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30/10/2017 07:57 CET | Aktualisiert 30/10/2017 07:57 CET

Generation Weltuntergang: Wie aus Visionen Taten werden

Junru Bian / EyeEm via Getty Images

„Wir sind zu einer Truppe von Schwarzsehern, Nölern und Nörglern verkommen", schreiben Stefan Bonner und Anne Weiss in ihrem aktuellen Buch „Planet Planlos". Es ist ein bemerkenswertes Buch, weil es uns wieder Anfängergeist einhaucht und zeigt, was wir können, wenn wir ins Tun kommen.

Die Autoren der Bücher "Wir Kassettenkinder", "Generation Doof" und "Betamännchen" haben sich ein neues Label gegeben: „Wir sind die Generation Weltuntergang - falls die Befürchtungen der amerikanischen Doomsday-Clock-Apokalyptiker eintreten sollten." Endlich spricht die Generation X nicht mehr nur über Scheitern, Status und Funktionsverlust, sondern über das, was über das eigene Leben hinausgeht - auch wenn es genügend Gründe gibt, angesichts von Terroranschlägen, Raketeneskapaden, fehlenden Manieren, Flüchtlingsströmen, Kriegen und Klimawandel der Zukunft skeptisch entgegenzusehen.

Bonner und Weiss plädieren für die Vision einer besseren Welt: „Wir müssen wieder träumen lernen." Schließlich wurden einige der besten Dinge, die sich auch in diesem Buch finden, beim Träumen entwickelt: die Nähmaschine, das Periodensystem der Elemente und der Welthit „Yesterday". Aber beim Träumen darf es nicht bleiben, deshalb zeigen beide, dass wir Ungeahntes schaffen können - so wie wir es auch schon in der Vergangenheit getan haben.

Es gibt genügend Hebel, „die wir gezielt in Bewegung setzen können - wenn wir alle zusammenarbeiten und das positive Ziel nicht aus den Augen verlieren."

Dieses Buch lädt zum Circular Thinking ein - es ist ein bleibender Rahmen, der sich ständig mit neuen Geschichten und Fakten füllen lässt. Das zeigt auch das folgende Beispiel, das sich zwar nicht im Buch findet, aber konkret zeigt, worauf es ankommt, wenn aus Visionen nachhaltige Taten werden:

Unsere Ressourcen sind auch im globalen Bauwesen endlich - so droht Sand (ein wichtiger Zuschlagstoff für Beton) in einigen Regionen bald auszugehen. Wissenschaftler am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und der Eidgenössichen Technischen Hochschule Zürich suchen deshalb nach Alternativen zu den konventionellen Materialien und erforschen den Einsatz von Pilzmyzelium in der Architektur.

Wiederverwertbare Baustoffe wie Myzelium oder Bambus könnten künftig konventionelle Materialien wie Stahl und Beton ersetzen. Ihre Vision (!) und ihren „MycoTree" haben sie unter dem Titel „Beyond Mining - Urban Growth" bei der Seoul Biennale of Architecture and Urbanism 2017 gezeigt: eine Struktur aus Pilzmyzelium und Bambus, deren Geometrie sie mit Methoden grafischer Statik in 3D optimiert und tragfähig gemacht haben.

Um Bausteine aus Myzelium herzustellen, verwenden die Forscher den Pilz Ganoderma lucidum (Glänzender Lackporling) und mischen Pilzgewebe mit Holzspänen oder anderen pflanzlichen Abfällen. Auf einer Farm in Indonesien wächst in wenigen Tagen eine dichte, schwammähnliche Substanz aus miteinander verflochtenen Zellfäden. Diese Masse lässt sich in fast jede Form füllen, wo sie sich über einige Tage weiter verdichtet. Danach wird sie getrocknet, um das Wachstum zu stoppen und den Pilz abzutöten. Das Ergebnis sind leichte Bausteine, die gut isolieren. Die Tatsache, dass sich dieses Myzel je nach Verarbeitung ebenso als Werk- oder Baustoff eignet, nutzt auch das Institut Fraunhofer UMSICHT schon länger für seine Arbeit. Es werden hier nachhaltige Verfahren entwickelt, mit denen sich diese zu Werkstoffen weiterverarbeiten lassen.

Nachhaltigkeit braucht Fassbares und kleine Beispiele, um das Große zu begreifen und positiv zu verändern. Dazu gehört auch der Klimawandel, der im Buch „Planet Planlos" eine besondere Rolle spielt, denn wenn es uns nicht gelingt, ihn zu stoppen, „werden wir unsere eigene Lebenswelt unwiderruflich auslöschen."

Zum Klimagipfel der Vereinten Nationen (COP 23), der vom 6. bis zum 17. November in Bonn stattfindet, werden bis zu 25.000 Gäste und 2.000 Journalisten aus aller Welt erwartet. Hier geht es vor allem darum, konkrete Schritte zu erarbeiten, um das Pariser Abkommen von 2015 in die Tat (!) umzusetzen.

Dafür braucht es auch Überzeugungstäter wie Anne Weiss und Stefan Bonner.

Literatur:

Stefan Bonner und Anne Weiss: Planet Planlos. Sind wir zu doof, die Welt zu retten? Knaur Verlag, München 2017.

Claudia Silber und Alexandra Hildebrandt: Circular Thinking 21.0: Wie wir die Welt wieder rund machen von Amazon Media EU S.à r.l. Kindle Edition 2017.

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Lesenswert:

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