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29/09/2015 06:03 CEST | Aktualisiert 29/09/2016 07:12 CEST

Kirche, Krisen und Klimawandel: Was uns heute trägt

Bloomberg via Getty Images

„Nachhalt" ist das, „woran man sich hält, wenn alles andere nicht mehr hält." Der tröstliche Satz von Joachim Heinrich Campe, erschienen 1807 im Wörterbuch der deutschen Sprache, ist zeitlos und verweist darauf, dass Nachhaltigkeit vor allem ein Krisenbegriff ist.

Er markiert den Aufbruch eines neuen Bewusstseins und ist mit der Eigenschaft der Resilienz - der Fähigkeit, mit verschiedenen Schicksalsschlägen umzugehen und eigene Widerstandskräfte zu mobilisieren - eng verbunden.

Im Garten Eden keine Sorgen

Dass bei Adam erst nach dem Sündenfall Widerstandskraft und Charakter ausgeprägt wurden, hat den Grund, dass er in Eden keine Sorgen hatte, aber auch unfähig zur Hingabe war. Erst nach seiner Verbannung machte er die Umwelt durch tägliche Sorge und Pflege zu einem menschlich bewohnbaren Ort.

Viele Texte in der Bibel werben für eine kluge Haushalterschaft. Das, was den Menschen von Gott an materiellen Ressourcen anvertraut ist, soll nicht gehortet, sondern zur Sicherung und Pflege des eigenen Lebens und zum Nutzen aller in nachhaltiger Weise eingesetzt werden.

Dem Theologen Johann Gottfried Herder war der biblische Begriff von „Haushalt" („oikos", Haus Gottes) bewusst. Nachhaltigkeit beruht auf dem Vertrauen in das „Vermögen der Erde" zur „Organisation und Erhaltung der Geschöpfe" - und zwar „in Permanenz".

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Kommentar von Marlehn Thieme, Vorsitzende des Rates für Nachhaltige Entwicklung (RNE), Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland.

Die Schöpfung bewahren

Es sind klare Worte, die Papst Franziskus wählte: „Der Klimawandel ist ein globales Problem mit schwerwiegenden Umwelt-Aspekten und ernsten sozialen, wirtschaftlichen, distributiven und politischen Dimensionen." Und weiter: „Ohne eine Solidarität zwischen den Generationen kann von nachhaltiger Entwicklung keine Rede mehr sein." Schonungslos sprach das Oberhaupt der katholischen Kirche in seiner Enzyklika „Laudatio Si" in diesem Jahr die ökologischen und sozialen Probleme der Welt an.

Schon lange treiben die evangelische Kirche und ihre Werke das Thema Nachhaltigkeit grundlegend voran. „Christliche Kirchen weltweit eint der Kampf gegen die Zerstörung der Natur, die wir als Schöpfung Gottes sehen, die uns anvertraut ist, dass wir sie bebauen und bewahren", sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm.

Evangelische und katholische Kirche in Deutschland forderten die G7-Staaten gemeinsam auf, nationale Eigeninteressen zugunsten des globalen Gemeinwohls hinten an zu stellen, die Märkte für die Produkte aus armen Ländern zu öffnen und 0,7 Prozent des eigenen Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit zu verwenden.

In den Globalen Nachhaltigkeitszielen finden Kirchen zwar keine explizite Erwähnung, fallen aber mit ihren Entwicklungsorganisationen unter das Stichwort Zivilgesellschaft. Die ist ein wichtiger Treiber, um Staaten zur Umsetzung der Ziele zu drängen. Kirchen komme dabei eine besondere Rolle zu.

Kirchen haben eine besondere Sensibilität, wenn es darum geht, die Ziele in unterschiedliche gesellschaftliche Strukturen einzuarbeiten. Sie könnten eine Warnfunktion bei den jeweiligen Regierungen ausüben. Auch die interkulturelle Erfahrung der Kirchen und ihre globale Vernetzung spielten eine wichtige Rolle. Ihre Entwicklungswerke könnten sich für die Umsetzung der Ziele in den jeweiligen Partnerländern aktiv einsetzen. Kirchen haben eine lange Erfahrung in der Entwicklungszusammenarbeit und gelernt, wie man eine nachhaltige Entwicklung fördert.

Copyright: Rat für Nachhaltige Entwicklung (RNE).

Über Marlehn Thieme

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