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14/08/2015 15:33 CEST | Aktualisiert 14/08/2016 07:12 CEST

Was die Kultmarken Zippo und Opel miteinander verbindet

Thinkstock

Feuer und Flamme

Zippo ist nicht nur Kult - es sammelt sich in ihm das Feuer ganzer Generationen und der jeweiligen Gesellschaft, in der es „gebraucht" wird. Leid und Leidenschaft sind dabei aufs engste miteinander verbunden, wie seine bewegte Geschichte zeigt:

Als dem US-Unternehmer George Grant Blaisdell 1932 in seiner Heimatstadt Bradford, Pennsylvania, ein österreichisches Sturmfeuerzeug in die Hände fällt, missfällt ihm zunächst das klobige Design. So entwickelt und produziert er ein eigenes Modell, das aus nur 22 Teilen im Inneren einer Messinghülle besteht. Blaisdell stattet es mit einer lebenslangen Garantie aus: „It works or we fix it free"™.

Im Tank befindet sich Watte, die das Benzin speichert. Durch sie hindurch verläuft der Docht in den Kamin, der so konstruiert ist, dass das Feuerzeug auch bei Wind funktioniert.

Da er das Wort zipper (engl. Reißverschluß) mag, nennt er das Feuerzeug „Zippo". Amerikanische Soldaten wurden im Zweiten Weltkrieg alle damit ausgestattet.

Bedeutende gesellschaftliche Ereignisse wie Präsidentenwechsel, Friedensverträge und Nationalfeiertage wurden ebenfalls auf Zippo-Feuerzeugen verewigt, die inzwischen einen international sehr aktiven Sammlermarkt haben. So werden für alte "Zippos" aus dem Jahr 1933 schon mal fünfstellige Beträge gezahlt.

Heute gibt es rund 30.000 unterschiedliche Designs und Zippo-Feuerzeuge, darunter beispielsweise "Karl Lagerfeld mit Hundegesicht". Die beliebtesten Motive stammen aus der Welt der Biker und Trucker.

Auch Hollywood wurde mehrfach auf die Marke aufmerksam: In Filmen wie „Casablanca", „Apocalypse Now" und „Terminator 2" spielten Zippo-Feuerzeuge nicht unbedeutende Nebenrollen.

Die Modelle im Vierzigerjahre-Look waren auch für die „Moments Men" mit George Clooney gefragt. Musiker wie Eric Clapton und Sting nutzen die Feuerzeuge als Rhythmushilfe beim Komponieren und gelegentlich auch als Instrument.

Auch in der Festivalsaison möchte die Marke die Herzen aller Fans von guter Rock-Musik entzünden - 2015 erstmalig auf dem legendären Rock am Ring Festival mit der Kampagne „Zippo Encore".

Sogar im Kontext des deutschen Krimibuchmarktes wird Zippo erwähnt: "Wenn Sie den Wald in Flammen setzen wollen, brauchen Sie ein anständiges Zippo-Feuerzeug und einen Kanister Benzin. Wenn Sie den Leser in Flammen versetzen wollen, brauchen Sie einen Konflikt - je härter, desto besser!" (Deutsche Welle, 30.8.2009)

In unangenehmer Erinnerung ist das Produkt allerdings im Zusammenhang mit dem Feuerzeug-Skandal beim Schalke-Spiel. Sie BILD-Zeitung titelte am 15. Dezember 2014: „Stellt der Zippo-Werfer sich freiwillig?"

Die Szene in der Nachspielzeit beim 1:2 gegen Köln schockte alle: „Als es nach einem harten Zusammenprall zwischen Schalke-Torwart Fährmann und Kölns Bröker zur Rudelbildung an den Trainerbänken kommt, wird Schalkes Co-Trainer Sven Hübscher (35) plötzlich von einem Metall-Feuerzeug (Marke „Zippo", etwa 70 g) mit voller Wucht am Kopf getroffen."

An solchen Beispielen zeigt sich, dass sich in einem Produkt eben auch gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegeln. Es wird zum Stellvertreter für Liebe und Hass.

Zippo ist und bleibt für die meisten vor allem ein Gegenstand der Liebe. Das Unternehmen mit Sitz in Bradford, Pennsylvania (USA) hat über 500 Millionen Sturmfeuerzeuge produziert und ist in mehr als 160 Ländern. Das Produktangebot umfasst Zubehör für Feuerzeuge, Stabfeuerzeuge mit Gas, Düfte für Herren und Damen sowie eine Reihe widerstandsfähiger Wärme- und Feuerprodukte für Outdoor-Liebhaber.

Geteilter Schmerz

Jedes nicht funktionierende Feuerzeug wird in der Zippo European Repair Clinic im rheinländischen Emmerich gratis repariert und wieder in Funktion gesetzt. Jährlich landen hier rund 34.000 Zippos - „oft begleitet von rührenden Briefen, in denen die Eigentümer klagen, ihr Schatz habe sich den ‚Halswirbel' gebrochen" (Jens Bergmann, brand eins 12/2014).

Auf der Website Sharethepain („Teile den Schmerz") bietet das Unternehmen allen, die ihr Feuerzeug verloren haben, Trauerbegleitung an sowie die Möglichkeit, sich mit anderen „Betroffenen" auszutauschen.

Die Menschen lieben ihre Feuerzeuge mit all ihren Gebrauchsspuren - sie sind in gewisser Weise auch „Lebensanzünder" und Aufbewahrungsort ihrer Geschichten. Ein Identitätssymbol.

Ein solches Produkt besitzen zu wollen hat auch mit dem Wunsch nach Beständigkeit und Aufgehobensein zu tun, der sich auch in der „lebenslangen Garantie" zeigt, die in einer Gesellschaft, die immer mehr zerfällt und Menschen das Gefühl von Instabilität gibt, umso mehr wiegt.

Was Zippo mit Opel verbindet

2010 geißelten Verbraucherschützer die lebenslange Opel-Garantie als Lüge. Die Wettbewerbszentrale mahnte das Unternehmen ab, weil die Gewährleistung gar nicht dauerhaft gilt, sondern schon nach 160.000 Kilometern erlischt.

Im SPIEGEL-Leserforum schrieb jemand: „... warum liefert Opel nicht einfach ein Zippo-Feuerzeug zu jeder Karre gleich mit?" (7.8.2010)

Das, was Opel wirklich nachhaltig mit Zippo verbindet, ist allerdings etwas Positives - nämlich die Erkenntnis, dass starke und krisenfeste Marken zu einer innere Balance einer Gesellschaft beitragen können. Opel ist wieder auf der Erfolgsspur.

Themen wie Gemeinschaft, Nähe und Freundschaft werden heute immer wichtiger. Beide Marken stehen für das gemeinsame Teilen von Erlebnissen und Emotionen.

Allerdings zeigt sich am Beispiel von Zippo, dass es heute nicht darum geht, nichts mehr zu besitzen. Nein, wir brauchen Dinge, die wir mit Bedeutung aufladen, für unsere Identität. Aber wir brauchen nicht viel.

Das, was wir selbst tragen können, können wir auch besitzen - doch was größer ist als wir selbst, das was uns - im besten Wortsinn - trägt, müssen wir nicht besitzen. Dazu gehören auch Autos.

Sharing Economy gewinnt immer mehr an Bedeutung, auch wenn aktuell nur wenige Deutsche erwägen, ihr Privateigentum zu teilen. Weniger Materialverbrauch, bewusster Umgang mit Gebrauchsgütern, Verbesserung der Umweltbilanz, Einkaufen nicht zum Selbstzweck - das macht eine Sharing Economy aus.

„Wer teilt, fährt besser"

„Wer teilt, fährt besser" - unter diesem Motto startete im Juni die neue Opel-Carsharing-Community (CarUnity). Das innovative Konzept richtet sich sowohl an Fahrzeugbesitzer als auch an Fahrzeugnutzer. Schnell, einfach und flexibel können Autos zur Vermietung angeboten oder ein Wunschwagen gemietet werden. Ob es sich um einen Opel oder um ein anderes Fabrikat handelt, spielt dabei keine Rolle.

Die CarUnity-App kann kostenlos im Apple App-Store und bei Google Play heruntergeladen werden. Federführend bei der Entwicklung des Konzepts war Dr. Jan Wergin, Direktor Opel Community Carsharing. Die Vermieter haben es über die App selbst in der Hand zu entscheiden, wer das eigene Auto mieten darf.

„Mit CarUnity gehen wir einen neuen Weg. Als erster Automobilhersteller bieten wir Carsharing für alle überall in Deutschland", sagt Opel-Vorstand Tina Müller.

Der Ausbau des Portfolios an Mobilitätsdienstleistungen ist ein wichtiger Baustein des Zukunftsplans von Opel: „Es wird in Zukunft immer wichtiger, sich vom reinen Produkthersteller zum Mobilitätsdienstleister mit perfekter Vernetzung zu entwickeln. Nicht nur CarUnity, sondern auch unser neuer persönlicher Online- und Service-Assistent Opel OnStar wird maßgebliche Impulse bei der Digitalisierung der Marke Opel setzen."

Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung von Mobilitätsdienstleistungen gab Opel zudem bekannt, die Zusammenarbeit mit dem Mitfahr-Netzwerk flinc zu vertiefen. Ab 2016 wird flinc für CarUnity die technologische Plattform stellen, um auch Ride-Sharing über die neue Carsharing-App zu ermöglichen.

Die Deutschen teilen (noch) nicht gern

Maßnahmen wie diese sind deshalb erwähnenswert, weil die Ökonomie des Teilens in Deutschland noch ganz am Anfang steckt. So das Ergebnis einer repräsentativen Studie, die das Marktforschungsunternehmen Ipsos im Auftrag der ING-DiBa in der Bundesrepublik und zwölf weiteren europäischen Ländern durchgeführt hat: Nicht einmal jeder fünfte Deutsche würde sein Auto gegen Bezahlung mit anderen Menschen teilen.

Beim Thema Fahrrad sind die Deutschen etwas entspannter. Zirka 36 Prozent würden es zur Teilhabe anbieten. Weniger als 30 Prozent würden sich für Car-Sharing entscheiden.

Fast 60 Prozent der deutschen Befragten mögen es nicht, wenn andere Menschen ihr Eigentum benutzen. Für 55 Prozent spielt die ungeklärte Versicherungssituation eine große Rolle.

Viele Umfrageteilnehmer sehen durchaus auch Vorteile in einer Sharing Economy, wie etwa Geldersparnis, höhere Umweltverträglichkeit oder neue Verdienstmöglichkeiten. Vor allem junge Menschen (unter 35 Jahre) gaben an, dass sie in den nächsten zwölf Monaten Sharing Economy-Angebote stärker nutzen wollen, bei den 18- bis 24-jährigen gar mehr als die Hälfte.

Das werden auch die neuen Feuermacher sein, die die Dinge, die sie tief im Innern beschäftigen, nach außen tragen - und die von der Überzeugung geleitet werden: Nur wer selber brennt, kann andere entzünden. Kultmarken wie Zippo oder Opel können dabei nachhaltige Begleiter sein.


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