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10/02/2015 10:45 CET | Aktualisiert 12/04/2015 07:12 CEST

In unserer Macht. Warum sich Verantwortung auszahlt

Verantwortung tragen ist nicht nur ein Bekenntnis, sondern auch eine Haltung und ein Lebensgefühl. Es geht dabei immer auch darum, das eigene Handeln nicht als Last, sondern als Lust zu empfinden. Nur so kann das Gemeinwohl erhalten und ausgebaut werden.

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Verantwortung tragen ist nicht nur ein Bekenntnis, sondern auch eine Haltung und ein Lebensgefühl: „Ich tue es! Auch dann, wenn die Chancen, es zu schaffen, nicht rosig stehen" (Wolf Lotter). Es geht dabei immer auch um Selbstverantwortung statt passiver Verdrossenheit und darum, das eigene Handeln nicht als Last, sondern als Lust zu empfinden. Nur so kann das Gemeinwohl nachhaltig stabilisiert, erhalten und ausgebaut werden.

Doch wie sollte das Verhalten im Wirtschaftsleben aussehen? Die Antwort darauf ist in den kaufmännischen und unternehmerischen Erfahrungen unserer jahrhundertealten europäischen Wirtschaftskultur zu finden. Hier ist ein Prinzip für gesellschaftlich verantwortliches Wirtschaften erkennbar, das Wirtschaftsführer seit dem frühen Mittelalter zu nachhaltigem Handeln bewegt hat und noch heute aktuell ist: das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns. Es enthält auch die drei entscheidenden Qualitäten, die Max Weber dem Politiker in „Politik als Beruf" (1920) zuschrieb: Leidenschaft - Verantwortungsgefühl - Augenmaß.

Nicht angesammeltes memoriertes Wissen, nicht auswendig gelernte Lehrsätze, sondern unsere inneren Überzeugungen bestimmen unser Denken und Handeln. Sie versuchen wir zu verwirklichen, und ihnen folgen wir.

In ihrem neuen Leitfaden „Verantwortung lohnt sich" zeigt die IHK für München und Oberbayern, wie Unternehmen verantwortungsvolles Wirtschaften als Erfolgsstrategie im zunehmenden Wettbewerb um Marktanteile, Kunden und Fachkräfte einsetzen. In zehn Leitsätzen erläutert die Broschüre, wie sich aus den Grundsätzen des Ehrbaren Kaufmanns moderne Management-Regeln für jedes Unternehmen ableiten lassen.

Der Leitfaden basiert auf den Ergebnissen einer Online-Befragung der IHK für München und Oberbayern zur Rolle und Bedeutung des Ehrbaren Kaufmanns in Unternehmen ihrer Region. An der Befragung beteiligten sich 241 Unternehmen verschiedener Größen und Branchen. Die Mehrheit der befragten Unternehmen weist einen jährlichen Umsatz von unter 250 Mio. EUR auf.

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Vom Bauchgefühl zur Strategie

Interview mit Gerti Oswald (Verantwortliche CSR/Ehrbarer Kaufmann der IHK für München und Oberbayern) und Dr. Antje Kuttner (Referentin CSR/Ehrbarer Kaufmann der IHK für München und Oberbayern)

Der Ehrbare Kaufmann scheint der IHK sehr wichtig zu sein, wenn Sie sogar eine Befragung dazu durchführen. Welche Bedeutung hat das traditionelle Leitbild für die IHK Organisation?

Gerti Oswald: Für die IHK-Organisation hat das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns eine ganz besondere Bedeutung. 1956 wurden die IHKs vom Gesetzgeber beauftragt, für „Anstand und Sitte des ehrbaren Kaufmanns zu wirken". Im Juli 2011 hat die Vollversammlung der IHK für München und Oberbayern „den Ehrbaren Kaufmann leben" als eine von vier Kernaufgaben definiert.

Ziel unserer Aktivitäten ist es, für das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns zu werben und Unternehmen mit einem passgenauen Angebot den Weg zu ebnen, die Haltung des Ehrbaren Kaufmanns zu leben.

Grundlage unserer Arbeit ist dabei selbstverständlich der Blick in die Unternehmerschaft: Welche Bedeutung hat das Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns heute, wofür steht es und wie wird es in Zeiten von Globalisierung und Digitalisierung der Wirtschaft im Geschäftsalltag umgesetzt - das waren die Fragen die uns interessiert haben. Bislang gab es hierzu keine verlässlichen Zahlen. Deswegen legt die Befragung einen wichtigen Grundstein für unsere weitere Arbeit.

Was sind die wichtigsten Ergebnisse der Studie?

Dr. Antje Kuttner: Allein die Teilnahmequote von über 30% zeigt, dass der Ehrbare Kaufmann nichts an seiner Aktualität verloren hat. Darüber hinaus gaben über 90% der befragten Unternehmen an, dass sie dem Ehrbaren Kaufmann aktuell eine hohe bzw. sehr hohe Bedeutung beimessen.

Aus der Studie geht zudem hervor, dass Unternehmen erkannt haben, dass verantwortungsvolles Wirtschaften im Sinne des Ehrbaren Kaufmanns einen langfristig positiven Effekt auf den Unternehmenserfolg hat. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass größere Unternehmen Maßnahmen zur unternehmerischen Verantwortung weitreichender etabliert haben als kleine und mittlere Betriebe.

Welche Schlüsse ziehen Sie daraus für die IHK-Arbeit zum Ehrbaren Kaufmann?

Gerti Oswald: Auf den Punkt gebracht lautet das Ergebnis der Studie: Die Chancen unternehmerischer Verantwortung sind vielfältig - bleiben jedoch oft ungenutzt. Genau hier setzen wir mit unserer Arbeit an. Unser Ziel ist, die Mitgliedsunternehmen darin zu unterstützen, ökonomische, soziale und ökologische Verantwortung ganz bewusst als Erfolgsfaktor in die Unternehmensstrategie, Produkte und Betriebsabläufe zu integrieren.

Das traditionelle Leitbild des Ehrbaren Kaufmanns ist dabei gerade für kleine und mittelständische Unternehmen, die sich keine Abteilungen für Corporate Social Responsibility (CSR) leisten können, eine wichtige Orientierungshilfe.

Sie haben auf Basis der Studienergebnisse einen Leitfaden mit 10 Leitsätzen und praktischen Umsetzungstipps formuliert. Was ist das Ziel dieses Leitfadens?

Dr. Antje Kuttner: Wir machen die Erfahrung, dass gerade inhabergeführte kleine und mittlere Unternehmen, über eine sehr starke Werteorientierung verfügen und intuitiv Maßnahmen unternehmerischer Verantwortung umsetzen ohne dabei an strategische CSR zu denken.

Die gelebte Unternehmensverantwortung im Sinne des Ehrbaren Kaufmanns nimmt viele Effekte von CSR vorweg. Unternehmern, die nach den Prinzipien des Ehrbaren Kaufmanns handeln, ist daher nicht zu empfehlen, CSR-Systeme vollständig zu adaptieren. Stattdessen gilt es klug abzuwägen, welche CSR-Maßnahmen das wertorientierte Handeln des Ehrbaren Kaufmanns ergänzen.

Der Leitfaden soll Firmen dazu anregen, die eigenen Werte fest zu definieren, um darauf eine umfassende Strategie des gesellschaftlich verantwortungsvollen Handelns aufzubauen. So wird sichergestellt, dass sich Unternehmensverantwortung und wirtschaftlicher Erfolg nicht ausschließen, sondern gegenseitig verstärken.

Eine wichtige Säule der IHK-Arbeit ist die Interessenvertretung Ihrer Mitgliedsunternehmen gegenüber der Politik. Hat das Thema auch eine politische Dimension?

Gerti Oswald: Auf politischer Ebene verstärkt sich der Handlungsdruck im Bereich unternehmerische Verantwortung/CSR massiv. Der Rat der EU hat im September 2014 die Richtlinie zur umstrittenen CSR-Berichterstattung angenommen. Bis 2017 soll sie in deutsches Recht umgesetzt werden.

Darüber hinaus fiel im November 2014 der Startschuss für die Erarbeitung des „Nationalen Aktionsplan für Wirtschaft und Menschenrechte" der Bundesregierung. Damit steht das Thema Wertschöpfungs- und Lieferkette im Fokus der zukünftigen Nachhaltigkeitspolitik. Darauf müssen wir die betroffenen Firmen mit unserer Arbeit zum Ehrbaren Kaufmann vorbereiten.

Gleichzeitig machen wir uns auf politischer Ebene für die Interessen unserer Mitgliedsunternehmen stark. Unsere Botschaft: Unternehmen verstehen unternehmerische Verantwortung aus wohlverstandenem Eigeninteresse als Differenzierungsmerkmal und damit als Wettbewerbsvorteil.

Die Politik sollte daher Governancestrukturen schaffen, die eine gelebte Übereinstimmung von persönlicher Haltung und konkreter Handlung des Ehrbaren Kaufmanns ermöglicht und nicht durch Regulierung einengt.

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Haltung und Handeln des Ehrbaren Kaufmanns

Die nachfolgenden zehn Maximen, die auf der IHK-Studie basieren, sollen dem Unternehmer eine Orientierung geben, wie er Haltung und Handlung verantwortungsvoll und erfolgsorientiert zusammenbringt.

1. Maxime: „Überlege wer Du bist und was Du willst!"

2. Maxime: „Sei verbindlich und begründe Deine Entscheidungen!"

3. Maxime: „Sei verständlich und verwende klare Worte!"

4. Maxime: „Prüfe die Wertschöpfungskette!"

5. Maxime: „Verschaffe Dir einen Überblick über vorhandene Aktivitäten!"

6. Maxime: „Prüfe die Ergebnisse der Aktivitäten!"

7. Maxime: „Zeige den Nutzen für das Unternehmen auf!"

8. Maxime: „Bestimme gemeinsam mit den Anspruchsgruppen die Verantwortungsbereiche"

9. Maxime: „Unterstütze gelebte unternehmerische Verantwortung der Mitarbeiter!"

10. Maxime: „Sei ein Vorbild!"

Drei Empfehlungen für die Politik

Empfehlung 1:

Unternehmerische Freiheit gilt auch für unternehmerische Verantwortung!

Empfehlung 2:

Moderate Unterstützung zur Stärkung kleiner und mittlerer Unternehmen!

Empfehlung 3:

Entwicklung von attraktiven Regionen durch Verantwortungspartnerschaften!

Weitere Informationen:

Leitfaden „Verantwortung lohnt sich"


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