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12/10/2015 05:07 CEST | Aktualisiert 12/10/2016 07:12 CEST

Wie aus schwarzen Investmentbanking-Schafen wieder weiße Ritter werden

Thinkstock

Gastbeitrag von Karen Wendt, Herausgeberin Responsible Investment Banking sowie Gründerin Responsible Investment Banking und Positive Impacts Investing:

Nachhaltigkeit heißt für mich, marktbasierte Lösungen für die Bewältigung globaler Herausforderungen, klimafreundliche Märkte und Enkelfähigkeit durch intelligente Finanzinnovation - kurz: Interessengleichlauf - zu erzeugen statt den perfekten Sturm.

Wir können nicht dauerhaft mehr Ressourcen verbrauchen als unser Planet zur Verfügung stellt, und wir sollten nicht in einer Weise wirtschaften, die gesellschaftliche Spannungen erhöht. Auch unsere Nachkommen brauchen positive Zukunftsbilder, anhand derer sie sich motivieren können, einen wertvollen Beitrag für die Gesellschaft zu leisten.

Wir leben in einer Zeit rasanten Bevölkerungswachstums, Verstädterung und zunehmender sozialer Spannungen. Exponentielles Bevölkerungswachstum verbunden mit dem ungebremsten Klimawandel sorgt so für den „perfekten Sturm": Wasserknappheit, Dürre und Völkerwanderungen.

Wenn wir nichts tun, wird unsere Welt völlig anders aussehen als heute. Das rechnet uns die Weltbank im „Turn down the Heat"-Bericht vor. Deshalb ist der Umbau zu einer karbonarmen Gesellschaft so wichtig - das aber bitte mit marktwirtschaftlichen Mitteln.

Die Internationale Energieagentur (International Energy Agency, IEA) schätzt, dass die Welt auf ihrem derzeitigen Kurs gemäß den Worten von IEA-Chefökonom Fatih Birol auf eine Erwärmung von 6 bis 7 °C zusteuert, was "katastrophale" Auswirkungen zur Folge hätte.

Die IEA schätzt weiterhin, dass weltweit jedes Jahr - zusätzlich zum normalen Bedarf - Investitionen in Höhe von 1 Trillion USD in den Bereichen Energie, Transport und Gebäude benötigt werden, um den durch Energieverbrauch bedingten Kohlenstoffausstoß so zu reduzieren, dass die globale Erwärmung bei 2° C liegen würde.

Es ist wichtig, hier von Investitionsmöglichkeiten und nicht von Kosten zu sprechen, so wie dies auch die Klimabonds Initiative tut. Diese Investitionen können nicht nur durch Eigenkapital, sondern auch durch Bond-Strukturen zur Verfügung gestellt werden.

Mit Green Bonds zum Beispiel und einer Reihe weiterer Instrumente kann die Finanzbranche diesen Wandel unterstützen.

Wären Sie ein Alien und würden auf den Planeten Erde extra - terrestrisch betrachten, böte sich Ihnen das folgende Bild: Unternehmen, die Gewinne machen, viel Gewinn. Das sieht also gut aus, aber gleichzeitig werden mehr Ressourcen verbraucht als der Planet hat.

Würden Sie in ein solches Szenario investieren? Müssen wir also vielleicht Fragen ganz neu stellen? Nicht nur die Frage nach der Zukunftsfähigkeit unseres Bankensystems, nein, auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit unserer Lebensmodelle, unserer Wirtschaftsmodelle: Wie wollen wir in Zukunft leben?

Dabei ist der Blick auf positive Zukunftsbilder gerichtet, die einen gesellschaftlichen Interessengleichlauf erzeugen können - wie zum Beispiel geschehen beim Thema Positive Impact Investing.

Privates Kapital kann und wird eingesetzt werden, um die Armut am Fuße der Pyramide abzuschaffen. Positive Impact Investoren sehen die Menschen, die 2 bis 10 Dollar am Tag verdienen, als Kunden. Für diese Kunden Produkte zu entwickeln, die für beide Seiten profitabel sind, ist anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung.

Positive Impact Investing hilft nicht nur den Menschen und der Reputation des Investment Banking, es eröffnet auch neue profitable Märkte. Im Responsible Investment Banking ist „Verantwortung" ein proaktiver, strategischer Ansatz.

Er steht am Anfang jedes bankunternehmerischen Handelns, setzt sich um in Produktentwicklung, Unternehmenskultur, Wertschöpfungsketten und -prozessen. Die absichtliche und proaktive Schaffung von positiven gesellschaftlichen Wirkungen (Positive Impact) steht im Mittelpunkt.

Produkte müssen gut für die Gesellschaft sein - und gleichzeitig skalierbar. Die "Triple Bottom Line People, Planet und Profit" bestimmt die Zukunftsfähigkeit von Banken und Gesellschaft. Das große Ziel der Gesellschaft ist ja letztlich "Enkelfähigkeit".

Klimafreundliche Märkte, Social Entrepreneurship und Financial Innovation können Hand in Hand gehen." Zum Beispiel indem man Social Entrepreneurs mit Kapital versorgt, Start-ups „investment ready" macht,

Dadurch erschließt man erschließt man sich ein riesiges neues Kundensegment und hilft gleichzeitig der Gesellschaft. Und: Man dehnt das Investmentuniversum aus, anstatt es wie beim SRI lediglich zu reduzieren.

Die Reputation der Investmentbranche kann wieder steigen, wenn sie diesen Wandel sinnvoll als Intermediär mitgestaltet. Aus schwarzen Investmentbanking-Schafen werden so wieder weiße Ritter.

Responsible Investment Banking

Zur Person:

Karen Wendt hat mehr als 20 Jahre Erfahrung im Investment Banking. Sie war maßgeblich an der Schaffung der Äquatorprinzipien (Equator Principles), international akzeptierte ökologisch-soziale Standards für internationale Finanzierungen, in 2003 beteiligt und wirkte in führender Rolle an deren Überarbeitung und strategischer Überprüfung (Equator Principles II in 2006 und Equator Principles III in 2013) mit.

Seit der Gründung ist sie zudem Vorstandsmitglied (Lenkungsausschuss) des Verbandes der Äquatorbanken (EPFI Association) und beteiligt sich an der Schaffung eines freiwilligen weltweiten Verwaltungsrechts.

In dieser Rolle kann sie ihr international gewonnenes Wissen (u.a. bei der EU-Kommission, während ihrer Beratungstätigkeit in Russland und im Investmentbanking) im internationalen Finanzgeschäft mit den strategischen Fähigkeiten, die sie in der Abteilung „Strategische Entwicklung" einer Großbank erworben hat, verbinden.

Der bisherige Erfolg der Äquatorprinzipien hat sie davon überzeugt, dass eine Änderung der Parameter der Weltwirtschaft möglich ist - hin zu einem Ansatz, der negative Externalitäten internalisiert und jetzt die nächste strategische Ebene, die Positive Impact Investing and Finance als Mainstream-Ansatz, erreicht werden kann.

Gemeinsam mit ihren Kolleginnen und Kollegen in anderen Institutionen hat sie mit den Äquatorprinzipien erfolgreich ein sogenanntes wettbewerbsfreies Level Playing Field für die Beurteilung und Beherrschung von Umwelt- und gesellschaftlichen Risiken geschaffen.

Sie sammelte zudem Erfahrungen mit der Prüfung von Menschenrechtsfragen insbesondere bei Projektfinanzierungen, internationalen Arbeitsrechts- und Umweltprüfungen sowie der Erstellung von Umweltmanagementsystemen, Aktionsplänen und Minderungsstrategien (ökologischer und sozialer Risiken) für große internationale Transaktionen in verschiedenen Branchen und Regionen.

Zudem leitete Karen Wendt Stakeholder-Dialoge mit internationalen Netzwerkorganisationen in Bezug auf ESG initiiert und geleitet.

Sie hält einen MBA der University of Liverpool (UK) und ist Herausgeberin verschiedener Bücher zum Thema verantwortungsvolles Investieren und Finanzieren (Positive Impact Investing und Finance) und Investmentbanking. Darin sieht sie die Weiterentwicklung des Themas People, Planet, Profit und Nachhaltiges Wirtschaften hin zu einem chancenorientierten Ansatz.

Als Gastprofessorin an zwei Universitäten in Russland und Weißrussland lebte sie mit ihrer Familie 1993 und 1994 in Moskau und erlebte in dieser Zeit eine Wirtschaft und eine Gesellschaft im intensiven Übergang zur Marktwirtschaft.

Karen Wendt hat darüber hinaus auch zum Thema Kultur des Investment Bankings geforscht, die Rolle von Wertekongruenz und Interessensgleichlauf sowie den Einfluss und die Auswirkungen des Führungsverhaltens auf Vertrauen und Werteidentität in Banken untersucht.

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