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12/10/2015 05:34 CEST | Aktualisiert 12/10/2016 07:12 CEST

Führen - Leisten - Geben: Was ist richtiges Nachhaltigkeitsmanagement?

Thinkstock

Nachhaltigkeitsberichte gewinnen heute immer mehr an Bedeutung. 2017 tritt die EU-Richtlinie in Kraft, die Unternehmen zur Offenlegung von Informationen zu Umwelt-, Sozial- und Arbeitnehmerbelangen, zur Achtung der Menschenrechte und Bekämpfung von Korruption verpflichtet.

Die „Berichtspflicht" richtet sich vor allem an größere kapitalmarktorientierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern. Indirekt betroffen sind auch kleine und mittlere Unternehmen.

Bis Ende 2016 müssen alle EU-Länder die Richtlinie in nationales Recht umgesetzt haben. Mit einer Berichterstattung nach dem Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) können Anwender bereits heute die Anforderungen der EU-Richtlinie in vollem Umfang erfüllen.

Warum Nachhaltigkeitsberichte?

Das Nachhaltigkeitsreporting dient der Leistungsmessung, Zielsetzung und Durchführung strategischer Veränderungen in Unternehmen und Organisationen. Das Medium enthält Angaben über positive und negative Nachhaltigkeitsauswirkungen sowie Informationen über die Unternehmenspolitik, -strategie und -tätigkeit sowie die sie beeinflussenden faktoren.

Die Global Reporting Initiative (GRI) unterstützt die Nachhaltigkeitsberichterstattung aller Organisationen. GRI hat einen umfassenden Rahmen für Nachhaltigkeitsberichterstattung erarbeitet, der weltweit Anwendung findet.

Dieses Berichtsrahmen, einschließlich des Berichterstattungsleitfadens, legt die Prinzipien und Indikatoren dar, die genutzt werden können, um ihre ökonomische, ökologische und soziale Leistung zu messen.

Allerdings müssen die Inhalte auch von der Führungsspitze und Unternehmensverantwortlichen gelebt werden. VW beispielsweise konnte in den vergangenen Jahren immer „perfekte" Nachhaltigkeitsberichte vorweisen. Aber sie haben keinen Wert mehr. Den direkten finanziellen Schaden des Abgasskandals schätzen Experten auf bis zu 50 Milliarden Euro. Die indirekten Schäden (z. B. der Reputationsschaden) sind „darin noch nicht enthalten und können sich leicht auf weitere 20 bis 30 Mrd. Euro summieren" (dokeo Nachrichten 3/2015, 30.9.2015).

Hilfreiche Links:

Deutscher Nachhaltigkeitskodex (DNK)

respACT-Leitfaden „In 6 Schritten zum Nachhaltigkeitsbericht"

Online-Bewertungstool für Nachhaltigkeitsberichte

Global Reporting Initiative

Wie mittelständische Unternehmen Nachhaltigkeit richtig managen

Interview mit Stefanie Kästle, verantwortlich für Qualitäts-, Umwelt- und Energiemanagement bei der Mader GmbH & Co. KG

_ Frau Kästle, in diesem Jahr erschien Ihr erster Nachhaltigkeitsbericht. Er ist die Folge eines langen Prozesses, in dem alle Anspruchsgruppen des Unternehmens gleichermaßen mitgenommen und überzeugt werden mussten. Wie ist Ihnen das gelungen?

Wir setzen auf allen Unternehmensebenen Anreize zum Umdenken und beziehen sämtliche Stakeholder ein. Alle Mitarbeiter sind in unsere Managementsysteme (9001, 14001, 50001, OHSAS) eingebunden. Durch Kommunikation sowie Schulungen und Workshops fördern wir ein umweltbewusstes Verhalten unserer Mitarbeiter.

Kunden sensibilisieren wir im Rahmen von Seminaren und durch spezielle Informationskampagnen. Dazu gehören z.B. unser Blog www.mader-energieeffizienz.de, unsere Website und das Kundenmagazin, aber auch Publikationen in Fachmedien.

Den Erfahrungsaustausch mit den Stakeholdern stellen wir durch die aktive Mitarbeit in verschiedenen Netzwerken zum Klimaschutz und Energiethemen sowie Bildungspartnerschaften sicher. 2015 haben wir die WIN!-Charta BW www.huffingtonpost.de/alexandra-hildebrandt/bilanzen-im-gleichgewicht_b_7743986.html unterzeichnet.

_ Wie erfolgt die Steuerung Ihrer Nachhaltigkeitsaktivitäten?

Sie erfolgt zentral über den Bereich Qualitäts-, Umwelt-, Energiemanagement. Diese Stabsstelle berichtet direkt der Geschäftsleitung, so dass eine enge Abstimmung gewährleistet ist. Im zweiwöchentlichen Führungskreismeeting werden aktuelle Projekte besprochen. So wird die effektive Steuerung und Umsetzung der Nachhaltigkeitsprojekte sichergestellt.

_ Wo sind Ihre sämtliche Prozesse und Abläufe formal geregelt?

In unserem Managementhandbuch. Wir analysieren regelmäßig unsere Zielerreichung in den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie. Die Ziele werden jährlich festgelegt und sind allen Mitarbeitern bekannt. In unserem jährlich festgelegten Programm sind Maßnahmen zur Zielerreichung aufgeführt.

_ Sehen Sie sich als Nachhaltigkeitsvorreiter in Ihrer Branche?

Ja, damit verbunden ist allerdings auch, dass wir anderen Unternehmen ein Vorbild sein und zeigen möchten, dass insbesondere mittelständische Unternehmen viel bewegen und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit steigern können.

_ Was heißt das konkret für den Bereich Energieeffizienz?

Wir sind zertifiziert nach ISO 14001 und ISO 50001 und beziehen unseren Strom zu 100% aus Wasserkraft. Durch technische Maßnahmen (LED-Beleuchtung, Server-Virtualisierung, energieeffiziente Monitore/Drucker) und Sensibilisierung unserer Mitarbeiter hat sich der Stromverbrauch seit 2011 um fast 30% reduziert. Seit 2014 haben wir ein Elektrofahrzeug und sind Teilnehmer am Projekt Get eReady.

Unsere Auszubildenden führen Workshops zum Thema Umweltschutz durch und stellen regelmäßig Energie-/Umwelttipps ins Intranet ein. Zusätzlich sind als „Energieermittler" im Betrieb unterwegs und verteilen Aufkleber an Kollegen, die z.B. vergessen haben, das Licht in der Pause auszuschalten. Durch solche Projekte können wir die Weiterentwicklung ihrer sozialen Kompetenzen und Umweltschutz optimal verbinden.

_ Wie gehen Sie mit dem Thema Beschaffung und Lieferantenmanagement um?

Sozial- und umweltverträgliche Arbeitsbedingungen bei der Herstellung sind uns wichtig.

Bei der Lieferantenauswahl achten wir neben Qualität, Kosten, Liefer- und Mengentreue daher auch auf Nachhaltigkeit. Um sicherzustellen, dass Lieferanten unseren Anforderungen entsprechen und die Erwartungen unserer Kunden erfüllen, werden diese zunächst anhand einer Selbstauskunft einer eingehenden Beurteilung unterzogen.

_ Was wird konkret abgefragt? Und worauf legen Sie besonders Wert?

Beispielsweise Qualitäts- und Umweltzertifizierungen sowie die Umsetzung im Unternehmen. Zusätzlich erhalten neue Lieferanten unsere Leitlinien, die Grundsätze enthalten, die uns wichtig sind (Grund-/Menschenrechte, Arbeitsschutz/-sicherheit, Gesundheit, keine Diskriminierung, keine Zwangsarbeit, keine Korruption) und deren Einhaltung wir erwarten.

_ Inwiefern werden hier auch Umweltaspekte berücksichtigt?

Funktionalität und Umweltverträglichkeit sind Kennzeichen unserer beschafften Materialien und Produkte. Bei der Neuaufnahme von Produkten werden auch mögliche Umweltaspekte hinsichtlich der Konformität mit gesetzlichen Vorgaben, Emissionen, Energieverbrauch in der Anwendung sowie Stand der Technik erfasst. Ziel ist, verstärkt Produkte mit einer höheren Energieeffizienz ins Portfolio aufzunehmen und aktiv zu vermarkten.

Werbematerialen lassen wir klimaneutral drucken. Unser Büromaterial beziehen wir bei einem Lieferanten, dessen Produktangebot sorgfältig nach ökologischen und sozialen Kriterien geprüft ist. Auf den Energieverbrauch wird auch beim Kauf von elektrischen Geräten geachtet. Bei der Neuanschaffung von Poolfahrzeugen sind der CO2-Ausstoß sowie Kraftstoffverbrauch entscheidende Kriterien.

Zum Unternehmen

Der Druckluft- und Pneumatikspezialist aus Leinfelden bei Stuttgart gehört zu den 29 Klimaschutz-Unternehmen sowie zu den TOP 20-Dienstleistern des Jahres und wird jährlich erfolgreich durch den TÜV auditiert. 2013 besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel das Unternehmen im Rahmen ihrer Demografie-Reise.

Mader gehört zu den Finalisten für den Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2015. Insgesamt 15 Unternehmen aus rund 500 Bewerbungen schafften es in die Endrunde des bundesweiten Nachhaltigkeitswettbewerbs.

Die Auszeichnung wird zum achten Mal von der Stiftung Deutscher Nachhaltigkeitspreis e.V. in Zusammenarbeit mit der Bundesregierung verliehen. Die Preisträger werden am 27. November 2015 im Rahmen des deutschen Nachhaltigkeitstages in Düsseldorf bekanntgegeben.

Die Nominierung der Mader GmbH & Co. KG begründet die Jury mit dem Engagement des Mittelständlers für den energieoptimierten Einsatz von Druckluft: „eine wichtige Technologie, die in vielen Industrien Verwendung findet und normalerweise mit hohem Energieaufwand verbunden ist... Die innovativen Produkte von Mader aber verbrauchen bis zu 50% weniger Strom. Das ist ökologisch wertvoll, und auch ökonomisch sinnvoll für die Kunden".

Im Zusammenhang mit der Bewerbung misst Geschäftsführer Werner Landhäußer der Markteinführung des modularen Dienstleistungspakets Mader AirXpert eine hohe Bedeutung bei: „Ich glaube, dass wir mit AirXpert das richtige Instrument gefunden haben, um selbst zögerlichen Kunden die ökologischen und nicht zuletzt ökonomischen Vorteile einer energetischen Druckluftoptimierung schmackhaft zu machen."

Weitere Informationen:

Warum Dienstleistungen nachhaltig sein sollten

Über alle weiteren Nachrichten im VW-Skandal hält euch unter diesem Link unser News-Blog auf dem Laufenden.

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