aussagen und Beschreibungen, die noch von Rudolf Steiner in seiner Anthroposophie unterschrieben werden, bereits beim „alten Mystiker" Plotin.

Der Wiederentdecker altplatonischen Gedankengutes ging davon aus, dass sich das Sehen „ganz und gar im Licht" vollzieht, das vom höchsten Raumgedanken ausgeht. Am bekanntesten wurde die Vorstellung, dass die intelligible Sonne, d. h. das Gute, dem Auge gleicht.

Die Beschäftigung mit Nachhaltigkeit braucht diesen Rückblick, um besser nach vorn sehen zu können und Experten wie den Chemiker Michael Braungart grundsätzlich zu verstehen.

Der Erfinder des Prinzips Cradle to Cradle®, das wie die Natur keinen Abfall, keinen Verzicht und keine Einschränkungen kennt, widmet sich in seinem Buch „Intelligente Verschwendung" auch dem Licht:

„Die Natur ist voll von lebendigen Farben. Wie machen es die Vögel? Ihre Flügel enthalten keine Schwermetalle. Wie können wir die satten Farbtöne eines Pfaus oder eines hellroten Aras oder eines Monarchfalters nachbilden? Dieses Nachbilden der Natur („Biomimikry") kann unglaublich fruchtbar sein und Designer tun dies nicht nur aus ästhetischen Gründen, sondern auch wegen der Leistungsfähigkeit eines Produkts. Wir untersuchten also Vogel- und Schmetterlingsfarben. Wir fanden heraus, dass die lebendigen Farben der Vogelfedern durch das Licht produziert werden."

Im Licht seiner Erkenntnisse betrachtet er auch unseren Energiebedarf und fragt, wie wir (unabhängig von unserem Standort) an die besten Ressourcen kommen können? Wie wir Energie gewinnen können, die wir benötigen, „ohne den Wald buchstäblich und im übertragenen Sinne auszuplündern?"

Ein neuer Abschnitt der Menschheitsgeschichte

Die Energiefragen sind sehr komplex - zumal es viele konkurrierende Akteure und mittlerweile kaum überschaubare Entwicklungen (im LED-Bereich gibt es alle sechs Monate ein neues Produkt) im Markt gibt, deren Handeln nicht immer zur Erhellung des Gesamtthemas beiträgt.

Auch wird in Zukunft das vernetzte, intelligente Licht eine immer größere Bedeutung gewinnen. So werden Lichtpunkte nicht nur Licht geben, sondern können auch für Datentransporte genutzt werden.

Die nachhaltige Bedeutung von Licht und Energie wird vom Einzelnen allerdings erst verstanden, wenn es einen persönlichen Bezug hat und zur Verbesserung seiner Situation beiträgt.

Wer eine Lampe einschaltet, sagt Braungart, „will nicht 100 Watt Energie, sondern schönes Licht, um ein Buch zu lesen." Wenn diesem Bedürfnis auf eine angenehme Weise entsprochen wird, ist der Betroffene auch vollauf zufrieden.

Die Licht emittierende Diode (LED), die 1906 von Henry Joseph Round beim Experimentieren mit Siliziumkarbid erfunden wurde, kam zunächst bei Taschenrechnern und Armbanduhren zum Einsatz. Dabei handelte es sich meistens um rote LEDs.

Mit der Entwicklung von weiteren Farben wurde der Anwendungsbereich (z.B. Autos, Anzeigentafeln und Handys) des neuen Leuchtmittels größer. Als in den 1990er Jahren die Entwicklung der ersten blauen LED gelang, bedeutete das den Durchbruch.

Spar-Licht auf die Energiewende

Die Zeit der klassischen Glühlampe, die Thomas Alva Edison 1879 erfand, ist zwar vorüber, doch auch mit der LED-Technik lässt sich inzwischen sehr warmweißes Licht erzeugen, das an sie erinnert.

Zu den positiven Nebeneffekten von LED-Lampen, die nur einen Bruchteil der Energie von Glühbirnen verbrauchen, gehört, dass sie sich nicht so stark erwärmen und eine längere Lebensdauer haben.

Georg Schweisfurth, der 1988 Mitinitiator der Herrmannsdorfer Landwerkstätten war und seit 1996 Geschäftsführer des ökologischen Seminarhotels Sonnenhausen ist, gehörte 1997 auch zu den Mitbegründern der basic AG.

In seinem aktuellen Buch „NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE" empfiehlt er die Umstellung der Beleuchtung auf LED-Technik:

„Für die Außenbeleuchtung unserer basic-Supermärkte setzten wir versuchsweise LED-Leuchten ein und stellen fest: Je kälter die Umgebung ist, desto leistungsfähiger sind sie. Dann haben wir auch innen auf LED-Beleuchtung umgestellt, bei Grund- oder Effektbeleuchtung, Vitrinen, Kühlwandregalen und Frischwarentheken. Die Leuchtdioden sind nicht ganz so sparsam wie vom Hersteller angegeben; trotzdem sinkt der Stromverbrauch enorm. Gegenüber den hochgefährlichen Energiesparlampen mit Quecksilber ist die LED-Technik ein riesiger Fortschritt."

Der Öko-Versender memo AG in Greußenheim nimmt ausschließlich Produkte ins Sortiment auf, die im Gebrauch sparsam und energieeffizient sind. Welches Leuchtmittel auch immer (LED oder Energiesparlampe) - am wichtigsten ist es, „dass die Effektivität stimmt auf den Energieverbrauch geachtet wird" (Quelle: memolife).

Ein „Paradebeispiel für Energieeffizienz ist die LED-Lampe": „Im Vergleich zur Energiesparlampe sparen hochwertige LEDs bis zu 50 % Energiekosten ein und besitzen eine deutlich längere Lebensdauer. Im Vergleich zur Glühlampe werden sogar bis zu 90 % Energiekosten eingespart", heißt es im memo Nachhaltigkeitsbericht 2015/2016.

Leuchtendes Beispiel sein

Auch wenn es „nur" kleine Beispiele sind - sie können uns darin unterstützen, dem eigenen Denken und Tun eine klare Richtung zu weisen, auch wenn die Zukunft heute nicht mehr die Kraft hat, „eine beständige Verbesserung der Lebensverhältnisse zu verheißen". Das heißt allerdings nicht, dass wir auf die Ressource Zukunft als einen offenen Erwartungshorizont verzichten können.

Denn: „Jede neue Generation, jede Jugend hat einen Anspruch auf ein eigenes, selbstbestimmtes Leben, auf die Möglichkeiten, die Welt nach ihren Idealen mit- und umzugestalten." (Aleida Assmann)

Literatur:

Hermann Scherer: Schatzfinder. Warum manche das Leben ihrer Träume suchen - und andere es längst leben. Campus Verlag Frankfurt/New York 2013.

Jean Ziegler: Ändere die Welt! Warum wir die kannibalische Weltordnung stürzen müssen. C. Bertelsmann Verlag, München 2015.

Ashlee Vance: Elon Musk. Tesla, PayPal, SpaceX. Wie Elon Musk die Welt verändert. Die Biografie. FinanzBuch Verlag 2015.

Michael Braungart und William McDonough: Intelligente Verschwendung. Auf dem Weg in eine neue Überflussgesellschaft. München 2013.

Georg Schweisfurth: NACHHALTIG LEBEN FÜR ALLE. Bewusster essen, kaufen, reisen, wohnen. Irisiana Verlag, München 2015.

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